Indien Nachbeben und Kämpfe um Hilfsgüter

Die Lage im indischen Erdbebengebiet wird immer dramatischer: Durch verschmutztes Trinkwasser drohen den Überlebenden jetzt Cholera und Typhus. Außerdem liefern sich Banden Kämpfe um die knappen Hilfsgüter.


Im Erdbebengebiet drohen jetzt Seuchen
AP

Im Erdbebengebiet drohen jetzt Seuchen

Bhuj/Neu Delhi - In der am meisten zerstören Stadt Bhuj ist das Trinkwasser stark mit Fäkalien belastet. "Das kann schon bald zur Ausbreitung von schweren Durchfallerkrankungen führen", sagte Susanne Anger vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) am Donnerstag. Das DRK ist für die Aufbereitung von Trinkwasser für eine Zeltklinik zuständig und hat das Wasser deshalb untersucht. In der am stärksten betroffenen Region kam es außerdem in der Nacht zu einem Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 4,8 auf der Richterskala.

Die sanitären Einrichtungen in Kutch seien total zusammengebrochen, sagte der Arzt Jitendra Adhia. Die Gefahr durch verschüttete Leichen in zerstörten Häusern ist nach Aussage Angers nicht so akut. Beobachter sagten aber, geborgene Leichen würden bei Massenbestattungen nicht vollständig verbrannt. Experten warnten auch vor Cholera, Typhus und, bei den Verletzten, vor Tetanus.

Die Suchtrupps aus Deutschland und der Schweiz haben ihre Einsätze im Erdbebengebiet inzwischen beendet. Sie rechnen nicht mehr mit Überlebenden der Katastrophe. Am Mittwoch hatten sie die vermutlich letzten noch lebenden Menschen aus den Trümmern eingestürzter Häuser geborgen. Ein Mädchen in Bhuj war 130 Stunden verschüttet gewesen, eine Frau in Ahmedabad wurde 114 Stunden nach dem Erdbeben gerettet.

Nach Berichten der Zeitung "Indian Express" ist es zwischen Banden im Katastrophengebiet zu Kämpfen um Hilfsgüter gekommen. Einige Gruppen würden sie hamstern. Bei einem Streit um Hilfsgüter sei ein Mann ermordet worden, schrieb die Zeitung.

Bei dem schlimmsten Erdbeben in der indischen Geschichte am vergangenen Freitag mit einer Stärke von 7,9 sind bis zu 100.000 Menschen ums Leben gekommen. 200.000 Menschen wurden verletzt, eine halbe Million Menschen sind obdachlos. Bisher wurden fast 15.000 Leichen geborgen.



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