Hohlspiegel 2006 "Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Erektionsstörungen?"

"Siemens holt sich Korruptionsberater", "Merkel stellt sich vor nackten Verheugen", und ein "Internist nimmt Patientin aus": Die Nachrichten können noch so ernst sein, irgendwie gibt's doch immer etwas zu lachen. Betrachten Sie das Jahr 2006 im Hohlspiegel.


Hamburg - Landshut ist eine glückliche Stadt. In der niederbayerischen Hauptstadt ist die Welt eben noch in Ordnung. Auch Hans Rampf, seines Zeichens Oberbürgermeister von rund 60.000 Landshutern, freut sich. "Wir sind vom Glück beseelt", zitiert ihn das Heimatblatt, die "Landshuter Zeitung": "In der Stadt gebe es mehr Todesfälle als Geburten, doch dieses Einwohner-Defizit könne durch die Attraktivität der Stadt und Region ausgeglichen werden." Mit dem letzten Eintrag vor Weihnachten in der SPIEGEL-Rubrik "Hohlspiegel" sicherte die Zeitung ihrem OB endlich auch einmal eine Erwähnung in dem Nachrichtenmagazin und machte sein Glück damit hoffentlich komplett.


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"Der Hohlspiegel", so ist in der Online-Enzyklopädie "Wikipedia" zu lesen, "ist ein konkav gewölbter Spiegel." Viele Hohlspiegel hätten eine sphärische Form und würden durch den Radius der Kugel bestimmt, deren Wandsegment sie darstellten. So oder so ähnlich. Jedenfalls, so merkt auch der physikalische Laie, geht es bei Hohlspiegeln gern um Herausforderungen für die deutsche Sprache.

Dabei ist es die zumeist unfreiwillige Komik der Fundstücke, die die Leser zum Lachen bringt. Wenn etwa das Wochenmagazin "Prisma" von "Gospel-Sängerinnen beiderlei Geschlechts" schreibt, die zu Körperfülle neigen, oder sich die Deutsche Bahn in einem Schreiben entschuldigt: "Es tut uns Leid, dass Ihre Bahnreise am 13. Mai störungsfrei verlaufen ist." Und selbst Beamte in Köln dürften sich amüsieren, wenn sie im "Kölner Stadtanzeiger" lesen: "Der 17-Jährige wurde von der Polizei alkoholisiert und aufgegriffen."

Gern wird dem SPIEGEL vorgeworfen, er fröne der Schadenfreude. Aber es macht doch so viel Spaß. Und: Humor ist, wenn man trotzdem lacht, lehrte uns schon Wilhelm Busch. (Stimmt zwar nicht, aber klingt viel besser, als wenn man das Zitat korrekterweise dem doch weit unbekannteren Literaten Otto Julius Bierbaum zuschreibt.) Gern gönnen wir diese Freude daher auch anderen, denn gegen "Hohlspiegel" ist niemand gefeit - nicht einmal der "Hohlspiegel". Im November wurde hier aus der Lokalzeitung von Trier, dem "Trierischen Volksfreund" zitiert. DER SPIEGEL schrieb: "Aus dem 'Tierischen Volksfreund'."

Hier ein paar der schönsten Stilblüten,
die im vergangenen Jahr im deutschen Blätterwald gediehen - mit den besten Grüßen aus dem Glashaus.

dab

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