Paris - Frauen in Paris dürfen anziehen, was sie wollen. Klingt selbstverständlich, war es aber lange nicht - zumindest wenn es nach den Gesetzen geht. Denn bis vor wenigen Tagen galt eigentlich eine Verordnung, nach der es Frauen verboten war, Hosen zu tragen.
Nun ist der Paragraf, der jahrhundertelang in Kraft war, getilgt worden. Frauen können jetzt ganz legal in Jeans, Dreiviertelhose oder Hosenanzug über die Avenue des Champs-Élysées gehen.
Die Verordnung stammte aus dem Jahr 1799, aus Zeiten der französischen Revolution. Frauen der Stadt mussten sich seitdem laut Gesetz eine offizielle Ausnahmeerlaubnis der Stadtregierung besorgen, wenn sie sich "wie Männer anziehen" wollten - oder sie riskierten, in Gewahrsam genommen zu werden.
Das Gesetz hatte nicht etwa einen modischen Hintergrund, vielmehr sollte Frauen das Tragen eines der Symbole der Revolution verwehrt werden: Lange Hosen waren ein Zeichen der Arbeiterklasse, die sich so von der Kniebundhosen tragenden Oberklasse unterschied. Diese als "Sansculottes", "ohne Kniebundhosen", bekannt gewordenen Arbeiter waren das Rückgrat der französischen Revolution.
Das Gesetz wurde zweimal reformiert, 1892 und 1909. Die Änderungen blieben aber eher gering: Frauen war es nun gestattet, Hosen zu tragen - aber nur wenn sie "entweder den Lenker eines Fahrrades oder die Zügel eines Pferdes hielten". Ansonsten blieb es in Kraft.
Nun stellte die französische Ministerin für die Rechte der Frauen, Najat Vallaud-Belkacem, am Donnerstag klar, dass das Gesetz gegen "die Gleichstellung von Männern und Frauen verstößt, die schon in der Verfassung festgeschrieben ist". Daher sei das Gesetz "nur noch ein Museumsstück" ohne jegliche legale Auswirkungen. Und auch wenn das Gesetz nie wirklich Anwendung gefunden habe, so sei es doch wegen der symbolischen Bedeutung verwerflich.
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Sieht selbstverständlich aus, war es aber lange nicht - zumindest wenn man nach den Gesetzen geht: 214 Jahre lang war in Paris ein Paragraf in Kraft, der Frauen das Tragen von Hosen verbot.
Kleidung um 1794: Frauen sollte Ende des 18. Jahrhunderts das Tragen eines der Symbole der Revolution verwehrt werden: Lange Hosen waren ein Zeichen der Arbeiterklasse, die sich so von der Kniebundhosen tragenden Oberklasse unterschied. Sie wurden als "Sansculottes" bekannt, "ohne Kniebundhosen".
So war's Recht: Das Gesetz wurde zweimal behutsam reformiert, erlaubt waren Hosen dann, wenn die Damen "den Lenker eines Fahrrades oder die Zügel eines Pferdes hielten".
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Ende Januar schickte Jean-Paul Gaultier seine Models in Hosen auf den Laufsteg. So bunt sie waren: Damals war das eigentlich verboten.