Horror in Madrid Bombenserie reißt Dutzende Menschen in den Tod

Eine Terrorwelle erschüttert Spanien: Bei Bombenanschlägen in drei Madrider Vorortzügen wurden mehr als 130 Menschen getötet, die Zahl der Verwundeten wird mit mehr als 400 angegeben. Die Bevölkerung ist aufgerufen, Blut zu spenden.




Verletzte Opfer unter Schock: Bomben im Vorortszug
AP

Verletzte Opfer unter Schock: Bomben im Vorortszug

Madrid - Mit grausamer Präzision gingen die Attentäter vor: Zwischen 7:35 und 7:55 Uhr explodierten an der Bahnlinie C-2 fünf Sprengsätze - mitten im Berufsverkehr. An den Stationen Atocha, Pozo del Tío Raimundo und Santa Eugenia detonierten die Bomben in Vorortszügen. Einer der betroffenen Züge soll regelrecht zerfetzt worden sein.

Nach spanischen Presseberichten sollen mehr als hundert Menschen getötet worden sein. Nach Polizeiangaben wurden mindestens 130 Menschen getötet. Mehr als 400 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben des Innenministeriums wurden im Bahnhof Atocha 29 Tote geborgen. In der Station Pozo del Tío Raimundo starben 18 und im Bahnhof Santa Eugenia 15 Menschen.

Bahnnetz: Anschläge auf der Linie C-2

Bahnnetz: Anschläge auf der Linie C-2

Fernsehbilder zeigen blutüberströmte Opfer. Leichen werden notdürftig abgedeckt. Zunächst gilt es, die Überlebenden zu versorgen. Hunderte Polizisten leisten Erste Hilfe. Verletzte müssen mit Taxen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Rettungsdienste haben Autobusse angefordert, um die Verwundeten abzutransportieren. Die Krankenwagen reichen nicht aus, die immense Zahl der Opfer zu versorgen. In der Stadtmitte wurde ein Feldlazarett eingerichtet. Die Bevölkerung ist aufgerufen, an zentralen Stellen Blut zu spenden. Der Verkehr brach komplett zusammen, die Innenstadt ist weiträumig abgesperrt.

Der Bahnhof Atocha, wo mehrere Bomben hochgingen, ist eine der größten Stationen Madrids mit einem komplexen Netz aus U- und S-Bahnen sowie Fernzügen.

Zerstörter Zug in der Nähe des Bahnhofs Atocha: Personenbusse sollen die Verletzten abtransportieren
DPA

Zerstörter Zug in der Nähe des Bahnhofs Atocha: Personenbusse sollen die Verletzten abtransportieren

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Die spanische Polizei machte aber die baskische Untergrundorganisation Eta für den Bombenterror verantwortlich. In der Vergangenheit hatte die Eta bereits zahlreiche blutige Anschläge verübt.

Am Sonntag wählt Spanien ein neues Parlament. Die regierenden Konservativen haben Autonomiebestrebungen im Namen der nationalen Einheit des Landes eine klare Absage erteilt.



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