Indonesien Mehr als 2000 Menschen sterben bei Erdbeben

Ein schweres Erdbeben hat am Morgen die indonesische Insel Java erschüttert. Stunde um Stunde steigen die Opferzahlen: Bei den Erdstößen südlich der bei Touristen beliebten Stadt Yogyakarta sind jüngsten Regierungsangaben zufolge mindestens 2500 Menschen getötet und mehr als 3000 verletzt worden.


Yogyakarta - "Die meisten haben Kopfverletzungen", sagte ein Mitarbeiter des Bethesda-Krankenhauses in Yogyakarta der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Opferzahlen werden noch steigen", warnte er. Bei jedem Nachbeben liefen die Mitarbeiter aus dem Gebäude. Einige Patienten seien zur Sicherheit ins Freie verlegt worden. Die Krankenhäuser seien angesichts des Ansturms von Verletzten völlig überfordert. Es könnten nicht alle sofort behandelt werden, hieß es. Teilweise würden von herabfallenden Trümmern getroffene Opfer auf den Böden in den Gängen der Kliniken liegen und auf Hilfe warten.

"Bitte, sagt der Regierung in Jakarta, dass wir dringend Hilfe brauchen", lautete der Notruf aus dem Muhammadiyah-Krankenhaus in der zentralen Stadt Bantul. "Es gibt hier viele Tote, und die Häuser wurden dem Erdboden gleich gemacht. Viele Menschen müssen evakuiert werden." Präsident Susilo Bambang Yodhoyono sandte Soldaten ins Katastrophengebiet, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Mit weiteren Todesopfern wird gerechnet, da viele ländliche Regionen um Yogyakarta herum nicht zu erreichen sind. Daher ist unklar, wie groß das Ausmaß der Katastrophe ist.

"Ich war gerade auf meinem Morgenspaziergang, als plötzlich alles unter mir wankte", berichtete ein Bewohner von Yogyakarta. "Die Leute liefen aus ihren Häusern und schrien: 'Erdbeben!'" Telefon- und Stromleitungen waren vielerorts unterbrochen, Straßen übersät mit Trümmern, Häuser eingestürzt.

Panik vor einer Flutwelle wie Weihnachten 2004

Bei den Anwohnern der Region brach Panik vor einer erneuten Flutwelle wie zu Weihnachten 2004 aus. Tausende Küstenbewohner flüchteten in höher gelegene Gebiete. Der Flughafen der 500.000-Einwohner-Stadt wurde geschlossen und die Straßen zur Küste gesperrt, sagte Informationsminister Hatta Rajasa im Hörfunk. Es würden dringend Ärzte und weiteres Krankenhausperson benötigt.

Das Epizentrum des Bebens lag Behördenangaben zufolge nur rund 37 Kilometer südlich der Großstadt im Meer. Das Beben löste aber keinen Tsunami aus. Zahlreiche Häuser und Regierungsgebäude stürzten jedoch ein. US-Erdbebenforscher gaben 6,2 als Stärke des Bebens an. Ihre indonesischen Kollegen sprachen dagegen von 5,9.

Unweit von Yogyakarta befindet sich auch der Vulkan Merapi, der in den vergangenen Wochen kurz vor einem Ausbruch stand. Vulkanologen erklärten, das Beben sei nicht durch den Vulkan ausgelöst worden. Jedoch könne es seinerseits die Aktivität von Merapi verstärken.

rüd/Reuters/AFP



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