Island Polizei erschießt aus Grönland verirrten Eisbären

Seinen Ausflug nach Island hat ein junger Eisbär mit dem Leben bezahlt. Das Tier hatte sich offenbar vom rund 500 Kilometer entfernten Grönland dorthin verirrt und wurde dann von der isländischen Polizei erschossen - aus mehreren Gründen.

Im Juni 2008 hatte sich schon mal ein Bär nach Island verirrt: "Der nicht sterben soll"
AP / Morgenbladid

Im Juni 2008 hatte sich schon mal ein Bär nach Island verirrt: "Der nicht sterben soll"


Reykjavik - Erstmals wurde der Eisbär am Mittwochmittag in der Nähe des Distelfjords, Thistilfjordur, im Nordosten von Island gesehen. Anwohner riefen die Polizei. Im einsetzenden Schneetreiben verschwand das Tier jedoch, wie die "Iceland Review" berichtet. Am späten Nachmittag wurde der Bär dann in der Nähe eines Bauernhofes gesehen und von Scharfschützen der Polizei erschossen.

Ein Sprecher der Umweltbehörde sagte am Donnerstag dem Rundfunksender RUV, es habe wegen der schwierigen Wetterbedingungen keine Möglichkeiten gegeben, das Tier lebend einzufangen.

Es sei zwar sehr klein gewesen, aber es sei immer gefährlich, wenn sich ein solches Tier verirrt, sagte Polizeisprecher Jón Stefánsson dem Blatt: "Dann hat das Tier Angst, und wenn es Angst hat, ist es noch gefährlicher."

Da der Bär noch sehr jung war, befürchten die Behörden, dass auch das Muttertier in der Nähe ist, und suchen nun aus der Luft die Küstenlinie ab. Anwohner wurden zur Vorsicht aufgerufen.

Heutzutage kommt es nicht häufig vor, dass sich Eisbären nach Island verirren. Zuletzt hatten 2008 im Abstand von wenigen Wochen zwei Eisbären schwimmend und auf Treibeis aus Grönland die Nordatlantikinsel erreicht. Der erste Bär wurde sofort erschossen. Dem zweiten Ankömmling halfen auch weder der ihm von Medien gegebene Name Ófeig ("Der nicht sterben soll") noch Sponsorgelder eines reichen Isländers oder die Fangkünste eines eigens eingeflogenen dänischen Eisbärexperten. Als das in Panik geratene Tier auf eine Meute von Reportern und Fotografen losstürmte, fielen tödliche Schüsse von isländischen Scharfschützen.

Damals richtete das isländische Umweltministerium eine Arbeitsgruppe ein, die prüfen sollte, wie künftig mit gestrandeten Eisbären umgegangen werden sollte. Diese entschied laut "Iceland Review", die Tiere müssten aus drei Gründen erschossen werden: Erstens seien sie gefährlich, zweitens seien sie nicht vom Aussterben bedroht und drittens sei es zu teuer, sie lebend zu fangen und nach Grönland zurückzubringen.

Tierschützer hatten damals verlangt, Eisbären sollten lebend in ihr natürliches Lebensgebiet in der Arktis zurückgebracht werden. Der Bestand der riesigen und für Menschen extrem gefährlichen Raubtiere ist aufgrund des Klimawandels immer stärker gefährdet. Sie stehen aber nicht auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere.

siu/dpa



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