In "Kyrills" Windschatten Meteorologen warnen vor "Lancelot"
Frankfurt am Main - Der Deutsche Wetterdienst erwartet das Sturmtief namens "Lancelot" morgen über der Nordsee und gab für die Küstenregionen eine Sturmvorwarnung heraus. Details zur Stärke des Sturms gibt es aber noch nicht. Fest steht aber: Das neue Tief bringt weiter Regen und heftigen Wind nach Deutschland. Am Sonntag sind laut Meteomedia auch Schneeschauer möglich, denn es soll nun kälter werden.
Nachdem der schwere Orkan "Kyrill" abgezogen ist, waren heute bundesweit Zehntausende Helfer im Einsatz, um die Sturmschäden zu beseitigen. Umgefallene Bäume, beschädigte Autos, abgedeckte Dächer und Stromausfälle sorgten nach Einschätzung des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft für einen versicherten Schaden von rund einer Milliarde Euro. "Kyrill" hatte in der Nacht mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 202 Kilometern pro Stunde praktisch in ganz Deutschland gewütet und eine Spur der Verwüstung hinterlassen.
Dutzende Tote in ganz Europa
Allein in Deutschland wurden zwölf Menschen getötet, zahlreiche weitere bei sturmbedingten Unfällen zum Teil schwer verletzt. In ganz Europa waren 43 Tote zu beklagen. In Bayern wurden ein Kleinkind von einer Terrassentür und ein 73-Jähriger von einem Scheunentor erschlagen. In Sachsen-Anhalt stürzte der Giebel eines Kiosks ein und begrub einen 40-Jährigen. In Nordrhein-Westfalen kamen zwei Feuerwehrmänner ums Leben, zudem wurde ein Motorradfahrer von einem Baum erschlagen, ein 22-Jähriger und eine 23-Jährige starben bei Unfällen in ihren Autos. Auch in Niedersachsen, Brandenburg und Baden-Württemberg kam jeweils ein Autofahrer bei Unfällen ums Leben. In Hessen erlitt ein 49-Jähriger einen tödlichen Herzanfall, als er versuchte, einen umgestürzten Baum zu beseitigen.
Die stärkste Orkanböe wurde mit 202 Stundenkilometern auf dem Wendelstein in Bayern gemessen. Im Flachland tobte der Wind am stärksten im thüringischen Artern mit 144 Stundenkilometern. Glimpflicher davon kamen etwa das Rhein-Main-Gebiet, das nördliche Niedersachsen oder der äußerste Südwesten davon, wo "nur" Sturmböen zwischen 75 und 100 Kilometer pro Stunde gemessen wurden.
Heute sorgten umgestürzte Bäume und andere Hindernisse für Straßen- und Gleissperrungen. Die Bahn hatte gestern erstmals in der Nachkriegsgeschichte den Schienenverkehr komplett eingestellt, was auch nach der Wiederaufnahme nachhaltige Störungen im Bahnverkehr verursachte. Tausende Menschen saßen auf Bahnhöfen und in Zügen fest, Wartezeiten von etlichen Stunden mussten in Kauf genommen werden. Die Verkehrssituation entspannte sich im Tagesverlauf. Auch der Schienenverkehr sollte sich nach den Worten von Bahnchef Hartmut Mehdorn bis in die Nacht normalisieren. Freuen konnten sich die Autovermieter, die von den Ausfällen profitierten.
Zehntausende ohne Strom
Der Luftverkehr entspannte sich, nachdem am Vortag am Flughafen Frankfurt am Main rund 200 von 1400 Flügen gestrichen worden waren. Die Lufthansa hatte europaweit 331 Flüge streichen müssen. Davon waren nach Worten eines Sprechers rund 18.900 Fluggäste betroffen. Auch die Nordseefähren nahmen den Betrieb wieder auf. In den meisten Wäldern richtete der Orkan nach ersten Einschätzungen weniger Schaden an als erwartet.
Mehr als eine Million Menschen waren zeitweise ohne Strom, Zehntausende Haushalte warteten am Abend noch immer auf Elektrizität. Die am stärksten betroffenen Regionen waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes die Gebirge und Küsten, sowie Ostdeutschland, die Kölner Bucht und Südostbayern.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zeigte sich erleichtert, dass der Orkan relativ glimpflich vorüberging. "Wir sind gut vorbereitet gewesen", sagte der SPD-Politiker.
Nachdem schon gestern in weiten Teilen des Landes Schüler wegen des Orkans "Kyrill" früher nach Hause geschickt worden waren, fiel teilweise auch heute noch vielerorts der Unterricht aus. Grund waren vor allem Probleme im Nahverkehr - die Schüler konnten nicht in den Unterricht kommen.
ffr/AP/dpa