Hurrikan "Irma" Florida verbarrikadiert sich

Häuser werden verbarrikadiert, an Tankstellen bilden sich lange Warteschlangen, Supermärkte werden leergekauft: Florida bereitet sich auf die Ankunft des verheerenden Hurrikans "Irma" vor.

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Nach den Verwüstungen in der Karibik und mehreren Toten wappnet sich jetzt der US-Bundesstaat Florida für den gefährlichen Tropensturm. Gouverneur Rick Scott kündigte an, er wolle für Freitag 7.000 Soldaten der Nationalgarde mobilisieren. "Irma" sei "größer, schneller und stärker" als Hurrikan Andrew, der vor 25 Jahren im Süden Floridas ganze Nachbarschaften weggefegt hatte, warnte er.

Der Bundesstaat ließ den Notstand ausrufen und ordnete teils verpflichtende Evakuierungen an. Bei zahlreichen Medien-Auftritten forderte der Gouverneur die Menschen nachdrücklich auf, in jedem Fall ihre Häuser zu verlassen, wenn sie von den lokalen Behörden dazu aufgefordert würden. Falls die Leute noch darüber nachdenken sollten, ob sie wirklich gehen sollten, könne er ihnen raten: "Geht jetzt!"

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Die Evakuierungen galten unter anderem für die Florida Keys. Auf dem einzigen Highway, der den südlichsten, schmalen Zipfel Floridas mit dem Festland verbindet, stauten sich danach massenweise die Autos. Schätzungsweise 25.000 Menschen brachten sich in Sicherheit - auch wenn nicht ganz sicher ist, ob, wo und in welcher Stärke "Irma" den US-Bundesstaat tatsächlich treffen wird.

Der Tropensturm ist bisher mit einer Geschwindigkeit von fast 300 Stundenkilometern über mehrere karibische Inseln hinweggefegt und hat dort verheerende Verwüstungen hinterlassen. Mindestens acht Menschen kamen ums Leben. Experten zufolge soll "Irma" am Donnerstag zunächst auf die Dominikanische Republik und Haiti treffen. Spätestens am Samstag oder Sonntag könnte er dann in Florida ankommen.

"Ich möchte, dass jeder versteht, um was es hier geht."

Welchen Kurs der Tropensturm jedoch genau nimmt und mit welcher Macht er auf die US-Ostküste treffen könnte, ist unklar. Experten gehen jedoch davon aus, dass er mindestens noch in der Kategorie der Stärke vier einzuordnen ist, wenn er auf Florida trifft. Die Behörden wollen deshalb sicherheitshalber auf den Katastrophenfall vorbereitet sein.

Der Sturm könne der schlimmste werden, dem Florida je ausgesetzt gewesen sei, sagte Gouverneur Scott dem Sender ABC. "Ich möchte, dass jeder versteht, um was es hier geht." Alle Einwohner sollten sich für drei Tage mit Wasser und Nahrungsmitteln eindecken. "Nehmt, was ihr braucht, aber nehmt nicht mehr", sagte Scott mit Hinweis auf mögliche Versorgungsengpässe.

Zahlreiche Menschen deckten sich an den Tankstellen mit Treibstoff ein. Scott hatte zuvor bei den Nachbar-Staaten um Hilfe gebeten, damit Tanklaster nach Florida kommen könnten, um mögliche Versorgungsengpässe zu verhindern. Zahlreiche Bewohner deckten sich in Supermärkten mit Trinkwasser und anderen Lebensmitteln ein - und in Baumärkten mit Materialien ein, um Fenster und Türen zu verrammeln.

Auch für Teile der Millionenmetropole Miami wurden Zwangsevakuierungen angeordnet. Der Bürgermeister des Bezirks Miami-Dade gab vor, dass Bewohner von Mobilheimen sowie Anwohner der gefährdeten sogenannten Überschwemmungszone A ihre Häuser verlassen müssen. Darunter sind auch die Bewohner des bei Touristen sehr beliebten Stadtteils Miami Beach. Die Anordnung trat am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in Kraft. Bewohner außerhalb der Evakuierungsgebiete wurden aufgefordert, ihre Häuser zu schützen und sichere Unterkünfte aufzusuchen.

In den als gefährdet geltenden Gebieten liegt auch Mar-a-Lago in Palm Beach, eins der Luxusanwesen von US-Präsident Donald Trump, auch bekannt als "Weißes Haus im Süden".

Auf den Karibischen Inseln versucht man einstweilen sich einen Überblick über das Ausmaß der Verwüstungen zu verschaffen. Auf Barbuda sind "mindestens 95 Prozent der Gebäude" beschädigt, sagte Premierminister Gaston Browne in einem Interview mit dem Radiosender ABS. "Teilweise wurden Dächer abgedeckt, teilweise wurden die Gebäude total zerstört." Der Wiederaufbau würde Jahre dauern, sagte Browne im Lokalfernsehen. Er bezifferte die Schäden auf rund 150 Millionen Dollar.

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Staatspräsident Emmanuel Macron sagte, die Schadensbilanz für die französischen Karibikinseln Saint-Martin und Saint-Barthélemy werde "hart und grausam" sein. Er mahnte "nationale Solidarität" an und kündigte finanzielle Mittel sowie einen Wiederaufbauplan an.

In Puerto Rico suchten 2800 Menschen Schutz in Notunterkünften, wie Gouverneur Ricardo Rosselló sagte. Es fiel starker Regen, Bäume knickten um. Fast eine Million Menschen waren ohne Strom und 30.000 ohne Wasser.

Mit "Irma" ist die Gefahr noch nicht vorbei, es haben sich bereits zwei weitere Hurrikane gebildet: "José" zog auf die Kleinen Antillen zu. Und "Katia" im Golf von Mexiko erreichte laut Hurrikanzentrum am Mittwoch Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde.

fok/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Nachteuie 07.09.2017
1. Freud´scher Schreibfehler?
Zitat:"Auch für Teile der Millionenmetropole Miami wurden Zwangsevakuierungen angeordnet. Der Bürgermeister des Bezirks Miami-ade gab vor, dass Bewohner von Mobilheimen sowie Anwohner der gefährdeten sogenannten Überschwemmungszone A ihre Häuser verlassen müssen." ...... Hmmmm - Miami-ade! Da war wohl der Wunsch des Sensations lüsternen Journalisten Vater des Gedanken..... Das County (das ist in USA so in etwa das, was bei uns ein Landkreis ist) in dem Miami liegt heißt Miami-Dade und ist Teil der Metropolregion Miami. Das Wörtchen "ade" stammt verkürzt wohl vom französischen "Adieu" ab und bedeutet "Aufwiedersehen"..... Könnte natürlich auch nur ein Tippfehler sein....dann *Kick*Redakteur......
Camarico 07.09.2017
2. Selektive Wahrnehmung
Es ist schon bemerkenswert, das bereits Tage im voraus die Vorbereitungen zur Evakuierung von 25.000 Menschen auf den Keys soviel Beachtung findet, während Kuba, das mit 7,5 Millionen Bewohnern direkt im Pfad des Hurrikans liegt, keiner Erwähnung wert ist. Das war bereits 2013 bei Hurrikan Sandy so, der zwar Santiago de Cuba weitgehend zerstörte, in der deutschen Presse aber nur in seiner Auswirkung auf die Ostküste der USA mit breitester Berichterstattung bedacht wurde. Opfer sind eben nicht gleich Opfer - wie man ja auch schon bei den Überschwemmungen in Houston und Asien feststellen konnte.
elromo 07.09.2017
3.
Zitat von CamaricoEs ist schon bemerkenswert, das bereits Tage im voraus die Vorbereitungen zur Evakuierung von 25.000 Menschen auf den Keys soviel Beachtung findet, während Kuba, das mit 7,5 Millionen Bewohnern direkt im Pfad des Hurrikans liegt, keiner Erwähnung wert ist. Das war bereits 2013 bei Hurrikan Sandy so, der zwar Santiago de Cuba weitgehend zerstörte, in der deutschen Presse aber nur in seiner Auswirkung auf die Ostküste der USA mit breitester Berichterstattung bedacht wurde. Opfer sind eben nicht gleich Opfer - wie man ja auch schon bei den Überschwemmungen in Houston und Asien feststellen konnte.
Das fällt mir auch schon seit Tagen auf. es wird immer nur über die Gefahren der von Amerikanern, Franzosen oder Holländern bewohnten Gebiete berichtet. Nach den meisten vorhersagen ist Kuba mindestens genauso gefährdet aber das interessiert nicht. Bei Harvey wurde überall permanet berrichtet. Über die zur gleichen Zeit über Indien hinwegziehenden Monsune mit 1500 Toten - Nebensache. Hoffentliche kommen die in diesen regionen Betroffenen dann alle nach Deutschland.
CorpRaider 07.09.2017
4.
Zitat von CamaricoEs ist schon bemerkenswert, das bereits Tage im voraus die Vorbereitungen zur Evakuierung von 25.000 Menschen auf den Keys soviel Beachtung findet, während Kuba, das mit 7,5 Millionen Bewohnern direkt im Pfad des Hurrikans liegt, keiner Erwähnung wert ist. Das war bereits 2013 bei Hurrikan Sandy so, der zwar Santiago de Cuba weitgehend zerstörte, in der deutschen Presse aber nur in seiner Auswirkung auf die Ostküste der USA mit breitester Berichterstattung bedacht wurde. Opfer sind eben nicht gleich Opfer - wie man ja auch schon bei den Überschwemmungen in Houston und Asien feststellen konnte.
Und das haben Sie erst jetzt erkannt? Menschenleben war auf der Welt noch nie gleich viel wert, zudem wird über Länder ausführlicher berichtet, zu denen ein größerer Bezug besteht. In den USA wurde beispielsweise auch über den Terroranschlag in Berlin intensiv berichtet, während Anschläge mit deutlich mehr Todesopfern, allerdings in einem dritte Weltland, bestenfalls als Randnotiz in der Nachrichtenflut untergeht.
marianne.weber 07.09.2017
5. Absehbarer Schaden
Bei der amerikanischen Bauweise ist es oft auch nicht verwunderlich, dass die Schäden so immens sind. Diese instabilen Häuschen haben oft den Anschein aus Pappe zu bestehen, sodass jeder stärkere Wind gleich einen Totalschaden verursacht. Da können sich die Leute bei der Evakuierung zu großen Teilen schon gleich von ihrem gesamten Hab und Gut verabschieden.
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