Hochwasser in Thailand Thailand bittet US-Militär um Hilfe

Bangkoks Dämme müssen am Samstag eine neue Bewährungsprobe überstehen. Doch Regierungschefin Yingluck Shinawatra hofft auf eine Entspannung der Lage in den kommenden Tagen. Hubschrauber des US-Militärs sollen bei der Überwachung der Hochwassergebiete helfen.

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Bangkok - In Bangkok tritt immer mehr Hochwasser über die Flutdämme des Flusses Chao Phraya. Dennoch äußerte sich Regierungschefin Yingluck Shinawatra in ihrer wöchentlichen Radioansprache vorsichtig optimistisch, dass Bangkoks Innenstadt an der schlimmsten Katastrophe vorbeikomme. Sie erklärte, in den Gebieten nördlich von Bangkok gehe das Wasser wieder zurück.

Die thailändischen Behörden haben inzwischen das US-Militär um Unterstützung gebeten. Wie der Nachrichtensender CNN in der Nacht zum Samstag berichtete, sollten Hubschrauber des Lenkwaffenzerstörers "USS Mustin", der in Laem Chabang südlich von Bangkok vor Anker liegt, das Hochwassergebiet überfliegen und überwachen. Das Pentagon bestätigte die Anfrage aus Bangkok und sagte sofortige Hilfe zu.

Am Samstagmorgen hat die Hauptstadt zunächst einen neuen Rekordpegel überstanden, das komplexe Netzwerk aus Dämmen hielt, und das Zentrum der Stadt blieb weitgehend trocken. An einigen Stellen, so etwa in Chinatown, schwappten die Wellen jedoch über die Deiche und sorgten für kleinere Überschwemmungen. Wichtige Touristenattraktionen blieben auch am Samstag geöffnet. Im einstigen Königspalast spazierten Besucher mit Sonnenschirmen zum Schutz vor der stechenden Sonne durch die Anlage. Auch im Geschäftsviertel von Bangkok war von der Bedrohung durch das Hochwasser wenig zu spüren.

Ein neuer Scheitelpunkt der Überschwemmungen wird allerdings am Samstag um 18 Uhr (13 Uhr MESZ) erwartet. Problem sind zurzeit nicht die Flutbarrieren am Chao Phraya selbst. Vielmehr sind die Kanäle in dem Distrikt durch die Wassermassen aus Zentralthailand über die Ufer getreten. Die sieben Kilometer langen Flutdämme entlang des Ufers hielten noch weitgehend. Die Behörden fürchten aber das Überlaufen des Flusses im Laufe des Tages, weil eine Springflut im Golf von Thailand zusätzlich Wasser aus dem Süden in die Mündung des Flusses drückt.

Straßen zu Kanälen

Auf der Westseite des Chao Phraya ist der Kampf gegen die Hochwasserfluten praktisch verloren. Am Samstag standen Teile des Stadtbezirks Thon Buri unter einem halben bis einem Meter Wasser, berichteten Lokalsender. Die Stadtverwaltung orderte am späten Freitag die Räumung von Teilen des Bezirks an. Er liegt auf der westlichen Flussseite, direkt gegenüber des alten Königspalastes, der zeitweise auch zu überfluten begann. Selbst das Nationalheiligtum, der Tempel des Smaragdbuddhas, war betroffen, berichtete die Web-Seite der "Bangkok Post".

Das Krisenzentrum der Regierung (Froc) forderte Einwohner in besonders gefährdeten Bezirken entlang des Chao Phraya und im Norden noch einmal dringend zur Flucht auf. Tausende Einwohner von Bangkok sind bereits vor den Wassermassen geflohen.

Im Osten der Zwölf-Millionen-Metropole war ein radikaler Plan, große Straßen aufzureißen und sechs Meter breite Ablaufrinnen für die Wassermassen hineinzuziehen, zwar aufgegeben worden. Am Freitagabend wurde jedoch eine kleinere Variante umgesetzt. In Pathum Thani nördlich von Bangkok rissen Bagger eine Straße parallel zu einem der Ablaufkanäle auf, um den Wassermassen einen weiteren Ablauf Richtung Meer zu bahnen. Die Regierungschefin dankte den Anwohnern für ihr Opfer und versprach Wiedergutmachung.

Yingluck Shinawatra hat die Bevölkerung des Landes zum Durchhalten aufgerufen. Wenn die Wassermassen wie geplant zügig an Bangkok vorbei Richtung Meer gepumpt werden könnten, hielten sich die Überschwemmungen in der Innenstadt in Grenzen, sagte sie. In der ersten Novemberwoche dürfte das Wasser bereits abfließen, wenn jeder Bürger mithelfe.

Die Situation in den überfluteten Regionen nördlich von Bangkok hat sich nach ihren Angaben entspannt. Damit habe auch der Druck auf die Flutbarrieren Bangkoks nachgelassen. Im Gespräch mit Journalisten sagte sie später, die Lage in der Hauptstadt werde sich bereits "in einem oder zwei Tagen verbessern".

Thailand erlebt seit mehr als zwei Monaten die heftigsten Regenfälle und Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Knapp 400 Menschen kamen bereits ums Leben, etwa neun Millionen Menschen verloren ihre Bleibe. Aus Bangkok flohen bereits Tausende Einwohner vor den Wassermassen.

abl/dpa/dapd

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Wattläufer 29.10.2011
1. Bangkok aktuell
Habe eben mit "Bangkok" telefoniert : In Bangkhen ( nahe dem Inlandsflughafen Don Muang im Norden ) steigt das Wasser nicht mehr aber der Strom ist seit letzer Nacht ausgefallen. Ca. 5 % aller Einwohner halten durch in ihren Häusern, die anderen sind Richtung Süden ( Hua Hin, Pattaya ) abgehauen. Polizei und Soldaten in Booten schützen die Häuser vor Plünderern. Die im Prinzip gute Infrastruktur des Landes und die gegenseitige Solidarität der Bevölkerung ( Verwandschaft auf dem Lande ) mindert die Auswirkungen etwas. Die MP'in Yingluck in Designer Gummistiefeln mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig sein aber wie wir alle aus Deutschland noch wissen gewinnt man so Wahlen.
UserInBangkok 29.10.2011
2. Alles fast Normal
Bangkok ist sehr groß und in vielen Stadtteilen (zum Beispiel rund um die Sukhumvit) geht das Leben im Moment fast normal weiter. Hotels, Restaurants, Bars, Shopping Malls, Touristen-Attraktionen – alles ist offen. Nur Geschäfte sind oft halb leer geräumt. Aber viele Besitzer haben ihre Gebäude mit mehr oder weniger temporären Schutzmauern umgeben. Manche Mauern reichen gerade mal zum Knie und andere sind 2 Meter hoch. Das Krisenmanagement der Regierung ist sehr schlecht. Täglich und manchmal stündlich ändern sich sie Prognosen von "alles kein Problem" bis "jetzt evakuieren, die 2 Meter Flut" kommt. Summa summarum sind wir alle hier gespannt was passieren wird. Vielleicht bleibt alles trocken, vielleicht sind wir morgen heftig überflutet. Keiner weis es!
Hans58 29.10.2011
3.
Zitat von sysopBangkoks Dämme müssen am Samstag eine neue Bewährungsprobe überstehen. Doch Regierungschefin Yingluck Shinawatra hofft auf eine Entspannung der Lage in den kommenden Tagen. Hubschrauber des US-Militärs sollen bei der Überwachung der Hochwassergebiete helfen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,794731,00.html
Man kann nur hoffen, dass dieses Mal der Hilferuf von der "richtigen" Stelle kam, damit es nicht wieder zu dem Debakel kommt wie mit der USS George Washington: http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=9010259&postcount=44
Seska Larafey 29.10.2011
4. Gut so
Weiter so, Amerika Zeigt der Welt, das ihr eure Hände auch zum Helfen ausstreckt (und den GI's Abwechslung im Army Alltag gebt und ein "Positives" Erlebnis Menschen zu retten). Ungeachtet des Staaten oder Religionen. Wen die Länder eure Hilfe brauchen, solltet ihr Sie auch geben. Soweit ihr es natürlich hin bekommt. Aber achtet darauf, das ihr nicht Missbraucht werdet zu Machtspielen ihn ihren Land. Alle Menschen auf der Welt, haben Hunger, Durst, Angst, Sorgen So verschieden sind wir nicht. Und hört nicht auf die US Army Basher hier, die würden auf alles was eine Uniform tragen, schimpfen. Die sitzen im gemütlichen, Warmen Haus ohne Hunger, Durst, Angst und Sorgen. Die Army, kann auch Menschenleben retten.
Hans58 29.10.2011
5.
Hatte der Doktor Ihnen nicht gesagt, dass Sie erst die roten, dann die gelben Pillen nehmen sollen und nicht umgekehrt? Ein Schuft, wer bei rot-gelb an was anderes denkt.....
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