Rechte Aktivisten im Mittelmeer Crewmitglieder gehen von Bord - und beantragen Asyl

Die ultrarechte Identitäre Bewegung will mit einem Boot Flüchtlinge im Mittelmeer abfangen. Jetzt lässt ein Teil der Besatzung die Rechten im Stich.

Heute heißt das Schiff C-Star, es wurde von der Identitären Bewegung gechartert (Archivbild von 2012)
DPA

Heute heißt das Schiff C-Star, es wurde von der Identitären Bewegung gechartert (Archivbild von 2012)


Ein Schiff ultrarechter Anti-Flüchtlings-Aktivisten hat einen Teil seiner Besatzung verloren, nun hängt es in Zypern fest. Die asiatische Crew sei von Bord gegangen, bestätigte die Gruppe "Defend Europe" auf ihrem Twitter-Account.

Das Schiff war von Mitgliedern der Identitären Bewegung gechartert worden, um Flüchtlinge an der Überfahrt über das Mittelmeer zu hindern.

Einem Zeitungsbericht zufolge wurde das Schiff von den nordzyprischen Behörden festgesetzt. Der Kapitän der C-Star und sein Stellvertreter seien im Hafen von Famagusta in der Türkischen Republik Nordzypern festgenommen worden, berichtet die zyprische Zeitung "Kibris Postasi". Der Vorwurf lautet demnach auf Dokumentenfälschung. Schwierigkeiten bereitete offenbar die asiatische Besatzung.

Bei den 20 Männern, die verschiedenen Medienberichten zufolge Tamilen seien, handelt es sich laut einer weiteren Twitter-Mitteilung von "Defend Europe" um angehende Seemänner. Sie hätten für die Fahrt auf dem Schiff gezahlt, um ihre Ausbildung abzuschließen. Ursprünglich hätten sie das Schiff in Ägypten verlassen sollen, das sei aber aufgrund von nicht näher benannten "Intrigen der NGOs nicht möglich" gewesen.

Rechte beschuldigen Nichtregierungsorganisationen

Einige der Männer sollen in Zypern Asyl beantragt haben. Dafür machte die Mitteilung von "Defend Europe" angebliche "Bestechungsangebote" von nicht benannten Nichtregierungsorganisationen verantwortlich.

Hinter der Aktion der Gruppe "Defend Europe" stehen unter anderem deutsche, österreichische und französische Mitglieder der Identitären Bewegung, die in Deutschland wegen ihrer völkischen Ideologie vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die Ultrarechten hatten Mitte Mai eine Kampagne im Internet gestartet und für die Anmietung eines Schiffs knapp 125.000 Euro gesammelt.

Die C-Star sollte in Sizilien rechte Aktivisten an Bord nehmen, ist aber bis dato nicht dort eingetroffen. Vor dem Zwischenfall auf Zypern wurde das Schiff im Suezkanal bereits von ägyptischen Behörden aufgehalten.

Im Video: "Identitäre" wollen Flüchtlinge stoppen

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Von Sizilien aus soll das Schiff dann Kurs auf die libysche Küste nehmen. Dort wollten die Rechten die libysche Küstenwache auf Flüchtlingsboote aufmerksam machen, damit diese die Flüchtlinge zurück in das nordafrikanische Land bringt. Die Gruppe wollte damit gegen NGOs protestieren, die Flüchtlinge nach Europa bringen.

Ein Sprecher der libyschen Küstenwache wies eine Kooperation jedoch zurück. Man arbeite nur mit staatlichen Akteuren zusammen. Zudem spreche sich die Küstenwache dagegen aus, Migranten nach ihrer Rettung zurück nach Libyen zu bringen.

sun/AFP/dpa



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dosmundos 27.07.2017
1.
Erinnert mich irgendwie an die jüngste deutsche Partei vom selben politischen Rand: viel Affentheater, viel Presse, viel Ankündigungen, dann komplettes Chaos, null Ergebnisse - aber die "Etablierten" (hier als "NGO" bezeichnet) sind natürlich an allem schuld, keinesfalls die eigene völlige Inkompetenz...
gedoens 27.07.2017
2. Kein Wunder, dass das schiefgeht.
In der zurückliegenden Geschichte hat sich immer wieder gezeigt, dass Nazis nichts gelingen mag, dass die von ihnen verursachten Schäden immens sind. Dafür gibt es sicher vielfältige Gründe aber zu den Hauptursachen dürften wohl mangelnder Intellekt, charakterliche Defizite und die Unterschätzung des "natürlichen Gegners" (des denkenden Menschen) zählen. Anders ausgedrückt: ich lach mich schlapp über diese Dilletanten.
peterpeterweise 27.07.2017
3. Milliardengeschäft der Schlepper in Gefahr
Die Schlepper haben an vielen Stellen die Drogenmafia in ihren Gewinnen überholt. Da ist es ein leichtes für sie, ein paar Millionen locker zu machen um zu verhindern, dass ihre Geschäfte gestört werden. Wahrscheinlich müssen sie nur Geld für ihre lokalen Helfer zahlen. Die NGOs helfen den Schleppern auch, ohne direkt von ihnen bezahlt zu werden. Es ist wie beim Kampf gegen die Drogenmafia. Die hat ihre Kontakte auch weit in alle möglichen Behörden, Stiftungen und angeblich soziale Organisationen. Es gibt ein gemeinsames Interesse von Kriminellen und denjenigen, die sich moralisch überlegen fühlen.
wardawas? 27.07.2017
4. einfach nur lächerlich
Ganz abgesehen von den politischen Motiven muss man wohl sagen: wer es noch nicht mal schafft mit einem gecharterten Schiffchen geradeaus übers Meer zu fahren, der sollte sich aus der weit komplexeren Politik am besten raushalten, denn da kann der Wellengang noch deutlich stärker sein. Ich will zwar nicht unterstellen dass die Planer dieser Schiffsreise alle nur doof sind, aber neben "identitär" fallen mir noch weitere Worte ein die mit "id..." beginnen...... sehr kompetent diese "Id..." , hahaha
steueramtsrat 27.07.2017
5.
Ich habe ja schon immer gedacht, dass es sich bei den Änhängern der IB um etwas schräg denkende Menschen handelt, aber dass sich diese Leute zur "Verteidigung" der europäischen Grenzen vor dem den "Ansturm" der Nichteuropäer ausgerechnet Asiaten bedienen wollten, grenzt schon an Blödheit. Wenn ich schon meine Identität bewahren möchte, sollte ich konsequent sein. Schon Hitler wollte nicht wirklich fremdvölkische bewaffnete Verbände zur unterstützung einsetzen. Naja, Hauptsache das Geld ist weg und die Damen und Herren lassen es in der Zukunft bleiben. Offensichtlich wären sie ja nur hin- und hergefahren und niemand (libysche Küstenwache) hätte sich für sie interessiert. Spannend wäre es nur geworden, ob diese selbsternannten besseren Menschen andere Menschen nur weil sie eine andere Hautfarbe haben, vor den eigenen Augen hätten ertrinken lassen.
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