Klimaprotest in Berlin Junge Aktivistin beendet nach Zusammenbruch ihren Hungerstreik

»Ich bin heute in Tag 20 des Hungerstreiks und bin gerade umgefallen«: Im Camp der Klimaaktivisten in Berlin gab es einen erneuten Zwischenfall. Zwei junge Frauen beenden die Protestaktion.
Lina Eichler, 19, im Camp der Hungerstreikenden in Berlin (am 14. September)

Lina Eichler, 19, im Camp der Hungerstreikenden in Berlin (am 14. September)

Foto: FILIP SINGER / EPA

Nach einem Schwächeanfall ist die 19-jährige Klimaaktivistin Lina Eichler am Samstagmorgen in die Charité eingeliefert worden. Eichler sei zusammengebrochen und habe kurzzeitig nicht sprechen können, sagte die Sprecherin der Aktion in Berlin, Hannah Lübbert, dem SPIEGEL. Am Samstagnachmittag teilten Eichler und eine Mitstreiterin, die sich Mephisto nennt, dem SPIEGEL mit, dass sie den Hungerstreik abbrechen. Im Laufe des Tages kam dann ein weiterer Hungerstreikender in die Klinik.

Ursprünglich hatten insgesamt sechs Klimaaktivisten nach eigenen Angaben am 30. August einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Seitdem zelten sie in der Nähe des Reichstagsgebäudes in Berlin. Ihr Ziel ist es, die beiden Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) sowie Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) zu einem Gespräch über die Dringlichkeit von Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel zu bewegen. Wichtig ist den Aktivistinnen und Aktivisten, dass das Gespräch vor der Bundestagswahl am 26. September stattfindet und öffentlich ist, also aufgezeichnet wird.

Sowohl Laschet als auch Baerbock und Scholz haben die Hungerstreikenden inzwischen aufgefordert, ihre Protestaktion abzubrechen. Erst dann seien sie zu einem Gespräch bereit, so die drei Kandidaten – allerdings nur einzeln, nach der Bundestagswahl und nicht öffentlich. Baerbock hatte sich als Einzige von sich aus bei den Streikenden gemeldet, per Telefon. Auf das Angebot Baerbocks, sich telefonisch über ihr Anliegen auszutauschen, gingen die Hungernden jedoch nicht ein.

Bereits am Dienstag war ein junger Mann im Hungerstreik vorübergehend in ein Krankenhaus gebracht worden, machte danach aber weiter. Dieser Aktivist wurde nun am Samstag erneut in die Klinik gebracht.

Über den Gesundheitszustand der ebenfalls in die Charité eingelieferten Aktivistin Eichler sagte Sprecherin Lübbert, die Blutwerte der jungen Frau seien schon seit Tagen schlecht, insofern sei man über den Zusammenbruch nicht überrascht gewesen.

Die Streikende selbst, Lina Eichler, meldete sich nach ihrer Einlieferung zunächst via Instagram: »Ich bin heute in Tag 20 des Hungerstreiks und bin gerade umgefallen. Ich warte jetzt in der Notaufnahme«, sagte sie. Bilder aus ihrer Story zeigen, wie die 19-Jährige auf der Zeltwiese liegt und von Sanitätern behandelt wird. Im Verlauf des Nachmittags teilte sie dem SPIEGEL dann mit, dass sie selbst und eine weitere Mitstreiterin den Hungerstreik abbrechen.

Am Freitagabend hatten zwei der Streikenden, darunter auch Eichler, noch eine Wahlkampfveranstaltung mit Olaf Scholz besucht: Der SPD-Kandidat sprach beim »JugendTalk« in Potsdam mit jungen Menschen. Die Streikenden hatten nach eigenen Angaben die Veranstaltung gestürmt, ihre Transparente entrollt und Scholz erneut um ein öffentliches Gespräch gebeten. Scholz erklärte daraufhin, er sei bereit, mit den Aktivistinnen und Aktivisten zu sprechen, allerdings nicht öffentlich.

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