Hurrikan "Ivan" Neuer Wirbelsturm verwüstet die Karibik

Nach "Frances" jetzt "Ivan": Mit zerstörerischer Gewalt und Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 Stundenkilometern ist wieder ein Hurrikan über die Karibik hereingebrochen. Er soll noch verheerender als sein Vorgänger sein. In Grenada forderte er mindestens 20 Todesopfer, fast alle Häuser in dem Kleinstaat wurden beschädigt.



St. George's/Grenada - Der als extrem gefährlich eingestufte Hurrikan "Ivan" hat Kurs auf Jamaika genommen. Die Behörden der Karibikinsel gaben Donnerstag-Mittag Hurrikan-Warnung. Das bedeutet, dass binnen 24 Stunden mit der Ankunft des Wirbelsturms gerechnet wird.

Mit Windgeschwindigkeiten von inzwischen 260 Kilometern pro Stunde ist "Ivan" einer der stärksten Hurrikans der vergangenen Jahrzehnte. Er rangiert jetzt auf der fünften und höchsten Stufe der Saphir-Simpson-Skala. In Jamaika wurden Erinnerungen an den etwa gleich starken Hurrikan "Gilbert" wach, der dort 1988 ganze Häuser durch die Luft fliegen ließ.

Auf seinem bisherigen Weg durch die Karibik hat der Hurrikan Chaos und Zerstörung hinterlassen. US-Angaben zufolge sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl sei von Diplomaten genannt worden, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. "Grenada ist furchtbar verwüstet, es ist jenseits aller Vorstellungskraft," sagte Ministerpräsident Keith Mitchell am Mittwoch in einer Radioansprache. Bei 90 Prozent aller Häuser des Landes sei das Dach abgedeckt worden. Mitchell, dessen eigenes Haus ebenfalls zerstört wurde, meldete sich telefonisch vom britischen Kriegsschiff "HMS Richmond". Die Fregatte und ein weiteres britisches Schiff brachten Hilfsgüter in die frühere britische Kolonie.

In St. George's, der Hauptstadt Grenadas, wurden mehre hundert Menschen evakuiert, Tausende weitere suchten in Notunterkünften Schutz. Ein britischer Marinesprecher sagte, es habe Plünderungen gegeben. Die Vereinten Nationen werden eine Hilfsmannschaft entsenden.

"Ivan" traf Grenada nur fünf Tage nach dem Wirbelsturm "Frances". Er richtete auch auf den Karibikinseln Barbados, St. Lucia und St. Vincent großflächige Verwüstungen an. Selbst von massiven Häusern blieben nur Schutthügel übrig, Dächer wirbelten durch die Luft. Tausende von Menschen waren ohne Wasser, Strom und Telefonanschluss.

Kurs auf die USA

Wenn "Ivan" über Jamaika hinweggezogen ist, wird er bisherigen Berechnungen zufolge wohl auf Kuba und schließlich auf die USA zusteuern. "Wir hoffen, es wird nicht schon wieder Florida treffen", sagte die Meteorologin Jennifer Pralgo. Allerdings prognostizierte das Hurrikanzentrum, dass der Sturm am Montag nahe Punta Gorda auf Land treffen wird. Dort hatte Mitte August schon der Wirbelsturm "Charley" gewütet.

"Charley" hatte in Florida 27 Menschen in den Tod gerissen und Schäden von schätzungsweise 6,8 Milliarden Dollar verursacht. Anschließend forderte "Frances" mindestens 19 Menschenleben in den USA und zwei auf den Bahamas. Der von ihm verursachte Schaden in Florida wird auf zwei bis vier Milliarden Dollar geschätzt.

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