Hochwasser in Italien "Alles unter Kontrolle"

Auch wenn nach wie vor weite Teile der Po-Ebene überflutet sind, geben die italienischen Behörden vorsichtig Entwarnung. Doch noch immer werden mehrere Menschen vermisst.


Ferrara/Sitten - In Norditalien hat sich die Lage nach den verheerenden Überschwemmungen mit 25 Toten am Samstag entspannt. Die Flutwelle des Po näherte sich der Adria, die Pegelstände in der Po-Ebene sanken weiter. Die Dämme im Flussdelta hielten stand, und es gab keine größeren Schäden, berichtete das italienische Fernsehen. "Es ist alles unter Kontrolle", meldeten die Behörden.

Nachdem die Pegelstände langsam sinken, hat in Italien das große Aufräumen begonnen
AP

Nachdem die Pegelstände langsam sinken, hat in Italien das große Aufräumen begonnen

Weite Teile der Po-Ebene standen aber nach wie vor unter Wasser. Allerdings schien am Samstag fast über ganz Norditalien wieder die Sonne, und die Menschen machten sich daran, die Deiche zu reparieren. Auch die Eisenbahnbrücke bei Ferrara wurde wieder in ihre normale Position abgesenkt. Die Brücke war am Freitag in einer spektakulären Aktion mit Winden rund 70 Zentimeter angehoben worden, damit sich das Wasser nicht staut und über die Ufer tritt.

Innenminister Enzo Bianco ordnete an, dass der Alarmzustand bis Sonntag bestehen bleibt, damit die Nothelfer weiter im Einsatz bleiben. Die Regierung versprach, dass Zehntausende, die ihre Häuser räumen mussten, innerhalb weniger Tage wieder nach Hause dürfen. Möglicherweise erhalten sie Geld aus der gegenwärtigen Versteigerung der italienischen UMTS-Lizenzen. Im Aostatal, wo die Fluten am stärksten gewütet hatten, besteht den Angaben zufolge weiter die Gefahr von Erdrutschen. Im Piemont werden noch immer vier Menschen vermisst.

Auch in der Schweiz werden noch vier Menschen vermisst. Eine Woche nach den verheerenden Erdrutschen durften dort die Bewohner der am schlimmsten betroffenen Dörfer Gondo und Baltschieder in die unbeschädigten Häuser zurückkehren. Geologen hatten die Stabilität der Häuser geprüft und am Freitagabend grünes Licht gegeben. Bei einer Spendenaktion für die Opfer in der Schweiz und Italien kamen bis Samstag umgerechnet rund 26 Millionen Mark zusammen.

In Gondo sollen allerdings erst die Vermissten geborgen werden, bevor die Einwohner des 150-Seelen-Dorfes wirklich zurückkehren, beschloss der Gemeinderat. Anfang nächster Woche sollen Strom- und Wasserversorgung wieder hergestellt werden. Die 1100 Einwohner von Baltschieder können zwar zurückkehren, doch wurden 95 Prozent des Wohngebietes durch Schlamm und Geröll verwüstet. Die Aufräumarbeiten dürften mehrere Wochen in Anspruch nehmen, schätzt die Gemeinde.



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