Hurrikan-Krise Bush verliert an Zustimmung

US-Präsident George W. Bush verliert den Rückhalt in der Bevölkerung. Grund dafür ist das mangelhafte Krisenmanagement nach Hurrikan "Katrina". Heute stattet Bush der verwüsteten Region den dritten Besuch ab.


US-Präsident Bush trifft Rettungshelfer
AP

US-Präsident Bush trifft Rettungshelfer

New Orleans - Bushs Popularität im Volk sank auf eine Zustimmungsrate von 38 Prozent - so niedrig wie noch nie. 53 Prozent der Befragten trauten ihm nicht mehr die richtigen Entscheidungen bei einer Krise im In- oder Ausland zu, berichtet das Magazin "Newsweek".

Gestern traf Präsident Bush im Krisengebiet ein, heute will er erstmals die Lage in der am schlimmsten betroffenen Stadt New Orleans begutachten. Bush übernachtete auf dem als Operationszentrum für die Hurrikan-Hilfe eingesetztem Kriegsschiff "USS Iwo Jima" vor der Küste der komplett überfluteten Südstaatenmetropole.

In der Stadt hat sich die Lage zwei Wochen nach der Hurrikan-Katastrophe etwas gebessert. So wird das verseuchte Wasser aus dem überfluteten New Orleans jetzt doppelt so schnell abgepumpt wie erwartet - auch deutsche Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) sind dabei im Einsatz.

Ein Polizeisprecher erklärte, die noch nicht evakuierten Bewohner von New Orleans dürften vorerst in ihren Häusern bleiben. Zwar würden die Beamten weiterhin versuchen, die Menschen zum Verlassen der Stadt zu überreden. Es werde aber keine "physische Gewalt" angewandt, sagte der Sprecher gestern.

Die Zahl der Flüchtlinge in Notunterkünften ging unterdessen zurück. Wie ein Sprecher des Ministeriums für Heimatschutz mitteilte, waren bis gestern noch 141.000 Menschen in Auffanglagern untergebracht. In der vergangenen Woche lag die Zahl noch bei 208.000. Der Ministeriumssprecher wertete die Entwicklung als "sehr positives Zeichen". Es zeige sich, "dass die Leute anfangen, eigene Unterkünfte zu finden".

Die Polizei plant, ab heute den ersten Ladenbesitzern und Kleinunternehmern die Rückkehr nach New Orleans zu gestatten. Mit einem besonderen Erlaubnisschein könnten sie in ihre Läden und Betriebe im Geschäftsviertel der evakuierten Großstadt zurückkehren, sagte ein Sprecher der Polizei von Louisiana. Die Genehmigung gelte für Lebensmittelhändler, Tankstellenbesitzer, Gastronomen, Hoteliers und andere Mittelständler.

Die Behörden kündigten derweil an, mit dem Sprühen von Insektiziden über New Orleans zu beginnen, um der Mückenplage Herr zu werden. Damit soll unter anderem die Verbreitung des West-Nil-Virus gestoppt werden, berichtete die Zeitung "Times-Picayune". Experten hatten die Befürchtung geäußert, dass sich die Mücken in den stehenden Gewässern der Südstaatenmetropole schnell vermehren und Krankheiten verbreiten könnten. Das Insektizid wird aus der Luft von einem C-130-Frachtflugzeug aus gesprüht.

Nach neuen Leichenfunden in New Orleans haben die Behörden die Zahl der bestätigten Hurrikan-Opfer erhöht. Bis Sonntag seien 197 Todesfälle im Zusammenhang mit der Naturkatastrophe registriert worden, teilten die Behörden mit. Zuvor waren in New Orleans 154 Todesfälle offiziell bestätigt. Mit den neuen Zahlen aus New Orleans stieg die Gesamtzahl der Toten in den Hurrikan-Gebieten der US-Südstaaten auf 424.



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