Holocaust-Überlebende zum 35. Mal Uroma »Babys sind die beste Rache an Nazis«

Als junge Frau wurde die ungarische Jüdin Lily Ebert in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert – nun kam ihr 35. Urenkel auf die Welt. Die 98-Jährige reagierte emotional.
Lily Ebert (rechts) mit Premierminister Boris Johnson

Lily Ebert (rechts) mit Premierminister Boris Johnson

Foto: Tim Hammond / picture alliance / Photoshot

Die 98-jährige Holocaust-Überlebende Lily Ebert ist zum 35. Mal Urgroßmutter geworden. Für jede Urgroßmutter sei es etwas Besonderes, sagte die in London lebende Ebert der Nachrichtenagentur PA. Doch für sie als Holocaust-Überlebende sei es umso spezieller. »Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe. Ich musste zuallererst überleben, dann dieses Alter erreichen. Die Nazis wollten uns töten, und wir haben gezeigt, dass es ihnen nicht gelingt.«

Ebert wurde 1923 in Ungarn geboren und 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihre Mutter, ihr jüngerer Bruder und ihre jüngste Schwester wurden dort ermordet. Mit zwei weiteren Schwestern kam Ebert nach vier Monaten zur Zwangsarbeit in eine Munitionsfabrik bei Leipzig, wo sie von US-Truppen befreit wurde. Über die Schweiz und Israel gelangte sie 1967 mit drei Kindern nach England.

»Babys sind die beste Rache an den Nazis«, zitierte der 18 Jahre alte Dov Forman seine Urgroßmutter in einem Tweet, den seit Sonntag schon mehr als 143.000 Nutzerinnen und Nutzer mit Likes versahen. Dazu veröffentlichte Forman ein Foto, das ihn gemeinsam mit Ebert im Jahr 2003 zeigt.

Forman betreibt für Ebert einen TikTok-Account mit mehr als 1,6 Millionen Followern und hat mit ihr gemeinsam ein Buch herausgebracht, zu dem Prinz Charles das Vorwort beisteuerte. »Sie hat ihr ganzes Leben der Aufklärung über den Holocaust gewidmet«, sagte Forman.

Seine Uroma habe gemeinsam mit anderen Überlebenden Schulen, Unternehmen und Organisationen besucht. »Ich habe mir selbst versprochen: Solange ich lebe, werde ich künftigen Generationen meine Geschichte erzählen«, sagte Ebert.

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Dass sie jemals so viele Menschen erreichen würde, habe sie sich nicht vorstellen können, sagte Ebert im vergangenen Oktober der »Sunday Times« in einem Gespräch über den Erfolg ihres TikTok-Accounts. Auch, dass sie jemals eine Familie haben würde, glaubte sie demnach lange nicht.

Anmerkung: In einer früheren Fassung hieß es, Lily Ebert sei als 14-Jährige nach Auschwitz deportiert worden. Wir haben die Angabe korrigiert.

aar/dpa
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