SPIEGEL ONLINE

Hunderte Tsunami-Tote in Indonesien Kritik an Warnsystem - "Es gab keine Sirene"

Mehr als 830 Tote haben die Retter bereits gefunden - und die Zahl wird nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien noch steigen. Die Behörden sprechen von einem Versagen des Warnsystems.

Die Zahl der Toten durch die schwere Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe auf der indonesischen Insel Sulawesi ist auf mindestens 832 gestiegen. Die Behörden machen für die vielen Opfer auch das fehlerhafte Warnsystem verantwortlich. Als die meterhohe Welle mit zerstörerischer Wucht über die Küstenmeile der Inselhauptstadt Palu hereinbrach, hätten sich dort noch viele Menschen am Strand aufgehalten. "Es gab keine Sirene. Viele Menschen waren sich der Gefahr nicht bewusst, also gingen sie ihrer Beschäftigung am Strand nach", sagte der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho.

Videoaufnahmen zeigen, wie die bis zu drei Meter hohen Wellen am Freitag auf die westliche Küstenstadt trafen und neben Menschen und Booten ganze Häuser mit sich rissen. Kurz zuvor war Sulawesi, eine der größten Inseln des Landes, von zwei Erdbeben der Stärke 5,9 und 7,4 erschüttert worden.

Das nationale Zentrum für Meteorologie und Geophysik hatte wenige Minuten nach dem stärkeren Erdbeben eine Tsunami-Warnung ausgegeben, diese aber eine halbe Stunde später wieder aufgehoben - aus Sicht von Kritikern zu früh, sodass die Menschen unvorsichtig geworden seien. Die Leiterin des Zentrums, Dwikorita Karnawati, beteuerte jedoch, dass die Warnung erst zurückgenommen worden sei, nachdem der Tsunami bereits auf Land getroffen und das Wasser an der Küste wieder auf dem Rückzug war.

Amateurvideo: Tsunami trifft auf Palu

SPIEGEL ONLINE

Am schlimmsten traf die Tsunamiwelle die 350.000-Einwohner-Stadt Palu, in der vermutlich noch viele weitere Leichen unter Schlamm und Trümmern begraben liegen. Zudem gibt es viele Hunderte Verletzte.

Weiterhin suchen die Rettungskräfte intensiv nach Überlebenden. Die Zahl der Toten und Verletzten wird auch deshalb noch steigen, weil in die ebenfalls schwer getroffenen Bezirke Donggala und Sigi noch gar keine Verbindung bestehe, sagte Wilem Rampangilei, Leiter des nationalen Zivilschutzes, der Agentur Antara.

Fotostrecke

Tsunami in Indonesien: Verzweifelte Suche nach Überlebenden

Foto: Rifki/ dpa

Auch in Palu wurden noch nicht alle Gebäude erreicht, darunter große Hotels, Warenlager und Geschäftshäuser. "Wir haben Probleme, schweres Gerät einzusetzen, da viele Zufahrtsstraßen zerstört wurden", sagte Rampangilei. Auch Kommunikationsverbindungen sind beschädigt, weshalb es noch Tage dauern könnte, bis das genaue Ausmaß der Katastrophe klar wird.

In Palu wurden unter anderem ein Einkaufszentrum und eine Moschee schwer beschädigt. Zudem stürzte eine 250 Meter lange Brücke ein. Der Flughafen der Stadt ist wegen Schäden auf der Landebahn gesperrt. Nur Hubschrauber dürfen landen.

Das Zentrum des zweiten Erdbebens lag in rund zehn Kilometern Tiefe, etwa 80 Kilometer nördlich von Palu. Indonesien ist mit mehr als 260 Millionen Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Staaten und liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einer geologisch sehr aktiven Zone. Dort bebt die Erde immer wieder.

Am zweiten Weihnachtstag 2004 hatte ein Erdbeben vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra einen Tsunami ausgelöst, in dessen Folge in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen starben.

fdi/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.