Tod einer Schwangeren Irland streitet über Abtreibungsgesetz

Der Tod der Inderin Savita Halappanawar in einem irischen Krankenhaus hat eine emotionale Debatte in dem katholischen Land ausgelöst: Die junge Frau starb, nachdem Ärzte eine Abtreibung verweigert hatten. Nun streitet die Regierung um die Aufhebung des Verbots.
Protest in Galway: Diese Frau demonstriert nach dem Tod einer jungen Inderin in Irland

Protest in Galway: Diese Frau demonstriert nach dem Tod einer jungen Inderin in Irland

Foto: CATHAL MCNAUGHTON/ REUTERS

Als die Rückenschmerzen unerträglich wurden, ließ Savita Halappanawar sich ins Krankenhaus bringen. Die in Irland lebende Inderin war in der 18. Woche schwanger. Im University Hospital Galway wurde ihr gesagt, dass sie wahrscheinlich eine Fehlgeburt erleiden würde. Sie wurde auf die Intensivstation eingewiesen. Als sich ihr Zustand von Tag zu Tag verschlechterte, bat die 31-Jährige die Ärzte, den Fötus aus ihrem Bauch zu entfernen.

Doch die Ärzte lehnten ab. Erst müsse das Herz des Ungeborenen aufhören zu schlagen, bevor sie ihn aus dem Bauch holen könnten, sollen sie gesagt haben. "Dies ist ein katholisches Land."

So erzählt Savitas Mann Praveen Halappanawar, 34, die Geschichte. Er war im Krankenhaus an der Seite seiner Frau und musste miterleben, wie sie langsam starb. Erst drei Tage nach der Einlieferung wurde der Fötus entfernt. Da war es schon zu spät. Savita hatte eine Blutvergiftung, vier Tage später war sie tot.

Der Tod der jungen Frau sorgt nun für eine emotionale Debatte in Irland. Abtreibungsbefürworter fordern die Regierung auf, endlich das Abtreibungsverbot in dem katholischen Land aufzuheben und einen klaren Rechtsrahmen zu schaffen. Die starke Fraktion der Abtreibungsgegner hingegen warnt vor überstürzten Schlüssen.

Die Regierung ist gespalten

Der Witwer sagte dem "Irish Independent", die ganze Familie in der südindischen Stadt Belgaum sei fassungslos, wie so etwas in einem irischen Krankenhaus passieren könne. "Wir hatten gedacht, Irland sei ein guter Ort, um ein Baby zu bekommen", sagte der Ingenieur, der in Galway bei der Firma Boston Scientific arbeitet. Er werde nun mit aller Kraft für eine Änderung der Gesetze kämpfen.

Die Regierung ist gespalten. Die Labour-Partei, Juniorpartner in der Großen Koalition von Premierminister Enda Kenny, fordert ein Abtreibungsgesetz. Doch in der konservativen Fine Gael gibt es großen Widerstand. Man solle nun nichts überstürzen, sagte Gesundheitsminister James Reilly. Erst müsse der Vorgang untersucht werden.

Verteidiger des Status Quo argumentieren, dass es irischen Ärzten schon jetzt erlaubt sei, ein Baby abzutreiben, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Im Fall Halappanawar haben die Ärzte demnach das Risiko einfach falsch eingeschätzt - ein Kunstfehler, wie er überall passieren kann.

Es gebe keinen Grund für die Empörung über irische Abtreibungsregeln, so Kommentator David Quinn im "Irish Independent". Der Eindruck, schwangere Frauen seien in Irland nicht sicher, sei falsch. Das Land habe im Gegenteil eine der niedrigsten Müttersterblichkeitsraten weltweit.

Ähnlich argumentierte die Hebamme Fionnuala McAuliffe. Irische Krankenhäuser würden im Fall der Lebensgefahr für die Mutter eine Frühgeburt einleiten und in Kauf nehmen, dass der Fötus dabei stirbt, sagte sie der Zeitung.

Tatsächlich ist unklar, ob Halappanawar durch eine frühere Intervention gerettet worden wäre. Medizin sei keine exakte Wissenschaft, gab die "Irish Times" zu bedenken.

Abtreibung ist in Irland immer noch ein Tabu

Doch rückt der Tod der jungen Inderin ein altes Problem wieder ins Rampenlicht: Schwangerschaftsabbruch ist in Irland immer noch ein Tabu. Ein Verfassungszusatz von 1983 hält fest, dass der Embryo vom Zeitpunkt seiner Zeugung an ein irischer Bürger mit allen Rechten ist. Schwangere Irinnen müssen ins benachbarte Großbritannien reisen, um abzutreiben.

2009 klagten drei Frauen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen das irische Abtreibungsverbot. Das Gericht gab ihnen Recht und trug der irischen Regierung auf, ein Gesetz zu verabschieden, in dem die Bedingungen für eine Abtreibung rechtlich festgelegt sind.

Die vergangene und die amtierende Regierung haben das Thema jedoch vor sich hergeschoben. Premier Kenny wurde mit den Worten zitiert, ein Abtreibungsgesetz habe "keine Priorität". Eine Arbeitsgruppe wurde damit beauftragt, Empfehlungen auszuarbeiten. Doch der Bericht der Experten liegt bis heute nicht vor.

Die Verdruckstheit im Umgang mit dem heiklen Thema sorgt für breiten Unmut. In Dublin protestierten am Mittwochabend 2000 Demonstranten vor dem irischen Parlament gegen die "politische Feigheit". Irland müsse sich endlich wie ein "erwachsener Staat" verhalten, sagte Peter Boylan vom Institut für Gynäkologen und Geburtshelfer.

Der Widerstand gegen die Abtreibung ist weiterhin groß, besonders im ländlichen Irland. Doch die Chancen für einen Gesetzesvorstoß scheinen besser denn je. Die Katholische Kirche ist seit den Kindesmissbrauchsskandalen diskreditiert und hat viel von ihrer Autorität eingebüßt. Der gläubige Katholik Kenny müsste nur über seinen Schatten springen und die Auseinandersetzung mit seiner Partei wagen.

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