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BILDBÄNDE Indiens vergessene Töchter

aus DER SPIEGEL 22/2007

Seit fast 20 Jahren arbeitet der New Yorker Fotograf Fazal Sheikh, 41, in Afrika, Südamerika und Asien - immer unter Menschen, die in ihrer Heimat aus unterschiedlichen Gründen unerwünscht sind. Sheikh fotografiert die »displaced people« nicht nur, er befragt sie ausführlich nach ihrem Leben, zeichnet die Interviews auf und veröffentlicht sie zusammen mit den Fotografien. Sein gerade erschienener Bildband »Ladli« (Hindi für »geliebte Tochter") zeigt hauptsächlich Mädchen in indischen Waisenhäusern. Die Geschichten der oft knapp mit dem Leben davongekommenen Mädchen und jungen Frauen dokumentieren die unverändert bestehende Rechtlosigkeit indischer Frauen. Ehemänner, die unzufrieden sind mit ihren Partnerinnen, jagen diese aus dem Haus, geben sie zur Vergewaltigung frei oder lassen sie ermorden. Väter treiben ihre Töchter in die Fänge der Prostitution. Die Polizei sieht nicht hin, die Justiz duldet es. In ruhigen, ganz auf die Personen konzentrierten Schwarzweißporträts gibt Sheikh den Fallgeschichten Gesichter. Das Buch kommt zur richtigen Zeit: Während glanzvolle Bildbände Indiens Aufstieg zur modernen Wirtschaftsmacht feiern, zeigt uns Fazal Sheikh einige der vielen Töchter des Landes, die der Aufschwung nicht mitnehmen wird.

Fazal Sheikh: »Ladli«. Steidl Verlag, Göttingen; 192 Seiten; 25 Euro.

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