Hommage an Westwood Ohne Unterwäsche zur Queen

Modedesignerin, Punk-Ikone, Exzentrikerin - die Britin Vivienne Westwood hat sich im Laufe ihres Lebens zahlreiche Titel verdient. Leicht ausgeflippt war ihre Mode schon, als sie noch einen T-Shirt-Laden auf der Londoner Kings Road hatte. Jetzt wandern Westwoods Kreationen ins Museum.

Hamburg - Wer hätte das damals gedacht? Dass die Frau, die in den siebziger Jahren die Kostüme für die Punk-Band "Sex Pistols" schneiderte, einmal zu einer renommierten Kultfigur der Modewelt aufsteigen würde? Doch spätestens seit dem vergangenen Wochenende ist der 64-jährigen Modedesignerin Vivienne Westwood dieser Status gewiss: Am Sonntagabend wurde im Düsseldorfer NRW-Forum die bislang umfassendste Retrospektive zu Ehren der Britin eröffnet. Die Ausstellung, die bis zum 14. Mai zu sehen ist, dokumentiert anhand von Videos, Kleidermodellen, Schuhen, Accessoires und Hüten die wichtigsten Karriere-Schritte Westwoods. 



Dabei hatte zu Beginn von Westwoods Modekarriere kaum etwas darauf hingedeutet, wie erfolgreich die Designerin einmal werden sollte. So hatte die Modeschöpferin mit dem flammend roten Haar anfangs nicht viel mehr gemacht, als T-Shirts selbst zusammenzunähen und in einer kleinen Boutique zu verkaufen. Doch schon damals war eine ihrer herausstechenden Eigenschaften das Streben danach aufzufallen. "Wie eine wandelnde Verkehrsampel" sei Westwood damals über die Kings Road geschritten, heißt es. Dort hatte sie mit ihrem zweiten Mann Malcolm McLaren Mitte der siebziger Jahre ihre Boutique "Let It Rock" aufgemacht.

Doch schon bald zeigte sich, dass Westwood mit der Liebe zum Stilbruch ein wesentliches Talent für die Modebranche mitbrachte. So konnte man in ihrem kleinen Laden nicht nur Fetisch-Artikel, Gummi-Hosen oder selbst gefertigte Weltanschauungs-T-Shirt erwerben. Auch vor Sicherheitsnadeln, Rasierklingen, Fahrradketten, ja sogar Hühnerknochen als Arbeitsmaterial schreckte die Autodidaktin nicht zurück. Gefallen wollte sie damit kaum, eher provozieren. "Meine Kleider machen Individuen", stellte die Engländerin fest, die bald als Mitbegründerin der Punk-Bewegung galt. An ihr begannen sich Modedesigner wie Gaultier und Versace zu orientieren, heute zählt Westwood zu den meistkopierten Modeschöpferinnen.



Ihren legendären Ruf bezieht die Grande Dame der schrägen Mode auch aus der Fähigkeit, sich immer wieder zu wandeln. So folgten den abgewetzten Entwürfen der Punk-Mode nach einigen Rückschlägen schließlich erfolgreichere Kollektionen im französischen Rokkoko-Stil oder auch moderne Varianten des klassischen Tweed-Kostüms. Ihre Kreationen werden mittlerweile von Super-Models wie Linda Evangelista, Christy Turlington oder Naomi Campbell präsentiert. Vor allem die Letztere dürfte allerdings weniger gut auf Westwoods Produkte zu sprechen sein: Bei einer Modenshow 1993 brachten Westwoods Plateau-Schuhe mit ihren rund 25 Zentimeter langen Absätzen selbst die erfahrene Campbell zu Fall.

Inzwischen hat sich die einstige Mode-Rebellin mit dem Establishment gut arrangiert: Bis vor kurzem lehrte sie fast 13 Jahre lang als Professorin an der Berliner Hochschule der Künste. Schon 1992 wurde die gelernte Lehrerin in den Orden des Britischen Empires aufgenommen, Anfang dieses Jahres wurde sie sogar "für ihre Verdienste um die britische Mode" geadelt. Im Gegensatz zur Ehrung vor 14 Jahren soll die erneute Zeremonie ganz gewöhnlich abgelaufen sein. Damals hatte sich Westwood den Fotografen vorm Kensington Palace noch ohne Unterwäsche präsentiert.

Roman Heflik

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