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Ausläufer von Hurrikan "Gonzalo": Die Sturmsaison ist eröffnet

Foto: Florian Kater/ dpa

Wetter in Deutschland Hurrikan "Gonzalo" schickt den ersten Herbststurm

Es wird ungemütlich in Deutschland: Der erste Sturm der Saison fegt über die Republik. Regen, Wind und sogar erster Schnee - das Unwetter ist ein Ausläufer des Hurrikans "Gonzalo".

Hamburg - Die Tage werden dunkler und kürzer: Nach den sonnigen Tagen der vergangenen Wochen wird es Herbst in Deutschland. In vielen Teilen des Landes rauschten die Temperaturen in den Keller. Der erste Sturm der Saison fegt über die Republik.

Bei dem Herbststurm handelt es sich um Ausläufer von Hurrikan "Gonzalo". Im Süden richtete das Unwetter bereits massive Schäden an und sorgte für Verkehrsbehinderungen. Mehrere Menschen wurden verletzt. In Köln legten Windböen offenbar die Seilbahn lahm und in den Mittelgebirgen fiel der erste Schnee.

  • Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg richteten Unwetter Schäden in Millionenhöhe an. Feuerwehr und Polizei rückten zu Hunderten Einsätzen aus, Bahnverbindungen waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Zwischen Sankt Georgen und Hornberg im Schwarzwald kollidierte ein Regionalexpress mit einem Baum. In Aalen durchschlug eine umfallende Eiche die Windschutzscheibe eines vorbeifahrenden Autos. Der 45-jährige Fahrer wurde schwer verletzt. In Nürnberg mussten nach Starkregen und heftigen Windböen zwei Flüchtlingszelte geräumt werden. Die Unterkünfte seien derart demoliert worden, dass sie unbewohnbar wurden, sagte ein Sprecher des Flüchtlingsrats. Im Wiernsheim wurde eine Asylbewerberunterkunft evakuiert.

  • In Norddeutschland bereiten sich die Menschen auf eine Sturmflut vor, also einen Wasserstand von 1,50 bis 2,50 Meter über dem mittleren Hochwasser. Für den Hamburger Stadtteil St. Pauli rechnen Experten mit bis zu 2,50 Metern. "Das wäre dann schon eine schwere Sturmflut", sagte ein Mitarbeiter des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie. Die Fähren zu den ostfriesischen Inseln Borkum, Norderney und Langeoog unterbrachen zeitweise ihren Betrieb. In den Niederlanden wurden die Fähren zu den Wattenmeerinseln eingestellt. In Bremerhaven versanken bereits mehrere Autos in den Fluten.

  • Die Auswirkungen von "Gonzalo" können auch der Grund für einen spektakulären Zwischenfall über dem Rhein in Köln gewesen sein. Dort seilten Höhenretter eine Familie mit zwei kleinen Kindern aus einer Seilbahnkabine ab, die rund 40 Meter über dem Rhein stecken geblieben war. Zwei weitere Fahrgäste konnten aus einer anderen Kabine befreit werden, die oberhalb einer Brücke feststeckte und daher leichter erreichbar war. Der Deutsche Wetterdienst hatte vor stürmischen Böen in Köln gewarnt.

Derweil fiel in den höheren Gebieten der erste Schnee. Auf dem höchsten Berg Baden-Württembergs, dem 1493 Meter hohen Feldberg, blieben laut Wetterdienst drei Zentimeter liegen. Auch vom 1215 Meter hohen Fichtelberg in Sachsen wurde der erste Schnee gemeldet - zwei Zentimeter. In Carlsfeld und Marienberg im Erzgebirge sowie auf dem Brocken im Harz fielen ebenfalls die ersten weißen Flocken.

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Meteorologen sagen für die kommenden Tage einen Wintereinbruch vorher. Bis Freitag wird den Wetterexperten zufolge oberhalb von 1500 Metern bis zu ein Meter Schnee erwartet. Der Wetterumschwung mit Herbststurm und Temperatursturz sei aber nicht untypisch. "Was wir jetzt erleben, ist eigentlich eine Rückkehr zur Normalität in dieser Jahreszeit", sagte Andreas Friedrich, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.

Untypisch sei vielmehr das Wetter der vergangenen Wochen gewesen. Das bedeute aber nicht, dass hierzulande in nächster Zeit häufiger mit derartig heftigen Winden zu rechnen sei. "Solche Stürme und Kaltlufteinbrüche im Herbst passieren eigentlich im Schnitt jedes Jahr ein- bis zweimal", sagte Friedrich.

gam/dpa
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