Indien Deutsche Familie kämpft um Zwillinge aus Leihmutterschaft

Seit mehr als zwei Jahren wartet ein Ehepaar aus Bayern auf seine von einer indischen Leihmutter ausgetragenen Zwillinge. Doch die Behörden verweigern deren Ausreise nach Deutschland. Jetzt droht dem Vater die Ausweisung, doch er will seine Kinder nicht allein zurücklassen.

Neu Delhi - Wie das ARD-Hörfunkstudio Südasien berichtete, stellten die deutschen Behörden den Kindern keinen Reisepass aus, weil nach deutschem Recht eine Leihmutterschaft verboten ist. Die Ämter in Indien - wo Leihmutterschaft legal ist - hielten die Kinder wegen der deutschen Eltern für Bundesbürger. Sie verweigerten den Zwillingen daher indische Reisedokumente. Dem Vater, der seit der Geburt bei den Kindern ausharrt, droht nach Ablauf seines Visums die Ausweisung.

Der studierte Kunsthistoriker kämpft deshalb verbissen vor deutschen und indischen Gerichten darum, seine staatenlosen Kinder mit nach Bayern nehmen zu dürfen. "Was sollten wir denn machen?", fragt der 47-Jährige. "Die Kinder zurücklassen?" Das sei nach der Geburt nicht in Frage gekommen. "Wenn man die kleinen Würmer sieht, dann entsteht sofort die Bindung und man spürt die Verantwortung." Es sei ihm unmöglich zu sagen: "Ich ziehe mein behagliches Leben in Deutschland vor und gebe die Kinder weg, weil ich mit der Situation nicht zurechtkomme."

Seine Frau sei mittlerweile zurückgekehrt nach Bayern, auch, um Geld für die Familie zu verdienen. Sollten die indischen Behörden seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängern, müsse er ohne seine Kinder das Land verlassen, klagte der Mann, der anonym bleiben und seinen genauen Herkunftsort nicht nennen wollte.

Der ARD sagte er, er habe die Gesetzeslage damals so interpretiert, dass Leihmutterschaft nur in Deutschland verboten sei. Seine Kinder seien aber im Ausland zur Welt gekommen.

"Wir haben eine Woche nach Geburt der Kinder mit der (deutschen) Botschaft telefoniert und denen gesagt, dass es eine Leihmutterschaft ist." Die Botschaft habe daraufhin mitgeteilt, dass man die Familie nicht unterstützen könne. "So saßen wir dann allein in einem fremden Land fest." Das Auswärtige Amt weist auf seiner Homepage allerdings ausdrücklich darauf hin, dass Kinder von Leihmüttern im Ausland mit deutschen "Wunscheltern" keine deutsche Staatsangehörigkeit durch Geburt erwerben.

Adoption als letzte Option?

Der Deutsche Botschafter in Neu Delhi, Thomas Matussek, wollte zu dem Einzelfall nicht Stellung nehmen. Generell sei die Leihmutterschaft in Deutschland verboten, "weil sie mit unseren Vorstellungen von Menschenwürde, wie sie im Grundgesetz verankert ist, nicht zu vereinbaren ist". Es gebe Fälle, "wo eine ganz tragische Situation dadurch entstanden ist, dass sich jemand über das Verbot hinweggesetzt hat und nun sind diese armen kleinen Kinder in der Welt."

Wenn das in Deutschland geschehe, müsse sich aufgrund seiner Fürsorgepflicht der deutsche Staat darum kümmern, sagte Matussek. "Wenn es im Ausland geschieht, kann der deutsche Staat natürlich nicht direkt eingreifen." Theoretisch könnten die Eltern in solchen Fällen versuchen, die Kinder zu adoptieren. "In der Tat ist es so, dass wenn - ohne ihr Verschulden - nun zwei kleine Inder in die Welt gesetzt sind, dann kann ich die nicht qua deutscher Staat automatisch zu Deutschen machen. Das ist vom Gesetz her verboten."

ala/dpa
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