Illegale Hahnenkämpfe in Köln Testosteron-Spiele mit Hahnenkamm

In einem Schrebergarten beendete die Kölner Polizei einen illegalen Hahnenkampf. 13 hochaggressive "Hint Horoz"-Hähne sitzen seither bei Bernd Schinzel im Tierheim. Im Interview sagt er: "Bei Hahnenkämpfen handelt es sich um übelsten Tiermissbrauch"
Schwer vermittelbar: Orientalisches Kampfhuhn im Tierheim Köln-Dellbrück

Schwer vermittelbar: Orientalisches Kampfhuhn im Tierheim Köln-Dellbrück

Foto: Tierheim Köln-Dellbrück

Es war eine Entdeckung, die Polizisten nicht jeden Tag machen: Auf einem Schrebergartengelände in Köln fanden die Beamten einen Verschlag mit 13 verletzten Hähnen und eine Kampfarena mit Zuschauerrängen.

Eine Zeugin hatte die Polizei alarmiert. Als die Beamten eintrafen, waren etwa 40 Personen vor Ort, die Tiere befanden sich in kleinen Käfigen, Kampfhandlungen konnten nicht bezeugt werden. "Wahrscheinlich waren wir zu früh", sagte ein Polizeisprecher. Dennoch fest steht: Hier fanden offenbar illegale Hahnenkämpfe statt. Die Polizei ermittelt nun gegen den Besitzer des Schrebergartens. Zum einen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, zum anderen wegen illegalen Glückspiels.

Die Hähne wurden in ein Tierheim gebracht. Leiter Bernd Schinzel erzählt im Interview, warum ihre Haltung schwierig ist und wie es mit den aggressiven Tieren weitergehen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schinzel, bei einer Razzia in Köln-Höhenberg verhinderte die Polizei in einem schmuddeligen Schrebergarten einen Hahnenkampf.

Schinzel: Nicht nur der Schrebergarten war schmuddelig. Bei Hahnenkämpfen handelt es sich um übelsten Tiermissbrauch. Der Besitzer des Schrebergartens hatte eine eigene Kampfarena errichten lassen. Eine erhöhte Bühne mit einem etwa 60 Zentimeter hohen Zaun. Dort wurden die Tiere aufeinander losgelassen. Menschen reisten mit ihren Tieren extra aus Belgien oder den Niederlanden an, um bei den illegalen Kämpfen zu wetten. Das sind perverse Testosteron-Spiele.

SPIEGEL ONLINE: In dem Schrebergarten fand die Polizei auch ein Messer.

Schinzel: Ja. Normalerweise endet der Kampf, wenn ein Tier das andere getötet hat. Aber wenn das Verlierer-Tier noch lebt, dann schneidet der Besitzer des Sieger-Hahns dem unterlegenen Tier den Kopf ab.

SPIEGEL ONLINE: Wie halten Sie nun die beschlagnahmten Tiere?

Schinzel: Nach bestem Gewissen, aber trotzdem überhaupt nicht artgerecht, weil wir auf so eine Notsituation nicht vorbereitet sein können. Die Hähne sitzen in Hunde- und Katzenboxen, jeder für sich. Sie gehören der türkischen Rasse "Hint Horoz" an. Sie sind schnell gewaltbereit und besitzen einen ausgeprägten Geschlechtstrieb. Wenn sie sich sehen können, drehen sie schon durch. Auch das Anfassen ist nicht leicht. Manche hacken nach uns oder versuchen, einen mit dem Sporn an ihren Füßen zu verletzten.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Tiere Verletzungen?

Schinzel: Teilweise haben sie alte Verletzungen an Kopf, Hals und Augen. Aber sie wurden vor dem Kampf sichergestellt, sonst sähen sie anders aus.

SPIEGEL ONLINE: Was sind die Tiere wert?

Schinzel: Damit kenne ich mich nicht aus. Aber sicherlich ist es so, dass Tiere, die kampfbereit sind oder schon Kämpfe gewonnen haben, wertvoller sind. Wir hatten heute Besuch von einem Spezialisten. Der hat uns gesagt, dass manche Tiere schon für den Kampf präpariert waren, dass zum Beispiel die Federn zurechtgestutzt waren. Solche Tiere sind teuer.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie vorher schon mal Erfahrungen mit Kampfgockeln?

Schinzel: Ja, vor zwei Jahre brachte man uns ein Fundtier, ein kleines Küken. Als es größer wurde, konnten wir es der Kampfhuhnrasse zuordnen. Wir nannten den Hahn "Klitschko" und er sitzt bis heute hier.

SPIEGEL ONLINE: Ist Klitschko unvermittelbar?

Schinzel: Quasi. Viele Leute sagten uns: Einen Hahn nehmen wir gern, aber einen "Hint Horoz"? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass so ein Tier auch auf Kinder losgeht. Die Lebensbedingungen, die das Tier in der freien Natur hat, sind einfach anders.

SPIEGEL ONLINE: Was geschieht jetzt mit den 13 Kampfhähnen und Klitschko?

Schinzel: Es kam ein Mann vom Geflügelverband, der sich vorstellen könnte, die Tiere aufzunehmen. Wenn er sie nicht nimmt, dann wissen wir erstmal auch nicht weiter.

Das Interview führte Nora Gantenbrink.