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Restitution Hohenzollern erhoffen Hilfe von Historikern

Georg Friedrich Prinz von Preußen fordert von Brandenburg eine Millionenentschädigung. Werden ihm neue Erkenntnisse von Historikern helfen, ans Geld zu kommen?
aus DER SPIEGEL 35/2021
Burg Hohenzollern bei Hechingen

Burg Hohenzollern bei Hechingen


Foto: Roland Beck/ dpa

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Georg Friedrich Prinz von Preußen fordert im Rechtsstreit mit dem Land Brandenburg über die Nazivergangenheit seiner Vorfahren mehr Zeit. Am 4. August schrieb sein Anwalt an das Verwaltungsgericht Potsdam, es bedürfe »weiterer historischer Recherchen«, die »sehr zeitaufwendig« seien. Auch seien »relevante Publikationen namhafter Historiker« zur Rolle der Hohenzollern im »Dritten Reich« zu erwarten. Diese müssten berücksichtigt werden. Der Anwalt beantragte eine Fristverlängerung von einem Jahr.

Prinz von Preußen, Sprecher der Hohenzollern, fordert eine millionenschwere Entschädigung für Immobilien, die von den Sowjets nach 1945 in der späteren DDR enteignet worden waren. Brandenburg lehnt eine Zahlung ab. Kern der Auseinandersetzung ist, ob der von der Enteignung betroffene Ex-Kronprinz Wilhelm einst dem Nationalsozialismus »erheblichen Vorschub« geleistet hat. Brandenburg sieht das so, Prinz von Preußen bestreitet es. Diese sogenannte Unwürdigkeitsklausel soll verhindern, dass Nazihelfer und ihre Erben entschädigt werden.

Prinz von Preußen: Millionenforderung an den Staat

Prinz von Preußen: Millionenforderung an den Staat

Foto: Patrick Seeger / DPA

Das Verfahren ruht seit Jahren, da die Hohenzollern mit Brandenburg, Berlin und dem Bund Vergleichsverhandlungen führten. Prinz von Preußen möchte diese fortsetzen, die öffentliche Hand betrachtet sie als gescheitert. Das Verwaltungsgericht entscheidet nun, wie es weitergeht. Ein Sprecher von Prinz von Preußen hat gegenüber dem SPIEGEL die Existenz eines »Antrags auf Fristverlängerung« bestätigt.

Prinz von Preußen geht der Ruf voraus, eine kritische Aufarbeitung der NS-Geschichte seiner Familie verhindern zu wollen, was er bestreitet. Historiker und Journalisten, die kritisch über den Restitutionsstreit und den Ex-Kronprinzen berichteten, riskierten juristische Konsequenzen. Prinz von Preußen sagt, er wehre sich nur gegen falsche Tatsachenbehauptungen. Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands sieht das anders und verurteilt »nachdrücklich, dass die Hohenzollern mit rechtlichen Mitteln gegen Historiker vorgehen«.

klw
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