An nur einem Tag Mehr als 4200 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet

Rettungskräfte haben Tausende Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet, 17 starben bei der Überfahrt. Papst Franziskus erneuerte seine Kritik an der EU-Einwanderungspolitik: Die Migranten sterben zu lassen, sei ein "Attentat auf das Leben".

Bundeswehr

Die Rettungskräfte im Mittelmeer sind derzeit im Dauereinsatz. Die deutsche Fregatte "Hessen" sowie Einsatzkräfte aus Italien und anderen Ländern haben an nur einem Tag 4243 Flüchtlinge aus Seenot gerettet.

Die Fregatte "Hessen" nahm am Freitag 880 Menschen an Bord, unter ihnen 118 Frauen und 27 Kinder. Die Flüchtlinge seien von Schlauchbooten gerettet worden, von denen einige bereits zu sinken drohten, teilte die Bundeswehr via Twitter mit. Die Schiffbrüchigen wurden an Bord der Fregatte genommen, wo sie medizinisch versorgt und betreut wurden. Sie sollen nun in einen italienischen Hafen gebracht und den Behörden übergeben werden.

Laut italienischer Küstenwache waren neben der Bundeswehr auch Schiffe aus Irland, die italienische Küstenwache, Marine und Finanzpolizei sowie Rettungskräfte der EU-Grenzschutzmissionen "Triton" und einige Handelsschiffe beteiligt. Die geretteten Menschen waren auf insgesamt neun Schiffen und 13 Schlauchbooten auf dem Weg über das Mittelmeer, als sie in Seenot gerieten. Bei der Küstenwache gingen mehrere Hilferufe über Satellitentelefone ein.

Geretteter Bootsflüchtling wird auf der "Hessen" in Empfang genommen
Bundeswehr

Geretteter Bootsflüchtling wird auf der "Hessen" in Empfang genommen

Allerdings entdeckten die Retter der italienischen Küstenwache zufolge auch die Leichen von 17 Migranten, die versucht hatten, in einem Schlauchboot die italienischen Hoheitsgewässer zu erreichen. Woran die Menschen gestorben sind, war zunächst unklar.

Es handelt sich um einen der bislang größten Rettungseinsätze in diesem Jahr. Anfang Mai hatten die italienische und griechische Küstenwache in wenigen Stunden mehr als 4200 Menschen gerettet.

Papst nennt Tod von Migranten einen "Angriff auf das Leben"

Papst Franziskus hat den Tod von Migranten im Mittelmeer angeprangert. "Es ist ein Angriff auf das Leben, unsere Brüder auf den Booten im Kanal von Sizilien sterben zu lassen", sagte der 78-Jährige. Er stellte dieses Vergehen in eine Reihe mit Abtreibung und Sterbehilfe.

"Eine richtige Gesellschaft erkennt das Recht auf Leben als vorrangig an, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende", sagte der Argentinier bei einer Audienz für Mitglieder der "Vereinigung Wissenschaft und Leben". Das Leben sei ein Geschenk und die Gesellschaft müsse über ihren Umgang damit nachdenken.

Der Vorsitzende des kirchlichen Rates für Flüchtlinge, Kardinal Antonio Maria Vegliò, stand dem Pontifex zur Seite und kritisierte die Verteilung der Migranten nach Quoten in der EU. "Europa hat nie einen Plan gehabt. Jetzt haben sie die Quote für Flüchtlinge eingeführt und ich finde diese Entscheidung wenig menschlich und wenig christlich." Die Migration sei eine Realität, die es immer gegeben habe und immer geben werde. "Solange es Armut und Kriege gibt, wird sich nichts ändern."

SPIEGEL ONLINE

ala/dpa



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