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Italien Flüchtlingsboot kurz vor Rettung gesunken - viele Tote

Wenige Seemeilen vor der italienischen Insel Lampedusa sind mindestens zehn Menschen ertrunken. Das überfüllte Flüchtlingsboot kenterte, als die rund 120 Passagiere alle auf eine Seite gingen, weil sie ein Militärschiff entdeckt hatten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lampedusa - Beim Untergang des etwa zehn Meter langen Boots nahe Lampedusa ertranken zahlreiche Passagiere. Wie die italienischen Behörden am Samstag berichteten, wurden bisher zehn Leichen geborgen. Die Zahl der Toten könnte noch deutlich steigen. Über 70 Menschen konnten von italienischen Militärs und der Küstenwache gerettet werden. An der Suche nach weiteren Überlebenden beteiligten sich Militär- und Handelsschiffe sowie Hubschrauber der italienischen Streitkräfte.

Das Unglück ereignete sich den Angaben zufolge am Samstagmorgen um 3.30 Uhr rund zehn Seemeilen vor der Küste. Laut Küstenwache hatte die italienische Marine das Boot bereits vor dem Unglück wenige Seemeilen südlich der Insel entdeckt und war ihm mit einem Schiff gefolgt. Ein Überlebender berichtete nach Angaben des italienischen Fernsehens: "Wir haben das Militärschiff gesehen, dann sind wir alle auf eine Seite unseres Bootes gegangen, und es ging unter."

Während zunächst lediglich von etwa 100 Passagieren die Rede war, berichtete ein Überlebender: "Wir waren 120 Leute an Bord." Die Küstenwache ging am späten Vormittag davon aus, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen aus dem Boot vermisst werden. "Die Zahlen sind in solchen Fällen nie präzise, aber wenn die Angaben der Flüchtlinge auch nur annähernd stimmen, dann dürften es nach dem gegenwärtigem Stand der Dinge noch so viele sein", sagte der Offizier Cristiano Aliperta.

"Nicht nur eine Tragödie, auch ein Verbrechen"

Lampedusa liegt südlich von Sizilien auf einer der meistbefahrenen Routen afrikanischer Flüchtlinge nach Europa. Vor allem in den Sommermonaten kommen Tausende Afrikaner, die illegal in Italien einwandern wollen. Immer wieder ertrinken Passagiere, andere verdursten auf der tagelangen Überfahrt.

Innenminister Giuliano Amato rief zum verstärkten Kampf gegen die Schlepperbanden auf: "Dies war nicht nur eine Tragödie, sondern auch ein Verbrechen." Wenn diese Verbrechen nicht bestraft werden, würden sie sich ständig wiederholen, warnte der Politiker. Italien sowie Spanien, wo ebenfalls Tausende von illegalen Einwanderern aus Afrika landen, rufen die anderen europäischen Länder seit langem zur Hilfe gegen die Migrationswelle über das Mittelmeer auf.

Unterdessen ist vor Teneriffa ein Hubschrauber der spanischen Küstenwache, der bei den Kanarischen Inseln Flüchtlingsboote aufspüren sollte, ins Meer gestürzt. Die zwei Besatzungsmitglieder konnten unverletzt geborgen werden.

jol/dpa/AP