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12. November 2016, 07:59 Uhr

Gesägt, getan

Verzapft und original verkorkst

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Lässt der Heimwerker eine Schmach auf sich beruhen? Selbstverständlich nicht. Wenn ein Projekt grandios scheitert, fängt man eben noch mal von vorne an. Und merkt: Es ist schon deutlich besser. Aber noch lange nicht gut.

Beim Anblick meines Bank-Fiaskos von neulich musste ich an den Loriot-Sketch mit den Vertretern denken, die Frau Hoppenstedt besuchen. Der Weinvertreter Blühmel, gespielt von Loriot, hat einen Kernsatz: "Abgezapft und orginal verkorkt von Pahlgruber & Söhne." Und, nach den ersten paar Gläschen Wein: "Abgezapft und orginal verkorkst von Pahlgruber & Söhne." Als ich meine Bank betrachtete, musste ich immerzu daran denken: Verzapft und original verkorkst. Von mir.

Um kurz zu rekapitulieren: Ich wollte eine Bank bauen, was Stabiles, Solides, ein künftiges Erbstück. Das Ergebnis war weder stabil noch solide. Und als Erbstück nur geeignet, wenn man seine Kinder nicht leiden kann. Nicht mal die Begrifflichkeiten stimmten. Es war keine Zapfen-Verbindung, wie mir mehrere fachkundige Leser schrieben. Sondern eine mit Zinken.

Auf das Tal des Heimwerkerfrustes folgte der Berg des Hochgefühls

Das alles hat mich ordentlich gewurmt, obwohl ich sehr viel Zuspruch und Ermutigung von Lesern bekam. Ein Tischlermeister schrieb mir: "Respekt für die handwerkliche Leistung, ich kann mich noch gut an meine ersten Zinkenverbindungen erinnern." Ein Trost, aber nur ein schwacher.

Vor allem, weil mir mein Hauptfehler relativ schnell klar wurde: Ich hatte nicht im Abfallholz gesägt, also in jenen Teilen, die später ohnehin wegfallen würden. Sondern in den Teilen, die stehenbleiben sollten. Und in der Summe ergab das Lücken von zwei Sägeblattbreiten. Dass meine Säge eine absolute Katastrophe war, half auch nicht.

Wenige Tage später habe ich mir eine Japansäge gekauft. Und mit dem Bau einer zweiten Bank begonnen. Dieses Mal nicht aus Eiche, sondern aus günstigen Nadelholzbohlen, die noch im Schuppen rumlagen. Die sind weicher und einfacher zu bearbeiten. Und ich wollte mich bei erneutem Scheitern nicht ärgern müssen, schönes und teures Holz verhunzt zu haben.

Was soll ich sagen? Auf das Tal des Heimwerkerfrustes folgte der Berg des Hochgefühls. Die ersten Sägeschnitte waren wie eine Offenbarung. Wie leicht das Sägeblatt durchs Holz glitt! Wie gerade die Schnitte waren! Und meistens sogar dort, wo ich sie haben wollte! Beim Wegstemmen des Abfalls wurde mir klar, dass eine Eichenarbeit zum Starten vielleicht zu ambitioniert gewesen war, eine Art selbst auferlegte Strafarbeit.

Pfuscher aller Länder, vereinigt euch!

Inzwischen ist Bank Nummer zwei fertig verzinkt. Und ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll.

Zuerst die Freude: Zapfen und Zinken sitzen so fest zusammen, wie ich es mir gewünscht hatte. Ganz ohne Leim. (Ehrlich gesagt wollte ich welchen verwenden. Aber dann habe ich vergessen, ihn vor dem Zusammenstecken auf dem Holz zu verteilen. Und hinterher saßen die Teile so stramm, dass ich sie nur mit viel Kraft wieder auseinandergekriegt und bestimmt nie wieder so gut zusammenbekommen hätte. Da dachte ich: Geht auch ohne.)

Der Ärger: Hübsch sieht die Verbindung noch nicht aus, da half auch das Abschleifen nur bedingt. Manche der gröbsten Lücken ließen sich mit kleinen Holzstückchen nachträglich ausfüllen - ein Trick, den mir mehrere Leser empfohlen haben. Pfuscher aller Länder, vereinigt euch!

Wenn ich mich in dem Tempo weiter verbessere, kann es nur noch geschätzte 30 Bänke lang dauern, bis meine Zinken-Verbindungen halten und noch dazu einigermaßen hübsch aussehen.

Puh. Kennt irgendjemand einen guten Holzhändler?

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