Eherecht in Indien Oberstes Gericht verbietet islamische Sofortscheidung

"Talak, Talak, Talak" - nach einer muslimischen Tradition genügt Männern das dreimalige Aussprechen des Wortes "Verstoßung" für eine Scheidung. Indiens Oberstes Gericht hat der Praxis nun ein Ende gesetzt.

Aktivistinnen demonstrieren gegen "Triple Talak" (Mai 2017)
AP

Aktivistinnen demonstrieren gegen "Triple Talak" (Mai 2017)


Indiens Oberster Gerichtshof hat die islamische Scheidung durch das Verstoßen der Frau verboten. Eine Ehe zwischen Muslimen galt in Indien bisher als geschieden, wenn der Mann dreimal innerhalb kurzer Zeit das Wort "Talak" (Verstoßung) aussprach.

Das Gericht in Neu-Delhi habe diese "Triple Talak" oder auch "Sofortscheidung" genannte Praxis mit einer 3:2-Mehrheit für verfassungswidrig erklärt, weil sie das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz verletze. Das teilte Zakia Soman von der muslimischen Frauenorganisation "Bharatiya Muslim Mahila Andolan", die zu den Klägern gehörte, vor Reportern mit. Premierminister Narendra Modi twitterte, die Entscheidung sei "historisch".

Muslime machen etwa 14 Prozent der rund 1,3 Milliarden Einwohner Indiens aus. Für sie gilt ein eigenes religiöses Personenrecht. Das Gremium, das über die Einhaltung dieser Gesetze wacht, das "All India Muslim Personal Law Board", hatte sich gegen ein Verbot des umstrittenen Scheidungsbrauchs ausgesprochen. Es handle sich um eine religiöse Angelegenheit, für die das Gericht nicht zuständig sei.

Die für den Fall zuständigen fünf Richter - ein Hindu, ein Christ, ein Muslim, ein Sikh und ein Zoroastrier - entschieden allerdings Medienberichten zufolge mehrheitlich, dass "Triple Talak" auch gegen die Lehre des Korans verstoße. Indien, offiziell ein säkulares Land, erlaubt religiösen Institutionen ein Entscheidungsrecht in Fragen, die sich um Heirat und Scheidung drehen.

Indische Medien sprachen von einem großen Sieg für die Geschlechtergleichheit. Muslimische Männer haben in Indien ihre Ehefrauen in den vergangenen Jahren durch dreimaliges Aussprechen von "Talak" etwa per Telefon, E-Mail oder SMS verstoßen. In vielen mehrheitlich muslimischen Ländern gibt es diesen Brauch nicht.

asa/dpa/AFP



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