Hochwasserlage Saale-Fluten zwingen 30.000 Menschen aus ihren Häusern

Der Pegelstand der Saale in Halle erreicht Rekordwerte, viele Dämme sind völlig durchgeweicht: Rund 30.000 Menschen wurden deshalb aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Kritisch ist die Situation auch in Nordsachsen - dort mussten zwei Dörfer zwangsevakuiert werden. Der Überblick.


Hamburg - Die Hochwasserlage in Halle an der Saale verschärft sich dramatisch. Rund 30.000 Anwohner sollen ihre Häuser verlassen und sich in Sicherheit bringen. Die Saale hat einen Wasserstand von 8,07 Meter erreicht, am Pegel Halle-Trotha sogar noch zwei Zentimeter mehr. "Seit 400 Jahren ist das der höchste Wert", sagte ein Sprecher. Teile der Innenstadt würden zunehmend überflutet. Normal sei ein Pegelstand von weit unter drei Meter.

Notquartiere wurden eingerichtet. Die Dämme seien durchgeweicht, Wasser trete an Sickerstellen aus und teils über die Deiche. "Das Wasser läuft auf die ersten Häuser zu", sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand zur Situation am Gimritzer und Passendorfer Damm. Der Druck auf diese beiden Hauptdeiche sei extrem hoch. Hunderte Einsatzkräfte versuchen, einen Deichbruch zu verhindern.

Kritisch ist die Lage auch in Nordsachsen. Wegen eines überlaufenden Sees sind dort mehrere Dörfer zwangsevakuiert worden. Die Bewohner von Löbnitz und Sausedlitz am Seelhausener See müssten ihre Häuser verlassen, sagte der Sprecher des Kreises Nordsachsen. "Der See ist einfach voll und läuft über." Es bestehe die Gefahr, dass die Sogwelle abfließenden Wassers zu Erd-Abbrüchen führen könnte. Bereits am Dienstag war am Fluss Mulde ein Damm gesprengt worden, um weiteres Einfließen von Wasser in den randvollen Seelhausener See zu verhindern. Eventuell soll diese Stelle noch verbreitert werden.

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Hochwasser: Rekordpegel in Halle, Bangen an der Elbe
Die Pegelstände der Elbe steigen und steigen: In Dresden kletterte das Wasser am Mittag auf 8,43 Meter. Es lief ein Einsatz, um 660 Menschen im Stadtteil Gohlis in Sicherheit zu bringen. Vor allem im Osten der Stadt könnten weitere Evakuierungen hinzukommen, sagte ein Sprecher. Das Hochwasser bleibt laut Prognosen jedoch unter den Höchstständen von 2002. Der Scheitel werde Sachsen am Donnerstagvormittag erreichen, sagte eine Sprecherin des Landeshochwasserzentrums.

Für Dresden wird ein maximaler Wasserstand von 8,50 Meter bis 8,70 Meter erwartet, für Schöna an der tschechischen Grenze von 10,70 Meter bis 10,90 Meter. 2002 waren in Dresden 9,40 Meter und in Schöna 12,04 Meter gemessen worden. "Die Pegelstände werden über einen langen Zeitraum in der höchsten Warnstufe bleiben."

Entlang der Elbe droht in Niedersachsen in den kommenden Tagen ein Rekordhochwasser. In Hitzacker im Landkreis Lüchow-Dannenberg laufen die Vorbereitungen, dort gilt Katastrophenalarm. "Wir werden Sandsäcke auf die Deiche bringen, um gegen höhere Wasserstände gewappnet zu sein. Mehr können wir im Moment nicht machen", sagte der Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue, Jürgen Meyer. Sorge vor einem ähnlichen Ausmaß des Hochwassers wie vor elf Jahren habe er nicht. "Wir haben eine andere Situation. 2002 hatte Hitzacker keinen Hochwasserschutz."

Bewährungsprobe für die neue Schutzwand

Vor elf Jahren stand das Wasser in der 5000-Einwohner-Stadt teilweise bis zu 7,51 Meter hoch. Seit 2008 aber sorgt ein rund 36 Millionen Euro teurer Hochwasserschutz für mehr Sicherheit. Dazu gehört auch eine 938 Meter lange Hochwasserschutzwand. Sie ist 1,20 Meter hoch und kann im Bereich der Stadt mit mobilen Teilen auf 2,70 Meter erhöht werden. Nun kommt die Bewährungsprobe.

Das an Hochwasser gewöhnte Lauenburg in Schleswig-Holstein evakuiert erstmals die von der Elbeflut bedrohte Unterstadt. Betroffen sind bis zu 150 Häuser nahe am Fluss. Deren Bewohner müssten von Freitag 9 Uhr an ihre Häuser verlassen, kündigte Bürgermeister Andreas Thiede an. Nach offiziellen Vorhersagen soll der Pegelstand der Elbe am Wochenende auf mehr als neun Meter steigen, für Mittwoch nächster Woche wird ein historischer Höchststand von 10,35 Metern erwartet.

Die Lage in Brandenburg verschärft sich. An der Schwarzen Elster gab es bei Herzberg einen ersten Deichbruch. Der Wasserstand erreichte in Mühlberg am frühen Morgen 8,80 Meter. Bei der Rekordflut vom August 2002 waren es 9,98 Meter.

In Bayern stabilisiert sich die Situation langsam, Entwarnung konnte aber noch nicht gegeben werden. In Passau gab es für die meisten Bewohner wieder Trinkwasser, wie ein Stadtsprecher sagte. In Straubing und Deggendorf stagnierten die Pegelstände, wenn auch auf hohem Niveau. Immer wieder starten Hubschrauber vom Volksfestplatz in Deggendorf zu gefährlichen Einsätzen. Sie retten vom Hochwasser eingeschlossene Menschen aus dem überspülten Ortsteil Fischerdorf. "Einige sind trotz der dramatischen Lage in ihren Häusern geblieben und warten mittlerweile auf den Dächern auf Hilfe", sagte Einsatzleiter Alois Schraufstetter. "Es herrscht absolute Lebensgefahr. Die Häuser stehen bis zu drei Meter im Wasser."

Aufräumarbeiten in Thüringen

Aus Thüringen zog sich das Wasser langsam zurück. Die Kommunen begannen mit den Aufräumarbeiten und listeten die Schäden auf. Die Fluten der Weißen Elster trafen den Greizer Landschaftspark und das dortige Sommerpalais schwer. "Es ist eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes", sagte der Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Helmut-Eberhard Paulus. Der Park gleiche einer Mondlandschaft.

Das als national bedeutsames Denkmal eingestufte Ensemble aus Park und Palais war in den vergangenen Jahren mit Millionenaufwand saniert und rekonstruiert worden. In einer ersten Bestandsaufnahme sprach Paulus von rund 2,6 Millionen Euro Schaden.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich räumte angesichts der Flutkatastrophe im Süden und Osten Deutschlands Mängel beim Hochwasserschutz ein. Die Situation sei "regional sehr unterschiedlich", sagte Friedrich. In manchen Orten sei der Hochwasserschutz konsequent umgesetzt worden. Andernorts sei er "im Planfeststellungsverfahren steckengeblieben", oder das gesamte Konzept sei nicht umgesetzt worden.

Hilfe für die betroffenen Gebiete kommt derweil von rund 200 französischen und niederländischen Soldaten, die Einsatzkräfte in den überfluteten Regionen unterstützen. Zudem sind etwa 5600 Bundeswehr-Soldaten im Hochwassereinsatz.

wit/dpa/AFP

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
superlykos 05.06.2013
1. Rekordhochwasser
Wann hört das endlich auf?
jonas-zonas 05.06.2013
2.
Zitat von sysopAPDer Pegelstand der Saale in Halle erreicht Rekordwerte, viele Dämme sind völlig durchgeweicht: Rund 30.000 Menschen wurden deshalb aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Kritisch ist die Situation auch in Nordsachsen - dort mussten zwei Dörfer zwangsevakuiert werden. Der Überblick. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-in-halle-30-000-menschen-werden-evakuiert-a-903916.html
Schön dass unsere Medien immer in vorauseilendem Gehorsam in epischer Breite über jedes kleine Wetter-Phänomen in den USA berichten. Schauen Sie sich dieser Tage mal die Ausgaben der größten amerikanischen Tageszeitungen an: Hier kann das halbe Land absaufen und da werden Sie in keiner der dortigen Zeitungen auch nur ein Wort von lesen. Das ist denen sowas von schnuppe... Aber Hauptsache wir haben hier riesige Schlagzeilen, wenn da drüben ein Lüftchen mal wieder ein paar von diesen Kartenhäusern weggepustet hat!
schnuffschnuff 05.06.2013
3.
---Zitat von sysop--- Kritisch ist die Situation auch in Nordsachsen - dort mussten zwei Dörfer zwangsevakuiert werden. ---Zitatende--- Zwangsevakuiert? Wie muss ich mir das vorstellen? Kommt da ein SEK, tritt mir die Tür ein und schmeißt mich dann gefesselt und geknebelt auf einen LKW?
wschwarz 05.06.2013
4.
Zitat von superlykosWann hört das endlich auf?
wenn alles bezahlt ist.
vepchi 05.06.2013
5. Schadensregulierung
Wieviel hat die Verteidigung der Sicherheit Deutschlands am Hindukusch bisher gekostet? Jedenfalls ein Vielfaches von dem, was Frau Merkel jetzt den Hochwassergeschädigten großzügig aus der Bundeskasse versprochen hat. Und von wem sollen diese Summen eigentlich noch wo und wie verdient werden?
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