Corona-Pandemie in Irland Geschlossener Pub wird zu Wildtierklinik

Wegen der Corona-Pandemie hat der Pub von Familie McCarthy geschlossen. Auf dem Gelände der Kneipe hat nun das erste Wildtierkrankenhaus Irlands eröffnet.
Ein Fuchs wird bereits in der Einrichtung versorgt: In den kommenden Monaten erwarten die Betreiber weitere Tierwaisen

Ein Fuchs wird bereits in der Einrichtung versorgt: In den kommenden Monaten erwarten die Betreiber weitere Tierwaisen

Foto: PAUL FAITH / AFP

Seit zehn Jahren führt Familie McCarthy den Pub Tara Na Rí in der Nähe der irischen Ortschaft Navan. Wegen der Corona-Pandemie dürfen seit Monaten keine Gäste mehr bewirtet werden. Nun wird das Gelände als Krankenhaus für verletzte Wildtiere genutzt.

Die Eigentümerfamilie um James McCarthy hat sich darauf eingestellt, eine neue Art von Gästen aufzunehmen. Derzeit werden bereits drei Schwäne, ein Bussard und ein Fuchs in der Einrichtung versorgt.

Mithilfe der Organisation Wildlife Rehabilitation Ireland (WRI) wurde der Pub im Nordosten Irlands zur ersten Klinik für Wildtiere im Land erklärt. In den vergangenen Monaten hat WRI irischen Medien  zufolge die Ställe im hinteren Teil des Pubs umgebaut, um dort künftig Tiere, darunter auch Vögel, aufnehmen zu können. Zudem sei eine Intensivstation für kranke und verletzte Wildtiere eingerichtet worden.

Von der winzigen Maus bis zum Seehund

»Wir werden hier alle einheimischen irischen Wildtierarten versorgen. Das könnte bedeuten, dass alles behandelt wird, von einer winzigen Maus bis zu einem Seehund, einem Dachs oder einem Schwan«, sagte der Manager der Klinik, Dan Donoher, dem irischen Rundfunk RTE.

Derzeit bereiten sich die Verantwortlichen auf die anstrengendste Phase des Jahres vor. Sie rechnen damit, dass im Frühjahr viele Tierwaisen zu ihnen gebracht werden. »Wir werden viele kleine Vogel- und Fuchskinder aufnehmen, die uns dann sechs Monate lang beschäftigen werden«, sagte Donoher.

Und auch jetzt haben die Betreiber der Tierklinik schon einiges zu tun. Die Ziege Liam muss ihre Flasche bekommen, der Bussard braucht Zuwendung. Unterdessen richten sich die Schwäne in alten Stallungen ein Nest ein.

Pub Tara Na Rí nahe Navan: Seit fast einem Jahr ist die Kneipe wegen der Corona-Pandemie geschlossen

Pub Tara Na Rí nahe Navan: Seit fast einem Jahr ist die Kneipe wegen der Corona-Pandemie geschlossen

Foto: PAUL FAITH / AFP

Familie McCarthy zeigt sich begeistert von der neuen Tierklinik auf ihrem Gelände. Als ihr gewohntes Pub-Leben wegen der Pandemie verschwunden sei, habe sich eine Leere eingestellt, sagt James McCarthy. Es habe eine gewisse Zeit gebraucht, diese Leere wieder zu füllen.

»Wir haben am 13. März vergangenen Jahres die Türen zum Pub geschlossen. Als wir hörten, dass die WRI nach einem Standort für die kommende Frühjahressaison suchte, waren wir von ihrer Energie und ihrem Einfallsreichtum absolut beeindruckt«, wird er in irischen Medien zitiert. Die Familie habe daraufhin ihre Räumlichkeiten angeboten.

In der Pandemie müssen mehr Wildtiere versorgt werden

Das Projekt hat der Familie zufolge viele positive Rückmeldungen erhalten. Viele Menschen hätten ihre Hilfe bei den Umbauarbeiten angeboten, auch Tierfutter sei gespendet worden.

Laut WRI hat die Zahl der Wildtiere, die versorgt werden müssen, in der Pandemie zugenommen. Die Organisation erklärt sich das Berichten zufolge vor allem damit, dass der Lockdown die Iren vermehrt zu Ausflügen in die Natur angetrieben habe.

»Ich glaube, dass vielen Menschen da zum ersten Mal bewusst geworden ist, dass es in Irland Tiere gibt«, sagte WRI-Mitarbeiterin Aoife McPartlin irischen Medien zufolge. »Anschließend begannen sie, Tiere zu retten.« Die Wildtierklinik bei Navan sei nun eine Antwort auf die Frage, wo die geretteten Tiere versorgt werden sollen.

asc/AFP
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