Indonesien Dutzende Menschen sterben bei Vulkanausbruch

Es regnete Asche und Gesteinsbrocken: Beim Ausbruch des Vulkans Merapi auf der Insel Java starben mehr als 20 Menschen. Experten warnen vor weiteren Eruptionen. Zuvor hatte bereits ein Tsunami in der Region zahlreiche Todesopfer gefordert.


Jakarta - Am Dienstagabend spuckte der Merapi, ein 25 Kilometer nördlich von Yogyakarta auf der Insel Java gelegener Vulkan, plötzlich eine riesige Rauchwolke: Die glühend heiße Asche wurde mehr als 1500 Meter in die Höhe geschleudert. Asche und Gesteinsbrocken gingen auf die Hänge nieder, Bäume stürzten um und versperrten die Zugangsstraßen für Rettungswagen. Mehrere hundert Häuser wurden beschädigt.

"Mindestens 25 Menschen sind ums Leben gekommen und zwölf wurden verletzt", sagte Trisno Heru Nugroho, ein Sprecher des örtlichen Krankenhauses. Unter den Toten sei auch ein Mann, der als spiritueller Wächter des Vulkans gelte. Mbah Maridjan konnte der Legende zufolge das Verhalten des Berges voraussagen. Er hatte sich während des Ausbruchs geweigert, sein Haus zu verlassen. Dort kamen mit ihm 15 Getreue ums Leben, deren Leichen bereits geborgen wurden.

Der knapp 3000 Meter hohe Merapi gehört zu den aktivsten Vulkanen Indonesiens. Er war zuletzt 2006 ausgebrochen. Bereits am Montag hatten die Behörden die Evakuierung der dichtbesiedelten Gegend angeordnet. Rund 19.000 Bewohner in einem Umkreis von zehn Kilometern wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Tausende folgten der Anordnung, viele Bauern aber weigerten sich, Land und Vieh im Stich zu lassen. Die Behörden befürchteten, dass die Zahl der Opfer weiter steigen könnte, da viele Einwohner nicht rechtzeitig flüchten konnten.

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Katastrophen in Indonesien: Weiße Wand und glühend heiße Asche
Der Vulkanologe Gede Swantika, der für die indonesische Regierung arbeitet, äußerte die Hoffnung, dass der Druck allmählich und nicht abrupt aus dem Vulkan entweicht. Allerdings sei es noch zu früh, dies mit Sicherheit vorherzusagen. Noch immer liege eine weitere heftige Eruption im Bereich des Möglichen.

"Eine riesige Flutwelle"

Erst am Montagabend war die Region westlich von Sumatra von einem Erdbeben der Stärke 7,7 erschüttert worden. Auf der entlegenen Mentawai-Inselkette im Indischen Ozean wurden zehn Dörfer von bis zu drei Meter hohen Wellen weggespült, wie die Katastrophenbehörden am Dienstag erklärten.

Die indonesischen Behörden hatten eine Tsunami-Warnung für die Gegend nach kurzer Zeit wieder aufgehoben - das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum erklärte jedoch später, das Beben habe "eine riesige Flutwelle ausgelöst". Auf Südpagai, einer der Mentawai-Inseln, schossen die Flutwellen nach Behördenangaben 600 Meter weit ins Landesinnere.

Mehr als 500 Menschen werden den Behörden zufolge noch vermisst. Eine Gruppe von neun zunächst unauffindbaren Australiern sei inzwischen wieder aufgetaucht, erklärten die indonesischen Behörden am Mittwoch. Die Surfer seien wohlauf. Eine andere australische Reisegruppe, die während des Bebens in einer Bucht auf einem Boot unterwegs war, beschrieb den Tsunami als "weiße Wand". Nach 20 bis 30 Minuten habe sich die Flutwelle zurückgezogen; die Urlauber überlebten alle.

Der indonesische Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono wollte angesichts der Lage in seiner Heimat vorzeitig von einem Gipfel der südostasiatischen Staaten (Asean) zurückkehren. Der Präsident werde noch am Mittwochmittag die Heimreise aus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi antreten, verlautete aus Asean-Kreisen.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich bestürzt über den "Verlust von Menschenleben, die Verletzungen und Schäden". Die USA stünden bereit für "jegliche Art der Hilfe", erklärte Obama in Washington. Der Präsident, der als Kind einige Jahre in Indonesien lebte, will das Land kommenden Monat besuchen.

Indonesien befindet sich auf dem sogenannten pazifischen Feuerring, wo sich jährlich Hunderte Erdbeben ereignen. Bei der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 wurden in mehreren Küstengebieten des Indischen Ozeans mehr als 220.000 Menschen getötet. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168.000 Toten.

ala/dpa/apn



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