Unerlaubte Bischofsweihe Holocaust-Leugner Williamson nach Kirchenrecht exkommuniziert

Holocaust-Leugner Richard Williamson ist nicht gerade für seine Einsicht bekannt. Nach einer unerlaubten Bischofsweihe ist er automatisch aus der Kirche ausgeschlossen worden. Doch der 75-Jährige plant bereits die nächste Weihe.

Holocaust-Leugner Richard Williamson: Unerlaubt Bischof geweiht
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Holocaust-Leugner Richard Williamson: Unerlaubt Bischof geweiht


Nova Friburgo - Der britische Holocaust-Leugner und erzkonservative katholische Geistliche Richard Williamson hat in Brasilien unerlaubt eine Bischofsweihe vollzogen. Damit zog der 75-Jährige automatisch die Kirchenstrafe der Exkommunikation auf sich.

Unbeeindruckt von dem Kirchenausschluss plant der wegen Volksverhetzung verurteilte Williamson laut der Diözese der Stadt Nova Friburgo im Heilig-Kreuz-Kloster eine weitere Weihe. Die sei ein "illegitimer Akt", heißt es in einer Mitteilung auf der Webseite der Diözese.

Diese Handlung ziehe nach kanonischem Recht automatisch die Exkommunikation für Williamson als auch für den zum Bischof geweihten Priester nach sich, hieß es. Der Diözesanbischof von Novo Friburgo, Edney Gouvêa Mattoso, reagierte mit "großer Traurigkeit" auf die Nachricht der "illegitimen Ordinierung".

Laut domradio.de handelt es sich bei dem geweihten Bischof um den Franzosen Jean-Michel Faure. Er ist der Nachfolger Williamsons als Leiter des Priesterseminars von La Reja in Argentinien.

Ein ähnliches Vorgehen hatte Williamson schon einmal die Strafe der Exkommunikation eingebracht. 1988 war er aus der Kirche ausgeschlossen worden, nachdem der Gründer der erzkonservativen Piusbruderschaft, Marcel Lefebvre, ihn und drei andere Mitglieder der vom Vatikan nicht anerkannten Priestervereinigung ohne Zustimmung des Vatikans zum Bischof geweiht hatte.

Papst Benedikt hatte diese Strafen 2009 aufgehoben, um den Weg zum Dialog zum ebnen. Das Vorgehen war seinerzeit auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf kritisiert worden.

Die Entscheidung war umso streitbarer, als Williamson 2008 bei einem TV-Interview nahe Regensburg die Existenz von Gaskammern und den Mord an sechs Millionen Juden durch die Nazis bestritt. Seit Jahren beschäftigt sich die deutsche Justiz mit dem Fall. 2012 war Williamson aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen worden.

gam/dpa/AFP



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sponner_hoch2 21.03.2015
1.
Hi hi, das ist irgendwie "lustig". Die kath. Kirche hat jetzt nämlich das Problem, dass er der neue Bischof zwar Verwaltungsrechtlich keiner ist - theologisch (nach eigenem Verständnis des Vatikans!) aber schon. Stichwort "Apostolische Sukzession".
danielc. 21.03.2015
2. Was glaubt der Mann?
Wenn er an die Lehre der katholischen Kirche glaubte, hielte ihn die Aussicht auf die höchste Kirchenstrafe davon ab. Da das nicht der Fall ist, stellt sich die Frage, woran er neben der Holocaust-Lüge noch glaubt. Sicher nicht an den Führungsanspruch des Papstes. Dann ist er nicht katholisch, ergo ein Ketzer. So wie aus seiner Sicht die Modernisierer innerhalb der Kirche. Konsequenterweise sollten seine Anhänger schon einmal Holz für ihn aufschichten. Aber Konsequentes Handeln ist eher ehe protestantische Tugend. Wozu gibt es sonst Beichte und Absolution?
metmaschine 21.03.2015
3. @hemtech
Das Verleugnen von Fakten ist keine Meinung, daher kann man es auch strafrechtlich ahnden.
Kaffki 21.03.2015
4. Oh ein Katholik !
er ist ja gegen uns (Kopf abschlagen) Zitat: Isrl.Aussenministe: Lieberman. Also in zukunft immer acht geben ... !!!! sonst Kopf ab....-:(
Zaphod 21.03.2015
5. Annäherungen
Offensichtlich sind die Annäherungen, die von Papst Benedikt eingeleitet worden sind, ins Stocken geraten oder sogar gescheitert. Es wäre interessant, wenn auch über die Hintergründe der Bischofsweihe berichtet würde, damit das ganze Geschehen besser gedeutet werden kann. Die Piusse stellen weiterhin eine große Gefahr für die katholische Kirche dar, da ihre Argumentation für den Fortbestand der tridentischen Liturgie logisch und schlüssig ist. Darum sollte auch der neue Papst alles unternehmen, um die Piusse in der Kirche zu integrieren, damit nicht seine Autorität eines Tages angegriffen und die katholische Kirche als nicht mehr katohlisch entlarvt wird.
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