Hochwasser in Kanada Flut hinterlässt verwüstetes Calgary

Das Hochwasser im kanadischen Westen hat seinen Scheitelpunkt erreicht. Tausende Bewohner Calgarys, die vor der Flut fliehen mussten, dürfen in ihre Häuser zurückkehren. Doch noch gleicht die Metropole einer Geisterstadt.

AP

Calgary - Wegen des dramatischen Hochwassers mussten rund 10.000 Menschen in der Provinz Alberta ihre Häuser verlassen. Jetzt ziehen sich die Wassermassen langsam zurück und die Bewohner sehen erstmals, was die Flut an Zerstörung und Dreck hinterlassen hat.

Der kanadische Westen wurde am Wochenende von ungewöhnlich heftigen Regenfällen überrascht. Betroffen war vor allem die Provinz Alberta, insbesondere die Millionenstadt Calgary, wo die Flüsse Bow und Elbow über die Ufer traten. Rund 75.000 Menschen mussten aufgrund der Wassermassen ihre Häuser verlassen, drei Personen starben, eine weitere Person wird noch vermisst.

Mit den seit Samstag leicht sinkenden Pegelständen normalisierte sich die Lage in der Millionenmetropole langsam. Zwar durften einige der 10.000 evakuierten Bewohner wieder zurück in ihre Häuser, doch noch befindet sich die Stadt laut Calgarys Bürgermeister Naheed Nenshi weiter in einer Ausnahmesituation. Die Schulen bleiben weiter geschlossen. Die Stadt wird laut Nenshi noch Wochen, gar Monate brauchen, um sich von der Katastrophe zu erholen.

Die Menschen sind schockiert: Straßen und Häuser sind voller Schlamm und Abfall, die Gebäude müssen von kaputten Möbeln und mit Wasser vollgesaugten Böden befreit werden. Nathan Mac Bey und seine Frau gehören zu denen, die bereits in ihr Haus in Calgary zurückkehren konnten. Von dem Anblick der Verwüstung, der sich ihnen dort bietet, müssen sie sich erst einmal erholen. Das Wasser hatte das Erdgeschoss der Familie völlig geflutet und mit dem Rückgang nichts als Schlamm und Dreck hinterlassen.

"Das ist beispiellos", sagte der Vater von zwei Kindern mit gebrochener Stimme. Vor allem die Unbeständigkeit der Situation sei für die Kinder unerträglich.

Wie hoch das Wasser in der Stadt gestiegen ist, zeigt sich vor allem in Calgarys Sportstadion Saddledome. Hier reicht das Wasser bis unter die zehnte Sitzreihe. Es herrsche eine surreale Atmosphäre, sagte der Polizeichef Brian Jones von der Royal Canadian Mounted Police. "Wir finden viel Schlamm, die Straßen sind voller Matsch, die Häuser gesichert. Es ist, als würde die Zeit stillstehen."

Was die Flut für die Stadt bedeutet, berichtete die Tageszeitung "Calgary Herald". Auf der Homepage finden sich Informationen über nicht mehr befahrbare Gleise. Die Trinkwassersituation ist trotz der aktuellen Lage entspannt. Noch ist die Stadt mit Trinkwasser versorgt. Um weiterhin einem Engpass entgegenzuwirken, gibt es Ausnahmen für die Nutzung. So darf Leitungswasser etwa nicht mehr zum Autoputzen verwendet werden.

Auslöser für die Rekordwassermengen waren die in den vergangenen Tagen ungewöhnlich starken Regenfälle, die die aus den Rocky Mountains kommenden Flüsse stark ansteigen ließen. Innerhalb von zwei Tagen fielen bis zu 220 Liter Regen pro Quadratmeter. "So viel wie sonst in einem halben Jahr herunterkommt", sagte Wetterforscher Scott.

Eine Normalisierung wird in der kanadischen Metropole frühestens ab Mitte der Woche erwartet. Flussabwärts im südlichen Alberta ist die Lage weiter extrem angespannt. Hier ordneten die Behörden weitere Evakuierungen an.

stb/AP



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