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POLIZEI »Ich mache jetzt Schluss«

Im rheinischen Neuss kamen zwischen 1990 und 1999 vier Polizisten ohne Fremdeinwirkung ums Leben: Sie erschossen sich selbst mit den Dienstwaffen. Gegen Vorgesetzte laufen Dienstaufsichtsbeschwerden und Strafverfahren. Von Bruno Schrep
aus DER SPIEGEL 35/1999

Die Neusser Polizeimeisterinnen Alexandra Richter und Nina Dreisbach starben, ohne sich je begegnet zu sein. Sie hatten jedoch viele Gemeinsamkeiten.

Hinter ihrem gewaltsamen Tod steckt mehr als ein persönliches Drama, mehr als eine Reihe unglücklicher Zufälle, mehr als eine Folge schuldhaften Versagens Einzelner. Er hängt eng mit der Institution zusammen, der sich beide verschrieben hatten.

Die jungen Frauen beginnen den Dienst bei der Polizei mit viel Idealismus und großen Illusionen, mit hehren Vorsätzen, wie sie helfen können, Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen. Sie wollen auch beweisen, dass sie stark genug sind, sich im rauen Klima eines Berufs zu behaupten, der bis vor zwei Jahrzehnten fast ausschließlich Männersache war.

Beide ignorieren Mahnungen von Eltern und Freunden. Alexandra Richter gibt 1990 ihren Job als Rechtsanwaltsgehilfin auf, sattelt mit 22 Jahren um. Nina Dreisbach lässt sich 1995 während der Schulferien so von einem Schnupperkurs im Düsseldorfer Polizeipräsidium begeistern, dass sie mit 17 das Gymnasium verlässt, auf das geplante Studium verzichtet.

Beide sind ehrgeizig, wollen bei der Ausbildung zu den Besten gehören. Alexandra Richter, die Abitur hat, geht kaum noch aus wie früher, lernt oft bis spät nachts Vorschriften auswendig. Nina Dreisbach nimmt Gesetzestexte mit in den Urlaub. Um die körperlichen Anforderungen zu bestehen, läuft sie täglich viele Kilometer, trainiert Selbstverteidigung in einem Kampfsportclub, spielt Fußball.

Der Enthusiasmus bekommt einen ersten Dämpfer, als beide zu Großeinsätzen kommandiert werden, erstmals im Kampfanzug, mit Schutzhelm und Schutzschild eine Seite des Polizeialltags erleben, die sie erschreckt.

Alexandra Richter wird 1992 in Rostock mit randalierenden Neonazis konfrontiert. Abstoßend findet sie nicht nur die Parolen und Aktionen der fanatisierten Rechtsradikalen, sondern auch die Reaktionen einzelner männlicher Kollegen. »Da sind ja richtige Rassisten drunter«, empört sie sich hinterher bei ihren Eltern. Die Beamten hätten gefeixt, als betrunkene Einheimische selbst gebastelte Brandbomben auf Ausländerunterkünfte warfen.

Nina Dreisbach, die 1997 einen Atommülltransport schützen muss, ist schockiert über den Hass, der ihr von Demonstranten entgegenschlägt, über Beschimpfungen wie »Bullenfotze«, »Atomdrecksau«, »Mörderin«. Sie sieht aber auch, wie unbeherrscht Polizeikollegen auf Kernkraftgegner eindreschen, wie Wehrlose an den Haaren gezogen und in den Unterleib getreten werden.

1993, kurz nach Ende ihrer Ausbildung, wird Alexandra Richter zur Schutzpolizei ins rheinische Neuss versetzt. Kein Großstadtrevier, in dessen Bezirk täglich Gewaltverbrecher gejagt oder die Auswüchse von illegaler Prostitution und Drogenhandel bekämpft werden müssen. Stattdessen eine Wache, in der polizeiliche Routine gefragt ist, Anzeigen wegen Einbrüchen, Ladendiebstählen und Verkehrsverstößen Alltag sind, wo fast jeder Beamte den anderen kennt.

Die Neue fällt sofort auf. In der Dienstgruppe B, in der sie Schichtdienst schieben muss, wird die attraktive blonde Frau mit dem modernen Kurzhaarschnitt vor allem von männlichen Kollegen bewundert - eine Situation, die sie gewohnt ist: Um »Alex« haben sich stets viele Männer gerissen. Doch enge Bindungen hat sie aus

* Rechtsanwältin Uta Kogge aus Düsseldorf.

Angst vor Enttäuschung immer vermieden, allzu hartnäckige Bewerber spöttisch auf Distanz gehalten - bis sie den Polizeimeister Andreas F. trifft.

Der Kollege aus der gleichen Dienstgruppe überwindet mühelos die Barrieren, mit denen sich Alexandra Richter bisher schützte. »Nur der«, erklärt sie einer Freundin, »nur der«. »Und warum?«, fragt die Freundin. »Ich weiß es nicht.«

Der kräftige, untersetzt wirkende Beamte gilt als Einzelgänger. Ein Mann, der seine Gefühle hinter robustem Auftreten versteckt, der keine Schwächen zeigen kann. Von dem bekannt ist, dass er bei Einsätzen schon mal hart zupackt.

Alexandra Richter gelingt es, sein Vertrauen zu gewinnen. Bei gemeinsamen Streifenfahrten erzählt er ihr, in welchen Schwierigkeiten er steckt. Die sind viel größer, als in der Wache vermutet wird.

Zwar wissen auch die Vorgesetzten, dass Andreas F. von seiner Frau und den beiden Kindern getrennt lebt. Sie kriegen jedoch nicht mit, dass ihn oft Depressionen niederdrücken, dass er deshalb eine Therapie macht, dass er Tabletten schlucken muss. Wüssten sie es, dürfte der Beamte keine Waffe tragen, nicht Streife fahren, kein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn steuern.

Das Paar von der Dienstgruppe B zieht in ein Haus nahe der holländischen Grenze. Alexandra Richter, inzwischen 26, redet von Heirat, von Kindern, plant mit Andreas F. eine gemeinsame Zukunft - lauter Illusionen. Nach einem Jahr ist die Beziehung zerrüttet.

Nach Dienstschluss in der Neusser Wache kommt es zwischen beiden oft zu Streit, zu zermürbenden Diskussionen, die sich bis in den Morgen hinziehen. Andreas F. klagt über heftige, ihm unerklärliche Stimmungswechsel seiner Partnerin. Die junge Polizistin beschwert sich gegenüber Freunden über unsensible Behandlung, bedauert, sich einmal im Leben eingelassen zu haben. Sie wirkt jetzt ebenfalls psychisch lädiert, magert ab. Appelle zur Trennung weist sie zurück. »Ich kann einfach nicht«, antwortet sie, »ich liebe ihn doch.«

Am 11. Januar 1995, nach einer weiteren durchwachten Nacht, hat sie plötzlich die Dienstwaffe ihres Lebensgefährten in der Hand. Vor den Augen von Andreas F., der wenige Meter entfernt steht, hält sie die Pistole an ihre rechte Schläfe, drückt ab. Das Projektil durchschlägt den Kopf und bleibt in der Wand stecken.

Alexandra Richter lebt noch eine Woche. Andreas F. muss zu einer Kur, wird lange krankgeschrieben. Zwei seiner Vorgesetzten kondolieren den Eltern der Toten, erklären, dass der offenbar psychisch kranke Beamte wohl nie wieder Dienst an der Waffe verrichten werde.

Den Neusser Polizeiführern kommt das Drama ungelegen. Selbstmorde mit der Dienstwaffe passen nicht zum Bild, das sich der Bürger von seiner Polizei machen soll. Immerhin, beschwichtigen die Vorgesetzten, handele es sich um ein trauriges Einzelschicksal, um ein Beziehungsdrama, das wenig mit dem Dienst zu tun habe.

Alle auf dem Revier wissen jedoch, dass der Suizid der jungen Polizistin kein Einzelfall war.

Am 11. September 1990, gegen 17 Uhr, kommt ein Vater mit seinem Sohn zur Neusser Wache. Das Auto des Sohnes ist beschädigt worden, der Unfallfahrer ist geflohen. Eine Routinesache.

Polizeimeister Olaf G., der die Anzeige aufnehmen soll, gerät schon nach den ersten Sätzen ins Stocken. Er fängt noch einmal von vorn an. Noch mal. Noch mal. Vater und Sohn spüren, dass er nicht mehr weiterweiß. Ein Kollege wird aufmerksam: »Olaf, hast du Schwierigkeiten, kann ich helfen?« Der Polizeimeister nickt, überlässt dem Kollegen seinen Platz, geht wortlos aus dem Raum.

Kurz darauf ertönt ein Knall. Olaf G., 27 Jahre alt, kurz verheiratet, gerade Lebenszeitbeamter geworden, hat sich auf der Toilette mit seiner Dienstwaffe erschossen.

Viele Kollegen wussten, wie schwer ihm das Formulieren von Anzeigen und Berichten fiel, welche Versagensängste ihn quälten. In seinem Nachlass finden sich von Vorgesetzten beanstandete Anzeigen, die er zurückbekommen hatte wie ein Schuljunge; mit Bemerkungen und angestrichenen Fehlern. Dazu handschriftliche Notizen von Olaf G.: »Das muss ich üben.« »Das muss ich anders machen.« »Hier muss ich mich verbessern.«

Auch der Ausnahmezustand des Kriminalhauptmeisters Norbert G. wird auf der Neusser Wache nicht wahrgenommen. Der 42-jährige Spurenermittler, ein Spezialist für kriminalistische Feinarbeit, gilt als besonnen und ausgeglichen. Dass der Beamte seit Wochen verzweifelt ist, weil seine Ehefrau sich von ihm trennen will, fällt niemandem auf - bis er am Pfingstmontag 1992 den Chef des Ersten Kommissariats anruft, zuständig für Todesermittlungsverfahren.

»Ich bin hier auf der Dienststelle und mache jetzt Schluss«, erklärt er. Um den Kollegen langwierige Ermittlungen zu ersparen, habe er die Gründe für seinen Freitod einfach auf eine Kassette gesprochen.

Auf Versuche, ihn umzustimmen, geht er nicht ein, legt einfach auf. Seine Leiche wird auf der Toilette des ersten Obergeschosses gefunden. Die Kassette liegt auf seinem Schreibtisch.

Ein halbes Jahr nach dem dritten Selbstmord in Neuss, dem Tod von Alexandra Richter, meldet sich deren ehemaliger Lebensgefährte Andreas F. zum Dienst zurück. Er ist zwar noch immer in psychotherapeutischer Behandlung, wirkt aber so stabil, dass ihn die Vorgesetzten wieder in seiner alten Dienstgruppe einsetzen.

Der Beamte bekommt gute Beurteilungen, wird zum Polizeiobermeister befördert, wird von seinem Dienstgruppenleiter für eine verantwortungsvolle Aufgabe ausgewählt: Er soll Anfänger an den harten Polizeialltag heranführen, mit ihnen Streife fahren, sie bei schwierigen Einsätzen begleiten, ihnen in Notsituationen helfen.

Im Oktober 1998 wird Andreas F. eine Neue anvertraut: Nina Dreisbach, 20 Jahre alt, Polizeimeisterin.

Die junge Polizistin, die für den Beruf die Schule aufgab, ist von ihrer bisherigen Karriere enttäuscht. Nach der Ausbildung musste sie in ihrem Heimatort Meerbusch bei Düsseldorf Verkehrssünder jagen; schrieb Falschparker und Rotfahrer auf, bediente Radarfallen. »Dafür habe ich nicht gepaukt«, sagt sie zu ihren Eltern.

Vom Dienst in Neuss erhofft sie sich endlich richtige Herausforderungen. Sie will allen zeigen, dass sie mehr kann als Knollen austeilen. Deshalb lässt sie sich auch nicht anmerken, wie sehr sie der rüde Umgangston auf der Wache belastet. Sie zeigt auch nicht, wie nahe ihr manche Einsätze gehen, etwa wenn bei Verkehrsunfällen Menschen sterben oder schwer verletzt werden. Sie tritt betont burschikos auf.

Vor allem gegenüber Andreas F., ihrem direkten Vorgesetzten, möchte sie den Eindruck einer stets beherrschten Polizistin erwecken. Die beiden fahren oft acht Stunden zusammen Streife. Manchmal am Tag, manchmal nachts. Nina Dreisbach spürt, was es heißt, Schutzpolizistin zu sein: Ein Mann ist aus dem sechsten Stock eines Hochhauses gesprungen. Zwei Autofahrer streiten sich wegen eines kleinen Blechschadens. Betrunkene krakeelen in der Fußgängerzone. Eine alte Frau ist beim Ladendiebstahl ertappt worden.

Häufig wird es gefährlich: Bei einer Kneipenschlägerei fuchtelt ein Gast mit einem Springmesser. Nach einem Überfall wird ein bewaffneter Räuber gesucht - Situationen, in denen sich einer auf den anderen verlassen muss. Erlebnisse, die verbinden.

Anfangs äußert sich Nina Dreisbach noch kritisch über Andreas F., hat offenbar Angst vor dessen unberechenbaren Ausbrüchen. Ihrer jüngeren Schwester Dian erzählt sie empört, der Kollege habe grundlos einen Obdachlosen vermöbelt. Als sie dazwischengegangen sei, habe sie selbst einen Schlag abbekommen.

Doch nach ein paar Wochen hat sich die 20-Jährige in den Vorgesetzten verliebt. Seine schroffe, oft ungestüme Art imponiert ihr plötzlich, sie fühlt sich von ihm beschützt.

Natürlich kennt sie die Geschichte vom Selbstmord der Polizistin Alexandra Richter, Kollegen haben sie ihr gesteckt. Und natürlich weiß sie auch, dass Andreas F. erst vor kurzem zum zweiten Mal geheiratet hat - doch sie will es nicht wahrhaben.

Und Andreas F. ? Der Polizeiobermeister, inzwischen 36 Jahre alt, ist geschmeichelt. Er findet nicht die Kraft, auf die Affäre zu verzichten. Er merkt nicht, dass seine Untergebene mehr sucht als ein kleines Abenteuer, mehr als ein bisschen heimliche Zärtlichkeit im Streifenwagen.

Hinter der Fassade der forschen Polizistin verbirgt sich ein Mädchen, das in seiner Freizeit das Teenagerblatt »Bravo« liest, seine Wohnung mit Stoffpuppen der »Sesamstraße« ausstaffiert, schwärmerische Vorstellungen von romantischer Liebe hegt. Bis vor kurzem lebte sie noch bei ihren Eltern. Obwohl 20 und durchaus hübsch, hat sie keinerlei Erfahrungen mit Männern, hatte noch nie einen Freund.

Doch jetzt, für Andreas F., möchte sie eine attraktive Frau sein. Sie lässt sich auf der Sonnenbank bräunen, kauft schicke Kleidung, schminkt sich plötzlich. Sie schreibt dem Vorgesetzten kleine Briefe, lädt ihn zu sich ein. Ihre Schwester Dian, die bei ihr wohnt, schickt sie solange fort.

Bei der Polizei wird die Beziehung bekannt. Nina Dreisbach erzählt nicht nur Freunden und Angehörigen von ihren Gefühlen, sondern auch Kollegen von der Wache. Nichts passiert.

Ende Januar 1999 spürt Andreas F., dass er die Kontrolle verliert. Die Kollegin ruft jetzt auch zu Hause an, obwohl er das wegen seiner Ehefrau verboten hat. Ihre Telefonate werden häufiger, drängender. Auch auf Streifenfahrten kommt es zu Auseinandersetzungen. »Sie wollte den Andreas ganz für sich haben«, erinnert sich ihre Schwester später.

Als ihr der Polizist erklärt, dass aus solchen Wünschen nie etwas wird, ist Nina Dreisbach heillos enttäuscht, reagiert völlig verstört. »Dann kann ich ja gleich von der Rheinbrücke springen«, eröffnet sie der Schwester. Die glaubt an einen schlechten Scherz.

Kurz darauf, an einem Februarabend, raucht Nina Dreisbach erstmals in ihrem Leben Marihuana. »Ein Geschenk von Andreas«, erklärt sie, »damit ich wieder ruhiger werde.« Der Polizeiobermeister habe den Stoff einem Drogenabhängigen abgenommen, bei einer Razzia. Der jungen Polizistin wird schon nach einer Zigarette schwindelig. Ihre Traurigkeit bleibt.

Am nächsten Morgen meldet sie sich auf der Wache krank. Danach, um 10.22 Uhr, ruft sie ihren Vorgesetzten zu Hause an, sagt ihm nach einem langen Gespräch, dass sie sich jetzt umbringen werde. Als sie auflegt, ist es 11.06 Uhr.

Andreas F. weiß nicht, wie ernst die Ankündigung gemeint ist. Er ist unschlüssig, wie er reagieren soll. Schnell hinfahren? Einfach abwarten? Die Kollegen alarmieren? Schließlich ruft er zweimal seine Therapeutin an. Die rät zum Notruf, und zwar sofort. Doch erst nach über 20 Minuten, um 11.27 Uhr, wählt der Polizist die 110.

Als die Schwester Dian um 11.30 Uhr nach Hause kommt, liegt Nina Dreisbach im Schlafanzug auf dem Wohnzimmerboden, ihre Pistole neben sich. Sie atmet stoßweise, aus ihrem Mund rinnt Blut. Auf dem Stuhl hängen ihr Polizeiparka und die Diensthose, auf dem Tisch liegen die Dienstmütze, ein paar Handschellen und ihre Streifenkladde.

Wie Alexandra Richter hat sie sich in die Schläfe geschossen, wie seinerzeit ist das Projektil danach gegen die Wand geprallt.

Nina Dreisbach stirbt Stunden nach dem Schuss, am 9. Februar 1999. Ein Sprecher der Neusser Polizei erklärt noch am selben Tag: »Wir haben nicht den geringsten Hinweis auf ein Motiv der Kollegin« - eine allzu bequeme Rechtfertigung.

In Neuss tragen viele Mitverantwortung: Vorgesetzte, die bis heute ihre Personalentscheidungen verteidigen. Kollegen, die vieles wussten, aber trotzdem schwiegen. Doch Versäumnisse einzuräumen widerspricht nicht nur in Neuss polizeilichem Selbstverständnis - erst recht, wenn es um Versagen bei der Bewältigung von Ängsten und Schwächen einzelner Beamter geht. Polizisten sollen, zumindest nach außen, stets stark, nach Möglichkeit unerschütterbar, erscheinen - oder zumindest so tun.

Ereignisse, die nicht zu diesem Klischee passen, werden schnell verdrängt: Die Beamten der Neusser Dienstgruppe B haben ein Gespräch mit dem Polizeipfarrer über Nina Dreisbachs Tod abgelehnt.

Ob ein sofortiger Notruf den Suizid der jungen Frau verhindert hätte, ist ungewiss. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft leitete gegen Andreas F. ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung ein, ermittelt auch wegen Drogenvergehen und Körperverletzung im Amt. Der Polizist weist alle Vorwürfe zurück. Er fühlt sich auch als Opfer.

Nina Dreisbachs Eltern haben gegen alle Vorgesetzten des Beamten Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben. Niemals, so ihr Vorwurf, hätte er nach seiner Vorgeschichte als Ausbilder ihrer Tochter eingesetzt werden dürfen.

Größer als ihr Zorn ist nur ihre Trauer. Bis zu zweimal täglich besuchen sie Ninas Grab.

Polizeiobermeister Andreas F. ist bis auf weiteres krankgeschrieben.

* Rechtsanwältin Uta Kogge aus Düsseldorf.

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