Japan Behörden vermissen Hunderte Hundertjährige

In Japan werden rund 200 Menschen vermisst, die mehr als hundert Jahre alt sind. Das ist das Ergebnis einer landesweiten Zählung sämtlicher in Japan registrierter älterer Menschen. Manch einer ist womöglich schon seit Jahrzehnten tot.

Skyline von Tokio: In Japan sind fast 200 Menschen nicht mehr auffindbar, die älter als hundert Jahre sind
DPA

Skyline von Tokio: In Japan sind fast 200 Menschen nicht mehr auffindbar, die älter als hundert Jahre sind


Tokio - Sie gelten nicht offiziell als vermisst, es gibt keine Sterbeurkunde oder sonstigen Unterlagen über ihren Verbleib. Und doch sind in Japan nach Angaben der Behörden landesweit fast 200 über hundert Jahre alte Menschen ganz einfach verschwunden.

Allein in der Stadt Kobe im Westen des Landes sei der Verbleib von 105 der insgesamt 847 Menschen ungeklärt, die über hundert Jahre alt sind, sagte ein Vertreter der Stadt. In Osaka werden derzeit 64 von 857 über Hundertjährigen vermisst.

Die Behörden hatten jüngst eine landesweite Aktion gestartet, um den Verbleib und das Wohlergehen sämtlicher in Japan registrierter Älterer zu klären. Auslöser war der Fund des Skeletts eines vor Jahrzehnten verstorbenen Mannes in Tokio, dem die Stadt eigentlich zu seinem 111. Geburtstag gratulieren wollte. Im Fall des Mannes ermittelt die Polizei derzeit wegen Betrugs, da die Regierung seinen Angehörigen weiterhin die Rente auszahlte.

Japan ist bekannt für seine extrem hohe Lebenserwartung. Im vergangenen September gab es im ganzen Land rund 40.000 Menschen, die mehr als hundert Jahre alt waren.

Zu der Sorge um die älteren Menschen kommt die Befürchtung der Behörden, dass Angehörige das japanische Sozialsystem ausnutzen, um für ihre verstorbenen Familienmitglieder weiterhin Bezüge zu kassieren.

kng/AFP



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