Indien Flugzeugentführung war Missverständnis

Lange rätselte Indien über eine angebliche Flugzeugentführung. Passagiere glaubten, sie seien entführt worden, die Fluggesellschaft wollte nur eine Übung gemacht haben, und das Ministerium für Luftfahrt sprach von einem Irrtum. Mittlerweile scheint klar, dass Missverständnisse und Panik zu einen falschen Alarm geführt haben.


Indische Soldaten patrouillieren auf dem Flughafen in Delhi weil: a) ein Flugzeug entführt wurde b) alles nur ein Missverständniss war c) im Rahmen einer Übung eine Flugzeugentführung simuliert wurde
AP

Indische Soldaten patrouillieren auf dem Flughafen in Delhi weil: a) ein Flugzeug entführt wurde b) alles nur ein Missverständniss war c) im Rahmen einer Übung eine Flugzeugentführung simuliert wurde

Neu-Dheli - Die ersten Meldungen klangen dramatisch: Eine Boeing 737 der Alliance Air landete am Mittwochabend um 0.30 Uhr Ortszeit (21.00 MESZ) auf dem internationalen Flughafen von Neu Delhi. Sie hatte 54 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord, wie das indische Luftfahrtministerium mitteilte. Das Flugzeug wurde zu einem abgetrennten Bereich des Indira-Gandhi-Flughafens geleitet und von Polizeikräften umstellt. Fernsehsender eilten zum Airport.

Nach ersten Medienberichten sollte es sich um zwei Entführer handeln. Doch ihre Identität, Motive und Forderungen blieben bis zum späten Abend unbekannt. Nach ersten Angaben sollten sie gebrochen Englisch sprechen, teilten die Piloten und Passagiere angeblich per Handy mit, und es hieß, die Crew hätte sich in ihrem Cockpit einschließen können. Den Angaben zufolge hätten die Entführer ein Paket bei sich, von dem sie behaupteten, es enthalte Plastiksprengstoff. Die Entführer könnten Afghanen sein, berichtete die indische Nachrichtenagentur UNI.

Überraschende Entwarnung

Rund vier Stunden später wurde plötzlich Entwarnung gegeben. Es handele sich um einen falschen Alarm teilten Regierungssprecher mit, die Passagiere hätten die Maschine verlassen. Dann teilte der indische Luftverkehrsminister Shahnawaz Hussain mit, dass ein anonymer Anruf bei der Flugaufsicht über eine Entführung sowie Konfusion im Cockpit und in der Kabine des Flugzeuges die Kette von Ereignissen ausgelöst hätten.

Pilot und Passagiere hätten sich geirrt und seien verwirrt

Der Pilot, der von der Bodenkontrolle über die angebliche Entführung informiert worden sei, habe geglaubt, die Entführer seien unter den Passagieren und deswegen die Tür des Cockpits verriegelt, sagte Hussain. Die Passagiere wiederum hätten geglaubt, die Entführer hätten sich im Cockpit verschanzt.

Die Situation drohte zu eskalieren, als Passagiere nach der Landung von Angehörigen über Handy informiert worden waren, sie seien nach Fernsehberichten in der Hand von Kidnappern. Zwei Passagiere versuchten daraufhin, in das Cockpit zu gehen, um Klarheit zu bekommen. Dies verschärfte die Angst vor einer Entführung.

Nachdem das Flugzeug dann in Neu-Delhi landete, umstellten Sicherheitskräfte das Flugzeug. Erst als Einsatzkommandos in das Cockpit vordrangen, stellte sich laut Hussain heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte.

Während der Luftfahrtminister von einem "Missverständnis" sprach, sagte ein Sprecher der Fluglinie Alliance Air nach dem Vorfall, bei der ganzen Aktion habe es sich um eine Übung gehandelt, "um die Bereitschaft des Bodenpersonals zu testen". Das Vorgehen sei auf "höchster Ebene" abgestimmt gewesen.

Nach Darstellung mehrerer Fluggäste sagte der Pilot während des vierstündigen Nervenkriegs durch, es handele sich lediglich um eine Sicherheitsübung. Der Luftfahrtminister sagte jedoch, es habe keine Übung gegeben, es sei mit Sicherheit ein Irrtum gewesen.

Unter den Fluggästen gab es nach der Landung einige Verwirrung um die Vorkommnisse: Augenzeugen des Zwischenfalls berichteten der indischen Nachrichtenagentur Press Trust of India, dass sie das Gefühl gehabt hätten möglicherweise entführt worden zu sein, und dass die Sicherheitskräfte bei der Erstürmung einen Passagier zusammengeschlagen hätten. "Das sah nicht wie eine Übung aus", sagte ein Augenzeuge.

Erhöhte Alarmstufe in Indien



In Indien herrscht seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September erhöhte Alarmbereitschaft bei den Sicherheitsbehörden. Am Montag zündeten islamische Extremisten vor dem Parlamentsgebäude des Unionsstaates Jammu-Kaschmir eine Autobombe und schossen auf die Sicherheitskräfte. Dabei kamen 40 Menschen ums Leben.



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