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Ingeborg Villwock, 92

aus DER SPIEGEL 19/2022
Foto: Dmitrij Leltschuk / laif

Einmal im Monat kam sie zum SPIEGEL, zum letzten Mal kurz nach Ostern. Die Verabredungen in der Kantine waren ein Ritual, durch das Ingeborg Villwock dem Magazin verbunden blieb, das ihr Bruder Rudolf Augstein 1947 gegründet hatte. Hinzu kam ihre Arbeit im Kuratorium der Rudolf Augstein Stiftung. Villwock war die Jüngste von sieben Geschwistern und die Letzte, die noch lebte. Eine ihrer ersten Reisen bestritt sie als junge Frau mit Augsteins Fahrrad, von München fuhr sie bis Sizilien. Villwock promovierte am Botanischen Institut der Universität Hamburg über Flechten, sie arbeitete als Lehrerin, betreute für den HB-Verlag das Natur­magazin »Draußen« und konzipierte Ausstellungen über Wale und Bäume. Außerdem unterstützte sie die Forschung ihres Mannes, eines Zoologieprofessors. So flog sie nach Kairo, um Eierlegende Zahnkarpfen aus dem Nil zu fischen. Mit dem SPIEGEL sprach sie Ende vergangenen Jahres erstmals offen über ihren Bruder. »Über niemand anderen denke ich so oft nach wie über Rudolf« , bekannte sie. Villwocks Blick auf Augstein war schonungslos, aber respektvoll, gepaart mit dem ihr eigenen fröhlichen Sarkasmus. Ihr ältester Bruder Josef sei groß und von strahlendem Auftreten gewesen, sagte sie. »Rudolf war nicht hässlich, aber er war klein und sah eher aus wie ich.« Ingeborg Villwock starb am 4. Mai in Hamburg.

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