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28. Oktober 2011, 08:42 Uhr

Hochwasser in Thailand

Radikaler Flutplan soll Bangkok retten

Rekordpegel zwingen die thailändische Regierung zu extremen Gegenmaßnahmen: Sie prüft, ob fünf Straßen im Osten der Hauptstadt aufgerissen und zu Flutkanälen gemacht werden sollen. In den kommenden Tagen drohen neue Überflutungen.

Bangkok - Die Pegel in der Region um Thailands Hauptstadt Bangkok steigen, jetzt erwägt die Regierung drastische Gegenmaßnahmen. Um die Wassermassen in den Griff zu bekommen, sollen fünf Straßen im Osten der Metropole aufgerissen und als Flutkanal genutzt werden.

Regierungschefin Yingluck Shinawatra überflog am Freitagmorgen im Helikopter das Gebiet östlich von Bangkok, das für die neuen Flutkanäle vorgesehen ist. Unabhängige Ingenieure und Experten haben vorgeschlagen, mehrere Straßen in dem Gebiet fünf bis sechs Meter weit aufzugraben. Pumpen sollen die Wassermassen dann aus den Überschwemmungsgebieten an der Innenstadt vorbei in diese Abläufe leiten, durch die das Wasser Richtung Meer fließen soll.

Die Straßen aufzureißen, dauere nur zwei Stunden, zitierte die "Bangkok Post" am Freitag Transportminister Sukumpol Suwanatat. "Irgendeiner muss Opfer bringen", sagte der Minister, "sonst können wir das Problem mit den riesigen Wassermassen nicht lösen." In einer weiteren Stellungnahme sagte Suwanatat allerdings, es bestehe "keine Notwendigkeit", den Plan umzusetzen. Das Wasser könne durch die bestehenden Kanäle in Richtung Meer abfließen. Regierungschefin Shinwatra wollte am Nachmittag endgültig über den Vorschlag entscheiden.

Dammbrüche drohen

Die Lage in Bangkok dürfte sich in den kommenden Tagen noch verschärfen. Das Hochwasser am Fluss Chao Phraya erreichte am Freitagmorgen eine kritische Marke, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die Behörden fürchten unkontrollierte Überflutungen, wenn die Dämme brechen.

Das Hochwasser im Fluss habe 2,47 Meter über normal erreicht, hieß es. Die sieben Kilometer langen Flutwälle auf beiden Seiten des Gewässers sind 2,50 Meter hoch. Am Samstag werde das Wasser nach den Prognosen auf 2,60 Meter steigen. "Dann können wir nichts mehr tun", sagte der Sprecher. "Wir müssen die Überschwemmungen hinnehmen."

Nach seinen Angaben dürfte das Wasser in den Straßen im Durchschnitt auf 30 Zentimeter steigen. Die Stadtverwaltung hat die Einwohner der 13 Bezirke entlang des Flusses in Alarmbereitschaft versetzt. "Bereitet euch auf das Schlimmste vor", sagte ein Sprecher des Krisenzentrums am Donnerstagabend nach Angaben der "Bangkok Post".

Außer der Lage am Chao Phraya im Westen der Stadt ist auch der Norden stark gefährdet. Weitere Distrikte sollen im Laufe des Tages geräumt werden, sagte der Sprecher. Schon jetzt stehen sieben im Norden von Bangkok gelegene Stadtbezirke unter Wasser. Tausende Menschen fügten sich dort einer neuen Evakuierungsaufforderung der Regierung.

Thailand erlebt derzeit die heftigsten Regenfälle und Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Insgesamt ist etwa ein Drittel des Landes betroffen. Mehrere hundert Menschen kamen bereits ums Leben, etwa neun Millionen Menschen verloren ihr Zuhause.

Inzwischen hat auch das Auswärtige Amt seine Reisewarnung verschärft. "Von nicht unbedingt erforderlichen Reisen in den Großraum Bangkok und Zentralthailand wird dringend abgeraten", schreibt das Amt auf seiner Internetseite.

bim/dpa/dapd

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