Indien Gefährlicher Alkoholschmuggel nimmt in Coronakrise zu

Hunderte sterben jährlich in Indien an Gift in schwarzgebrannten Spirituosen. Wegen der Corona-Regeln ist es noch schwerer, an legalen Alkohol zu kommen. Die Polizei kämpft gegen Schwarzbrennereien.
Da viele ärmere Bürger Indiens sich Markenalkohol nicht leisten können, erfreut sich billiger, aber oft mit Methanol versetzter "country liquor" großer Beliebtheit

Da viele ärmere Bürger Indiens sich Markenalkohol nicht leisten können, erfreut sich billiger, aber oft mit Methanol versetzter "country liquor" großer Beliebtheit

Foto: Himanshu Bhatt/ NurPhoto/ Getty Images

Die Polizei des indischen Bundesstaats Punjab hat am Sonntag Fortschritte bei der Zerschlagung eines Alkoholschmuggelrings gemeldet, nachdem es dort seit vergangenem Donnerstag zu 86 Todesfällen infolge des Konsums von schwarzgebrannten Spirituosen gekommen war. 

"Wir haben heute an über 30 Orten Razzien durchgeführt", sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur Reuters, "und dabei sechs weitere Personen festgenommen." Bereits am Samstag hatte die Polizei mehr als hundert Razzien und 25 Festnahmen gemeldet, es wurden Hunderte Liter illegaler Spirituosen sichergestellt, die zum Teil vergällten Alkohol enthielten, wie er zur Herstellung von Farben verwendet wird.

Jährlich sterben in Indien Hunderte Menschen durch den Konsum von billigem schwarzgebrannten "country liquor" oder sogenanntem hooch. Viele können sich Markenspirituosen schlicht nicht leisten. Oft enthalten die illegal hergestellten Getränke das Frostschutzmittel Methanol, das zu Erblindung, Leberschäden oder sogar zum Tod führen kann.

Im Zuge der Coronakrise hatte sich diese Situation während regionaler Lockdowns vielerorts zusätzlich verschärft: So waren laut der Nachrichtenagentur AFP am vergangenen Freitag nach der Schließung örtlicher Spirituosenhandlungen und Bars im südindischen Ort Kurichedu zehn Männer gestorben. Sie hatten tagelang eine große Menge mit Limonaden vermischter alkoholhaltiger Handdesinfektionsmittel getrunken. Mehrere Menschen wurden nach dem Konsum von Desinfektionsmitteln im Krankenhaus behandelt. 

In den vergangenen Monaten hatten Medien mehrfach über Probleme in der Alkoholversorgung Indiens während der Coronakrise berichtet: So bildeten sich laut dem "Indian Express"  etwa in Poona lange Warteschlangen für Vorratskäufe vor Spirituosenläden. Der Nachrichtensender Al Jazeera berichtete, wie Polizisten in der Landeshauptstadt Neu-Delhi mit Schlagstöcken gegen aufgebrachte Käufer vorgingen,  die nach 40-tägigem Lockdown ihre Alkoholvorräte aufstocken wollten.

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Für Empörung hatte Ende Juli ein Video des Magazins "India Today" gesorgt: Es zeigte, wie mehr als 50 Kindern im Alter von zehn bis zwölf Jahren in einem Dorf im Bundesstaat Odisha "country liquor" eingeflößt wurde. Der Alkohol, so hatte man ihnen gesagt,  sei eine Schutzmaßnahme gegen das neue Coronavirus.

Indien ist nach den Vereinigten Staaten von Amerika und Brasilien an dritter Stelle der weltweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder. Bisher erkrankten dort mehr als 1,75 Millionen Menschen, es kam zu 37.364 Todesfällen infolge von Covid-19-Erkrankungen. Das Land hat zugleich, nach Volumen berechnet, den drittgrößten Alkoholumsatz der Welt.

dak/rtr/afp/BBC

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