Impfbetrug in Indien Mehr als 2000 Menschen mit Salzwasser »geimpft«

In Indien sind rund 2500 Menschen um ihre Impfung gegen das Coronavirus betrogen worden: Ihnen wurde Salzwasser statt eines Impfstoffs gespritzt. Der Betrug fiel auf, weil den Geimpften die Impfnachweise auffällig vorkamen.
Impfanwärter in Mumbai (im April)

Impfanwärter in Mumbai (im April)

Foto: DIVYAKANT SOLANKI / EPA

Sie dachten, in der aufgezogenen Spritze sei ein Impfstoff gegen Covid-19, doch darin war nur Salzwasser: Rund 2500 Menschen sind in Indien einem riesigen Betrug mit Impfstoff zum Opfer gefallen. Ärzte und medizinische Mitarbeitende waren laut CNN an dem Betrug beteiligt  und wurden festgenommen.

Mindestens zwölf gefälschte Impfaktionen wurden in oder in der Nähe des Finanzzentrums Mumbai im Westen des Bundesstaates Maharashtra durchgeführt, sagte Vishal Thakur, ein hochrangiger Beamter der Polizei von Mumbai.

»Sie haben Salzwasser verwendet und es injiziert«, sagte Thakur. Schätzungsweise 2.500 Menschen seien damit geimpft worden, sagte er. Die beteiligten Ärzte hatten von ihren Opfern Geld für die Impfung verlangt. Bis zu 28.000 US-Dollar sollen sie laut CNN mit den falschen Impfaktionen verdient haben.

Die Ärzte und das andere medizinische Personal arbeiteten offenbar mit einem Krankenhaus zusammen, das gefälschte Zertifikate, Fläschchen und Spritzen herstellte. 14 Personen seien wegen des Verdachts auf Betrug, versuchte Tötung festgenommen worden.

Die falschen Impfaktionen fanden laut CNN-News18  zwischen Ende Mai und Anfang Juni statt. Der Betrug fiel auf, weil sich mehrere Menschen über die Impfbescheinigungen wunderten und dies der Polizei meldeten. Zudem hätten die Menschen die Impfung in bar bezahlen müssen.

Zwischen April und Juni waren die Coronafallzahlen in Indien explodiert. Das Land war für 40 Prozent der Corona-Neuinfektionen weltweit verantwortlich. Kein anderes Land hatte in dieser Pandemie so viele Neuinfektionen an einem Tag registriert wie Indien, fast 361.000 wurden Ende April an einem einzigen Tag gemeldet. Und die Dunkelziffer dürfte noch viel höher gewesen sein. Eine Tragödie für das 1,4-Milliarden-Einwohner-Land. Die Lage in den Krankenhäusern war dramatisch. Angesichts der vielen Covid-19-Patienten war die medizinische Versorgung an vielen Orten kaum noch gewährleistet. Millionen Menschen infizierten sich, Zehntausende starben.

Im Juni kündigte Premierminister Narendra Modi eine zentralisierte Impfkampagne an, bei der ein erheblicher Teil der Dosen von der Zentralregierung kostenlos an die Bundesstaaten geliefert würde. Laut Daten der Johns Hopkins University wurden bislang mehr als 62 Millionen Menschen in Indien – etwa viereinhalb Prozent der Bevölkerung des Landes – vollständig geimpft.

kha
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