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Ja gesagt

Nach bewegtem Vorleben findet Prinz Andrew jetzt endlich Ruhe - bei einer Bürgerlichen, dem »ersten halbwegs anständigen Mädchen, das er bis jetzt aufgetan hat«. *
aus DER SPIEGEL 13/1986

Am Dienstag letzter Woche hielt Nigel Lawson, Schatzkanzler Ihrer Britannischen Majestät, seine mit Spannung erwartete Haushaltsrede. Die Regierung werde die Einkommensteuer senken, verkündete er, wovon besonders Verheiratete profitieren würden.

War es Zufall, daß just am nächsten Tag der Berufsoffizier Andrew Windsor-Mountbatten (Jahreseinkommen: 20000 Pfund) und die Verlagsangestellte Sarah Ferguson (Gehalt: 9000 Pfund) ihr Verlöbnis bekanntgaben? Mit dem sinnentleerten Gebrabbel von Verliebten, denen der Blick vernebelt ist für das, was ihnen noch bevorsteht, versicherten sie einander ihrer Zuneigung: Er liebe ihre roten Haare, sie sein gutes Aussehen, ach, man sei füreinander geschaffen.

Übervoll des Glückes, vielleicht auch abgelenkt durch die Fernsehkameras im Garten des Buckingham Palace, schien Prinz Andrew ganz vergessen zu haben, daß er und seine Sarah dank der Großzügigkeit des Schatzkanzlers bald 16 Pfund mehr im Monat verjubeln können.

Auch die Engländer und ihre Presse begaben sich, wie bei solchen Ereignissen üblich, in den Zustand der Euphorie. Tagelang blockierten Anruf«, die Telephonzentrale des Buckingham Palace, gerührt schickten Frauen und Männer aus dem Volk Geschenke, die Zeitungen veröffentlichten Sonderseiten. Farbseiten, Ausziehseiten im Dutzend. »Die Zustimmung war allgemein und ungeteilt«, befand die »Times« in einem Leitartikel, »wir wünschen alles Gute.«

Die fröhliche Kunde kam freilich nicht unerwartet. Schon vor Wochen hatte das Korps der Hofberichterstatter, das berufsgemäß die Grashalme schon unter der Erde wachsen hört, die Verlobung angekündigt - und gebilligt: »Miss Ferguson ist das erste halbwegs anständige Mädchen«, so der »Evening Standard« mit moralinsaurem Unterton »das Andrew bis jetzt aufgetan hat.«

Daß Andrew sich in der Vergangenheit schwertat, seine Gefühle auf nur ein Mitglied des anderen Geschlechtes zu beschränken, hätte ihm Englands Presse noch verziehen. Aber daß er sich vorwiegend mit Mädchen von unstandesgemäßem Abkommen vergnügte, war denn doch zuviel.

Als häufiger Gast in den Londoner In-Diskotheken »Tramps« an der Jermyn Street und »Wedgies« an der King's Road pflegte er für hübsche Mädchen an den Nachbartischen Champagner zu bestellen, hinterher lud er häufig

zum Souper a deux in sein Privatgemach im Palast. Zu den Weibern des lustigen Windsors gehörten unter anderen eine englische Schönheitskönigin, zwei blutjunge Hupfdohlen vom Ballett sowie ein ganzes Schock nubiler Photomodelle.

Mit der Sekretärin Julia Blunt buhlte der Prinz während einer Garden party des Grafen von Yarborough im Gebüsch; alarmiert von sich bewegendem Blattwerk, traten zwei Sicherheitsbeamte in die Hecke - sie erlebten den peinlichsten Augenblick ihrer Karriere.

Kurze Zeit später lernte er die mandeläugige Schauspielerin Kathleen »Koo« Stark kennen, von deren körperlicher Beschaffenheit sich bald die ganze Nation ein Bild machen konnte. Die Nacktrice hatte in einem Soft-Porno mitgewirkt (Textprobe: »Liebe mich, auf der Stelle") - entrüstet sorgten englische Boulevardzeitungen für einen Koo d'eclat und boten gleichzeitig hohe Summen für entsprechende »Enthüllungen«.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre auch die 26jährige Sarah Ferguson (sie ist vier Monate älter als ihr Verlobter) nicht hoffähig gewesen. Zum einen hat sie »Vergangenheit« - zwei, jeweils langjährige, Freunde. Zum anderen ist ihre Familie, die zur »landed gentry«, der landbesitzenden Oberschicht gehört, skandalbefleckt.

Denn dem Major Ronald Ferguson, der heute Polo-Manager von Prinz Charles ist, brannte 1973 die Frau durch, ausgerechnet mit dem in seinen Diensten stehenden argentinischen Berufs-Polospieler Hector Barrantes - was noch kompromittierender war, als wenn sich seine Tochter mit dem Butler auf und davon gemacht hätte (der wäre, in diesen Kreisen, kein Ausländer gewesen).

Als Sarahs Mutter den Polo-Gaucho auch noch ehelichte, war die Schande perfekt. Nun rätseln die Protokollbeamten des Hofes, was sie mit dem Senor Barrantes, immerhin Stiefvater der zukünftigen Prinzessin, bei der für den Sommer geplanten Hochzeit anfangen sollen: Der Marine-Hubschrauberpilot Andrew flog während des Falkland-Konfliktes zahlreiche Einsätze, Argentinien befindet sich immer noch offiziell im Kriegszustand mit Großbritannien, Prinz Philip ist ein enger Freund des gehörnten Ehemanns - »Good Lord«, stöhnte ein Höfling, »welch eine Situation«.

Also machten sich die Genealogen nach Bekanntgabe der Verlobung daran, die Ahnentafel der Fergusons nach hoffähigen Ahnen abzusuchen - und tatsächlich, sie fanden welche, wenn auch tief im Wurzelgeflecht von Sarahs Stammbaum: Die Brautleute, so entdeckten die Ahnenforscher, sind Cousins sechsten Grades.

Der Prinz und die Bürgerliche kennen sich, Folge der Polo-Freundschaft der Väter, schon aus dem Sandkasten. Doch sich mit den Augen der Liebe zu betrachten lernten sie erst letztes Jahr während der Rennen in Ascot - wo Prinzessin Diana ihrer Busenfreundin Sarah gute Kupplerdienste leistete.

Nach und nach entdeckten die zwei zahlreiche Gemeinsamkeiten; so zum Beispiel ihre Vorliebe für sportliche Aktivitäten, ferner die beiden eigene kritische Distanz zu allzu aufdringlichem Intellekt und ihr »großes Interesse an Theater« - wobei sie freilich weniger die verzehrende Leidenschaft für Dramen von Shakespeare oder Strindberg meinen, sondern »Musicals oder Kriminalkomödien«.

Immer tiefer sei die Beziehung geworden, bekannten die beiden während eines TV-Interviews; bis Andrew im Dezember letzten Jahres vor der hold Errötenden auf beide Knie sank und um ihre Sommersprossen-gesprenkelte Hand anhielt. »Ich habe ja gesagt und ihm erklärt, er könne den Antrag am nächsten Morgen zu einem großen Witz erklären.« Doch Andrew, offenbar fest gewillt, sich ins Joch der Ehe zu beugen, vertat die Chance.

Nach der Heirat, so erklärte die zukünftige Prinzessin, wolle sie weiter arbeiten. Doch auch ohne ihren Mitverdienst fände die junge Familie ein Auskommen, Vati muß keinen Penny dazubezahlen: Der Schatzkanzler will Andrews Apanage um ein Beträchtliches erhöhen.

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