»Bitte sparen Sie!« Japans Regierung warnt vor Stromengpass

Japan leidet unter einer starken Hitzewelle. Wegen des hohen Energieverbrauchs der Klimaanlagen könnte nun der Strom knapp werden. Vor allem in der Region Tokio sollen die Bürger nun sparen.
Skyline von Tokio

Skyline von Tokio

Foto: Everett Kennedy Brown/ dpa

Japan ächzt unter einer Hitzewelle. In der Stadt Isezaki 85 Kilometer nordwestlich von Tokio wurde am Samstag mit mehr als 40 Grad Celsius die höchste Temperatur gemessen, die in Japan jemals im Juni ermittelt wurde.

Bis Sonntagnachmittag wurden in Tokio 46 Menschen mit Verdacht auf Hitzschlag in ein Krankenhaus gebracht, berichtet der öffentlich-rechtliche Sender NHK. In Kawagoe, 20 Kilometer nordwestlich von Tokio, starb ein 94-Jähriger an den Folgen eines Hitzschlags, nachdem er am Samstag bewusstlos in seinem nicht klimatisierten Zimmer aufgefunden worden war.

»Bitte sparen Sie so viel Strom wie möglich«

Japanisches Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie

Die japanische Regierung warnt angesichts der vielerorts rund um die Uhr laufenden Klimaanlagen nun vor einem Stromengpass und ruft die Bürger dazu auf, Energie zu sparen. Vor allem in der Region Tokio müsse der Stromverbrauch am Montag zwischen 15 und 18 Uhr eingeschränkt werden, um Blackouts zu vermeiden.

Klimaanlagen auf 28 Grad einstellen

In Tokio und acht nahe gelegenen Präfekturen im Osten des Landes wird die überschüssige Stromerzeugungskapazität am Montagnachmittag zeitweise auf bis zu 3,7 Prozent sinken, so das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie. Ein Puffer von drei Prozent gilt als Mindestvoraussetzung für eine stabile Energieversorgung.

»Bitte sparen Sie so viel Strom wie möglich, indem Sie etwa nicht genutzte Lampen ausschalten«, hieß es in einer Erklärung. Das Ministerium rief aber auch dazu auf, einen Hitzschlag durch die richtige Nutzung von Klimaanlagen zu vermeiden und diese auf 28 Grad einzustellen.

Seit Jahren leidet Japan immer wieder unter extremer Sommerhitze. Experten warnen schon seit Jahren davor, dass es in Japans Großstädten bald zu heiß zum Leben werden könnte. Schuld sind die Massen an Beton, Stahl und Asphalt, der Schwund an Grün- und Wasserflächen und die Autoabgase.

Die Stromversorgung Japans gilt ohnehin als angespannt, da viele Kernkraftwerke nach dem Tsunami und der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 noch immer abgeschaltet sind. Veraltete Wärmekraftwerke werden zum Teil geschlossen, um die Klimaziele zu erreichen. Außerdem droht dem Land aufgrund des Kriegs in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland ein potenzieller Mangel an fossilen Brennstoffen, einschließlich Flüssiggas.

vet/reuters
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