Coronavirus Italien weitet "rote Zone" auf das ganze Land aus

Bisher war es nur in einzelnen Regionen zum Stillstand gekommen - nun kündigte die Regierung in Rom an, die Sperrmaßnahmen auf ganz Italien auszuweiten und die Reise- und Versammlungsfreiheit einzuschränken.
An der Grenze Italiens zur Schweiz staut es sich

An der Grenze Italiens zur Schweiz staut es sich

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DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Die italienische Regierung weitet die Sperrmaßnahmen wegen der Coronavirus-Epidemie auf das ganze Land aus. Das teilte Premierminister Giuseppe Conte mit. "Es wird keine rote Zonen mehr geben (...). Es wird eine einzige Schutzzone Italien geben", sagte Conte. Demnach gelten die Maßnahmen ab Dienstag für alle Regionen in Italien.

Conte sagte in seinem Statement, dass es Reisebeschränkungen im ganzen Land geben und die Schließung von Schulen und Universitäten landesweit bis zum 3. April verlängert werde. Auch Sportevents wie Fußballspiele werden ausgesetzt, damit wird auch die italienische Serie A vorerst ihren Spielbetrieb einstellen. Es gebe keine Zeit zu verlieren, sagte Conte.

Der Regierungschef kündigte zudem ein Versammlungsverbot an, das durch ein Dekret in Kraft gesetzt werden soll. Conte rief seine Landsleute auf, zu Hause zu bleiben, sofern sie nicht zur Arbeit müssen oder dringende Angelegenheiten zu erledigen haben. Der öffentliche Verkehr soll aber in Betrieb bleiben, sagte Conte.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

"Unsere Gewohnheiten müssen sich ändern, wir müssen alle etwas aufgeben zum Wohl Italiens", sagte Conte. Internationale Zug- und Flugverbindungen sowie der öffentliche Nahverkehr sollen nicht ausgesetzt werden. Dennoch sind rund 60 Millionen Menschen von den Maßnahmen betroffen.

Das Land kämpft gegen eine rapide steigende Zahl von Infizierten und Toten durch die Covid-19-Lungenkrankheit. Italien hat nach China die höchste Zahl nachgewiesener Todesopfer der Lungenkrankheit Covid-19. Mittlerweile haben sich fast 10.000 Menschen angesteckt, mehr als 460 sind gestorben.

Unklar, inwiefern die Regelung Touristen betrifft

Am Wochenende hatte die Regierung die Lombardei und andere Gegenden in Norditalien zu Sperrzonen erklärt. Man dürfe sie nur aus "ernsten und unvermeidlichen" Anlässen betreten oder verlassen, etwa zum Zwecke der Arbeit oder aus familiären Gründen, hieß es. Einer der Gründe der Ausweitung der Regelung dürfte auch sein, dass viele Menschen aus den Sperrgebieten im Norden vor Beginn der Kontrollen in den bisher weniger betroffenen Süden geflohen waren.

Unklar ist noch, inwiefern die neue Regelung auch Ausländer in Italien und die verbliebenen Touristen betrifft. Bisher konnten Touristen auch aus den Sperrzonen im Norden ausreisen, jedoch hatten Fluglinien ihre Verbindungen dorthin gekürzt oder ganz ausgesetzt. An den Grenzen sollen Einreisende nach Italien kontrolliert werden.

Tunesien kündigte an, alle Flüge und Schifffahrtsverbindungen nach Italien mit Ausnahme Roms einzustellen. Das nordafrikanische Land bestätigte am Montag, dass sich drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Insgesamt liegt die Zahl der Betroffenen in Tunesien bei fünf, vier davon waren unmittelbar zuvor aus Italien eingereist.

hba/dpa/AFP/Reuters
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