Schwere Vorwürfe Italienischer Arzt soll Corona-Patienten getötet haben

In Norditalien soll ein Arzt zu Beginn der Pandemie zwei Menschen per Injektion getötet haben – angeblich, um Betten im überfüllten Spital freizubekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen vorsätzlicher Tötung.
Corona-Station in einem Krankenhaus nahe Brescia zu Beginn der Pandemie im März 2020

Corona-Station in einem Krankenhaus nahe Brescia zu Beginn der Pandemie im März 2020

Foto: FILIPPO VENEZIA/EPA-EFE/Shutterstock

In Norditalien ist ein Mediziner festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, weil er zwei Corona-Patienten getötet haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, den Kranken im März, während der ersten Corona-Welle in Italien, vorsätzlich einen Muskelblocker verabreicht zu haben, der zum Tod der beiden geführt habe, teilte die Polizei mit.

Carlo M. aus der Notaufnahme eines Krankenhauses nahe Brescia wird laut »Corriere della sera « vorgeworfen, er habe die tödlichen Arzneien an Corona-Patienten verabreicht, um Platz für Neuzugänge zu schaffen.

Die Zeitung zitiert aus WhatsApp-Botschaften zweier Angestellter des Krankenhauses, die den Ermittlern vorliegen. »Ich bringe doch niemanden um, nur weil er Betten freibekommen will«, schreibt einer von ihnen. »Ich mach das nicht, das ist verrückt«, bekräftigt sein Kollege.

Auch die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, der Arzt habe Betten und Kapazitäten beim Krankenhauspersonal freibekommen wollen. Die Ermittler hatten laut eigenen Angaben einige Wochen später den Hinweis erhalten, dass der Tod der beiden Patienten herbeigeführt worden sei.

In der Folge exhumierten Experten die Leichen der Verstorbenen, um sie zu untersuchen, und wiesen das Anästhetikum nach. In der Regel wird es verwendet, wenn Patienten intubiert werden, um sie zu sedieren. Es kann aber bei falscher Dosierung zum Tod führen. Am Montag stellte die Polizei den Mann unter Hausarrest, am Freitag soll er laut Ansa angehört werden.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen M. stellten sich aber auch Kollegen hinter den Arzt. Die Situation damals sei dramatisch gewesen, viele Patienten seien erst sehr spät mit schwersten Covid-19-Symptomen ins Krankenhaus gekommen. »Wir sind sicher, dass er die Medikamente an Patienten verabreicht hat, die nicht mehr länger als eine Stunde gelebt hätten«, zitiert der »Corriere della sera« einen Arzt aus dem Spital. »Er hat wie ein Irrer gearbeitet. Warum hätte er jemanden umbringen wollen?«

Das betroffene Krankenhaus liegt in der Lombardei, einer Region, die im März besonders hart von der Pandemie betroffen war. In Italien starben seit dem Beginn der Pandemie mehr als 86.000 Menschen mit Sars-CoV-2. Die Behörden registrierten bislang mehr als 2,485 Millionen Corona-Infektionen. Am Dienstag wurden rund 10.600 Neuinfektionen verzeichnet und etwa 540 Corona-Tote.

ala/dpa