Immer größere Population Jagdverband warnt vor mehr Wolfsbegegnungen in Großstädten

Ein Wolf war schon in Köln, ein Rudel lebt kurz vor Berlin: Angesichts der stark wachsenden Wolfspopulation in Deutschland rechnet der Jagdverband damit, dass die Tiere öfter in Städten zu sehen sein werden.
Kommen Wölfe bald öfter in die Großstädte? (Symbolbild)

Kommen Wölfe bald öfter in die Großstädte? (Symbolbild)

Foto: Jens Büttner / dpa

Der Deutsche Jagdverband geht davon aus, dass es künftig regelmäßig zu Wolfssichtungen in Großstädten kommen wird.

Vizepräsident und Wolfsbeauftragter Helmut Dammann-Tamke sagte der »Neuen Osnabrücker Zeitung« : »Es ist nicht so wie in den grimmschen Märchen, dass Wölfe nur durch finstere Wälder streifen. Die gibt es in unserer Kulturlandschaft ohnehin kaum noch.« Angesichts des »exponentiellen Wachstums« der Wolfspopulation hierzulande werde es entsprechende Begegnungen auch in urbanen Zentren geben.

Zuvor hatte das Umweltministerium in Niedersachsen eine mögliche Sichtung von Wölfen in einem Stadtpark in Hannover gemeldet, die mittlerweile aber als »sehr unwahrscheinlich« angesehen wird. In Berlin ist die Ansiedlung eines Wolfsrudels gut 30 Kilometer von der Stadtmitte in der Döberitzer Heide bestätigt. Im Mai wurde ein Wolf in Köln gesichtet.

Dem Wolf mit Toleranz begegnen?

Dammann-Tamke verglich die Situation der Wölfe mit der von Wildschweinen. Die Tiere seien ähnlich intelligent wie Wölfe. Wildschweine seien in Berlin mittlerweile selbst am helllichten Tag zu sehen, weil sie gelernt hätten, dass von Menschen keine Gefahr ausgehe. »Warum sollte dieser Lerneffekt nicht auch beim Wolf eintreten?«, sagte Dammann-Tamke der Zeitung. Der Wolf sei jetzt nicht mehr nur Thema auf dem Land. Die urbane Bevölkerung werde sich die Frage stellen müssen, ob sie dem Raubtier weiterhin mit größtmöglicher Toleranz begegnen wolle und könne.

Es könne niemand garantieren, dass entsprechende Begegnungen mit Wölfen immer friedlich verliefen. Es sei möglich, dass Hunde als Konkurrenten erkannt und angegriffen würden. Mit dieser Sorge müssten nun auch die Menschen in den Städten leben, sagte Dammann-Tamke. In ländlichen Regionen sei dies schon länger so. So wurde zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen 2018 das Wolfsgebiet Schermbeck ausgewiesen. Dort soll zuletzt ein Wolf ein Pony gerissen haben.

Er gehe davon aus, dass die weitere Ausbreitung der Raubtiere die politische Diskussion alsbald verändern werde, sagte Dammann-Tamke. »Wir kommen in Bundesländern mit großen Wolfsbeständen nicht um eine gezielte Bestandsregulierung herum. Nur so lässt sich der Konflikt entschärfen.«

ptz/AFP