Hurrikan-Alarm "Beta" tobt über Nicaragua

Mit zerstörerischer Gewalt und sintflutartigen Regenfällen wirbelt "Beta" über Nicaragua. Zehntausende verzweifelte Menschen versuchen noch im letzten Moment Unterschlupf in Kirchen und Schulen zu finden. Nur wenige Wohnhäuser der Region dürften dem Sturm standhalten.

Puerto Cabezas - Am frühen Morgen (Ortszeit) prallte "Beta" in der Nähe der abgelegenen Stadt La Barra auf die Küste von Zentralamerika. Kurz vorher schwächte sich der Wirbelsturm zwar auf einen Hurrikan der Kategorie zwei und später sogar auf Kategorie eins ab, "Betas" Wucht ist mit Windgeschwindigkeiten von rund 150 Stundenkilometern aber noch immer enorm. Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami teilte mit, dass die Region mit heftigen Regenfällen rechnen müsse. "Beta" ist den Angaben des Zentrums zufolge sehr gefährlich. Meteorologen warnen vor vier Meter hohen Wellen.

In Puerto Cabezas werden nach Angaben des Bürgermeisters zehn Menschen vermisst, die auf einem Boot vor dem Wirbelsturm fliehen wollten. In den Geschäften ging das Trinkwasser aus, einige Verkäufer erhöhten angesichts der Nachfrage die Preise für Lebensmittel. Die Regierung kündigte harte Strafen für Preistreiber an.

An der Ostküste von Nicaragua kämpften sich kurz vor der Ankunft des Sturms noch Tausende Menschen durch die schweren Regenstürme, um in den überfüllten Schulen und Kirchen noch Unterschlupf zu finden. Präsident Enrique Bolanos bat die Bevölkerung inständig, sich stabile Unterkünfte zu suchen. Viele Häuser in der Region seien der Stärke des Hurrikans nicht gewachsen, sagte er. "Wir tun alles Menschenmögliche, um Leben zu retten. Ich bete zu Gott, dass er unser Volk schützt", sagte Bolanos sichtlich bewegt.

Ingesamt haben rund 200.000 Menschen die Flucht vor "Beta" ergriffen. In der gefährdeten Hafenstadt Puerto Cabezas an der Ostküste Nicaraguas versuchten die Behörden, vor Ankunft des Sturms noch möglichst viele der 60.000 Einwohner in Notunterkünften unterzubringen. Präsident Enrique Bolanos sagte, es sei weder Zeit noch Geld da, um die Stadt vollständig zu räumen.

Im benachbarten Honduras arbeitete ein Notstandsteam fieberhaft daran, etwa 150.000 Menschen aus den traditionellen Überschwemmungsgebieten rund um die Hauptstadt Tegucigalpa in Sicherheit zu bringen. Präsident Ricardo Maduro rief die Menschen zu größter Vorsicht auf. Es gelte, ein Szenario wie nach dem Hurrikan "Mitch" 1998 zu verhindern, als Tausende Menschen getötet worden waren.

In Kolumbien sprach Präsident Alvaro Uribe von mehreren Verletzten, Berichte über Todesopfer gab es jedoch nicht. "Beta" hatte zuvor auf der kolumbianischen Insel Providencia große Schäden angerichtet. Zahlreiche Holzhäuser entlang der Küste wurden beschädigt, die meisten Telefonverbindungen waren unterbrochen. Einwohner suchten in höher gelegenen Ziegelbauten Schutz.

Der Wirbelsturm bewegte sich mit etwa 13 Kilometern pro Stunde Richtung Südwesten. "Beta" ist bereits der 13. Hurrikan dieser Saison. Seit Beginn der Aufzeichnungen 1851 wurden über dem Atlantik noch nie so viele Hurrikane in einem Jahr registriert.

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