Hochwasser-Katastrophe Überflutung soll New Orleans retten

Es ist der Versuch, eine Katastrophe in New Orleans zu vermeiden: Mit der kontrollierten Überflutung von mehr als 7000 Quadratkilometern Land soll das Hochwasser am Mississippi gesenkt werden, das die Metropole bedroht. Die Evakuierung hat begonnen, die Welle wird noch am Samstag erwartet.

AFP

New Orelans - Die US-Behörden haben sich am Samstag auf eine Öffnung eines Entlastungskanals vorbereitet, mit dem der Druck von den Deichen des Mississippi genommen werden soll. Der Kanal könne geöffnet werden, um das Hochwasser von den Großstädten an den Ufern des Flusses fernzuhalten, erklärte das US Army Corps of Engineers. Die Großstädte Baton Rouge und New Orleans drohten sonst überflutet zu werden, sagte Russel Honore, der den Militäreinsatz nach dem Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 geleitet hatte, auf CNN.

Sollte der Kanal geöffnet werden, wird ein Gebiet mit mindestens 24.000 Einwohnern und 13.000 Gebäuden überschwemmt werden. Das Rote Kreuz bereitete bereits Notunterkünfte für rund 5000 Menschen vor. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal forderte die Einwohner der betroffenen Region auf, sich auf eine Evakuierung einzustellen. "Jetzt ist die Zeit gekommen, um aktiv zu werden. Trödelt nicht. Hofft nicht, dass sich etwas ändert", sagte Jindal laut der "New Orleans Times Picayune". Beamte der Polizeibehörden und Freiwillige der National Guard gingen in dem gefährdeten Gebiet von Tür zu Tür, um die Bewohner zur Evakuierung zu bewegen.

Vorhersagen zufolge wird sich ein Hochwasser von bis zu 4,57 Metern Höhe über die Kleinstadt Butte La Rose in Louisiana ergießen, wenn der Entlastungskanal geöffnet wird. In Teilen des weitläufigen Cajun-Gebietes wird die Überflutungshöhe aber bis zu 8,5 Meter erreichen. Es wird erwartet, dass bis zu 7700 Quadratkilometer von den Wassermassen überspült werden könnten. Es ist das erste Mal seit 38 Jahren, dass die Fluttore des sogenannten Morganza Spillway geöffnet werden.

Kontrollierte Katastrophe

Er eröffnet der Flutwelle quasi eine Abkürzung zum Meer: Auf einer Breite von rund 37 Kilometern wird sich die Hauptflutwelle bis zu 115 Kilometer weit über Land in Richtung Golf von Mexiko wälzen, dabei Sumpfland, aber auch Weideflächen überfluten. Hier, im so genannten Atchafalaya Basin, wird die Überflutungshöhe zwischen drei und sieben Meter erreichen. Die einzige größere Ortschaft, die hier betroffen sein wird, ist Morgan City, eine Kleinstadt mit 12.000 Einwohnern.

Zu der kontrollierten Flut gibt es nach Meinung der Katastrophenhelfer keine Alternative: Ließe man die Welle weiter ungemindert gen New Orleans rollen, könnte dort ein Versagen der Flutsicherungsanlagen drohen - und dann eine Überschwemmung, die schlimmer ausfallen könnte als die nach dem katastrophalen Hurrikan Katrina im Jahre 2005.

Die weiträumige Überflutung soll aber nicht nur die Großstädte am Mississippi schützen, sondern auch eine Umweltkatastrophe verhindern. Würde die Flutwelle die Industriegebiete in den urbanen Regionen erreichen, wären zahlreiche Ölraffinerien und Chemiewerke am Fluss akut überflutungsgefährdet. Das sukzessive Öffnen der Morganza-Fluttore ist bereits der zweite Schritt im Katastrophenplan zur Entlastung des Mississippi: bereits vor einer Woche wurden erste Fluttore flussaufwärts von New Orleans geöffnet, die Wasser in den Ponchatrain-See abführten.

Ursache des Hochwassers am Mississippi sind heftige Regenfälle im vergangenen Monat, die die ohnehin durch die Schneeschmelze bereits angeschwollenen Flüsse zum Überlaufen bringen. Den Überschwemmungen vorausgegangen waren schwere Stürme in der Region sowie eine Serie von Tornados, durch die in mehreren Südstaaten insgesamt 350 Menschen ums Leben kamen.

pat/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.