Israel Soldaten wollen Sperma einfrieren lassen
Hamburg - Mehrere hundert Soldaten, hauptsächlich Reservisten, haben sich seit Beginn der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah vor vier Wochen bei der Menschenrechtsorganisation "New Family" erkundigt, wie und wo sie ihre Samenflüssigkeit einfrieren lassen können. Auf diese Weise wollen sie ihren Frauen und Freundinnen ermöglichen, Kinder zu bekommen, gesetzt den Fall sie würden im Kampf getötet, sagt die Präsidentin der Organisation Irit Rosenblum zu SPIEGEL ONLINE. Möglich sei das in den 13 Samenbanken des Landes. Eigentlich.
Doch bislang erlaubt das israelische Gesetz nur verheirateten Männern, Sperma unter dem eigenen Namen zu konservieren. Ledige beziehungsweise sehr junge Männer haben das Nachsehen. Sie können ihre Spenden allenfalls anonym abgeben und wissen nicht, welche Frauen später Kinder von ihnen bekommen. "Ihre Freundinnen haben keine Chance an das Sperma zu kommen", sagt Rosenblum.
Genau dafür kämpft die Anwältin. Sie hat eine Gesetzesvorlage in die Knesset eingebracht. Diese beinhaltet zwei Forderungen: Zum einen sollen alle Männer - gleich ob sie verheiratet sind oder nicht - Sperma unter ihrem Namen bis zu fünf Jahre einfrieren dürfen. Zum anderen sollen sie ihr Einverständnis geben dürfen, dass auch nach ihrem Tod Sperma entnommen und eingefroren wird, zumindest dann, wenn die Angehörigen das wünschen. Wann das Parlament eine Entscheidung trifft, ist unklar. "Bislang hat die Knesset noch nicht einmal über die Vorlage diskutiert", klagt Rosenblum.
Neben der Gesetzesinitiative hat "New Family" seit Jahren ein Verfahren gegen den israelischen Staat laufen. Hintergrund ist der Fall einer Familie, die nach dem Tod des Sohnes 2002 gefordert hatte, dessen Sperma zu konservieren. "Wir haben eine Frau gefunden, die sich bereit erklärt hat, sein Kind auszutragen", so Rosenblum. "Ich denke, wir werden diesen Präzedenzfall gewinnen." Eine Entscheidung werde voraussichtlich im Herbst fallen.
Der Trend Sperma einzufrieren, kommt aus den USA. Vor dem Einsatz am Golf ließen dort zahlreiche Soldaten ihre Samenflüssigkeit konservieren.
aki