Hurrikan-Alarm "Wilma" flutet Süd-Florida

Mit gigantischen Regengüssen peitscht "Wilma" über Florida hinweg. 800.000 Menschen schnitt der Hurrikan vom Stromnetz ab. Sie müssen im Dunkeln ausharren, bis der Sturm vorüber gezogen ist. In Coral Springs kam ein Mensch ums Leben.

Miami/Washington - Nach Angaben der Behörden waren rund 800.000 Menschen ohne Strom, nachdem der Wirbelsturm aufs Festland gekommen war. In der Stadt Homestead gingen alle Lichter aus. Auch in mehr als 300.000 Haushalten und Geschäften auf der vorgelagerten Inselkette der Keys und in den Großräumen Miami und Fort Lauderdale fiel der Strom aus. Die Menschen müssen sich auf mindestens zwei Tage ohne Strom einrichten. Die Reparatur der zerstörten Stromleitungen könne erst beginnen, wenn der Wirbelsturm abgezogen sei, hieß es.

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Hurrikan: Fliegende Trampoline und Wanderhütten

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In Coral Springs ist das erste Todesopfer zu beklagen: ein Mann wurde von einem umfallenden Baum erschlagen, berichtete die Tageszeitung "Miami Herald". Aus vielen Teilen Floridas werden erste Schäden gemeldet. "Wilma" hatte über dem Golf von Mexiko neue Kraft getankt und war am Morgen (Ortszeit) als Hurrikan der Stärke drei mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde bei Cape Romano südlich von Naples aufs Festland getroffen.

"Es hörte sich an, als ob jemand einen Haufen Steine gegen die Bretter geworfen hätte. Es ist ziemlich übel", berichtete Paul Tucchino, der den Hurrikan in seiner Wohnung in der Nähe des Strands von Naples aussaß. In niedrig gelegenen Gebieten kam es zu Überflutungen. Knapp 33.000 Menschen hatten Schutzräume aufgesucht.

Doch weniger als zehn Prozent der 78.000 Bewohner der vorgelagerten Inselkette der Keys folgten der Aufforderung, sich in Sicherheit zu bringen, teilte der Polizeichef des Bezirks Monroe, Richard Roth, mit. "Ich bin enttäuscht, aber ich verstehe es", sagte Roth. Die Menschen hätten es satt, ihre Häuser zu verlassen, da die letzten drei Hurrikane lediglich relativ geringe Schäden angerichtet hätten.

In Key West verwandelten sich etliche Straßen in kürzester Zeit in schlammige Kanäle, berichtete der amerikanische Nachrichtensender CNN. Die Reporter konnten sich in den heftigen Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometer kaum auf den Beinen halten. Sie berichteten von zahlreichen Schäden.

Mittlerweile wurde "Wilma" wieder zu einem Wirbelsturm der Kategorie zwei zurückgestuft. Der Wind erreichte aber immer noch Geschwindigkeiten von bis zu 177 Kilometern pro Stunde und galt damit als heftiger Sturm, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA in Miami mitteilte. Die Behörden hatten "Wilma" zwischenzeitlich zu einem Hurrikan der Kategorie drei hochgestuft.

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Hurrikan: Florida zittert vor "Wilma"

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Der Wirbelsturm hatte über den warmen Küstengewässern weiter an Kraft getankt. Er hatte nach Angaben von Meteorologen einen Durchmesser von rund 800 Kilometern. Das Auge des Hurrikans maß am Montag rund 120 Kilometer. "Wilma" bewegte sich mit etwa 35 Kilometer pro Stunde voran.

Über Land schwächt sich "Wilma" nur langsam ab, da Florida flach ist und die Everglades ein großes Feuchtgebiet darstellen, sagte Hurrikanexperte Thomas Saevert vom Wetterdienst Meteomedia. Nach Überquerung der Halbinsel werde sich "Wilma" jedoch bald in ein Sturmtief abschwächen.

"Wir haben alles verloren"

Inzwischen wurde bekannt, dass "Wilma" in der Nacht am Meer gelegene Teile der kubanischen Hauptstadt Havanna überschwemmt hat. Das Wasser sei bis zu vier Straßenzüge weit in die Stadt eingedrungen, berichtete CNN. Betroffen sei auch der Stadtteil Vedado, in dem sich die meisten Botschaften und Wohnsitze von Ausländern befinden. Bei einem Busunglück auf Kuba wurden nach Informationen des Auswärtigen Amts drei Deutsche schwer verletzt. Insgesamt waren in Kuba über 620.000 Menschen - darunter zahlreiche Touristen - auf der Flucht vor den Unwettern.

Von der mexikanischen Halbinsel Yucatan sollten am Abend in einer Gemeinschaftsaktion der führenden deutschen Reiseveranstalter und der Fluggesellschaften LTU und Condor die ersten Urlauber den Heimflug nach Deutschland antreten. Das teilte die TUI heute in Hannover mit. Nach der Schließung des Flughafens Cancun sollten die Sonder-Rückflüge nun von Merida im Westen der Halbinsel starten.

Unterdessen wurde in Mexiko Kritik an mangelnden Hilfsmaßnahmen laut. "Wir haben alles verloren: Betten, Möbel, einfach alles", sagte ein Einheimischer in einem Fernsehbericht. Für die Touristen werde mehr getan als für die Bevölkerung vor Ort.

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