Japan-Ticker Atombehörde warnt vor radioaktivem Regen

In Lebensmitteln aus Fukushima wurde erhöhte Radioaktivität nachgewiesen, auch das Trinkwasser ist verseucht. In Onagawa, dem Dorf, das der Tsunami völlig zerstörte, suchen Überlebende noch immer nach ihren Angehörigen. Die wichtigsten Ereignisse des Tages im Nachrichtenticker.
Außenminister von Japan, China und Südkorea: AKW-Pakt

Außenminister von Japan, China und Südkorea: AKW-Pakt

Foto: REUTERS/ Kyodo

Eine Zusammenfassung der aktuellen Lage finden Sie hier.

+++Wichtige Hilfsgüter in Japan angekommen+++

[02.59 Uhr] Das Ausland hat Decken und weitere Hilfsgüter für rund 360 000 Erdbeben- und Tsunamiopfer in den Notunterkünften nach Japan geschickt. Wie Kyodo berichtet, trafen Hilfsgüter aus 13 Ländern ein, darunter 25.000 Decken aus Kanada, 30.000 Reispäckchen sowie 230.000 Wasserflaschen aus Südkorea und 500 Stromgeneratoren aus Taiwan. Insgesamt wurden nach Angaben der japanischen Behörden bereits 110.000 Decken aus dem Ausland geschickt. Sie sollen den Flüchtlingen helfen, die Kälte zu überstehen.

+++Regierung und IAEA sprechen von Fortschritten+++

[02.06 Uhr] Die Lage im Kraftwerk Fukushima 1 scheint sich etwas stabilisiert zu haben. Es habe Fortschritte gegeben, doch für Entwarnung sei es noch zu früh, hieß es bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Es könne immer noch etwas Unerwartetes geschehen. Auch Regierungssprecher Edano berichtete, die Lage in den Reaktorblöcken 1, 2 und 3 habe sich stabilisiert.

+++Temperaturen fast auf Normalniveau+++

[01.51 Uhr] Die Temperaturen in den Reaktorblöcken 5 und 6 sind offenbar fast wieder auf normalem Niveau. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Fukushima-Betreiber Tepco.

+++Kühlsystem an Reaktor 6 läuft wieder+++

[01.12 Uhr] Nach Reaktor 3 kümmern sich die Einsatzkräfte nun um Nummer 4. Sie haben begonnen, Wasser auf den schwer beschädigten Reaktor zu spritzen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Demnach wurde das Kühlsystem im Reaktor 6 wieder in Gang gesetzt, sobald die Stromversorgung wiederhergestellt worden war. Anschießend sei die Temperatur in einem überhitzen Kühlbecken gesunken, wie die Agentur unter Berufung auf den Kraftwerksbetreiber Tepco weiter berichtete.

+++Feuerwehrleute beenden Löscheinsatz+++

[22.49 Uhr] Japanische Feuerwehrleute haben nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo nach rund 13 Stunden ihren Einsatz im Krisen-Atomkraftwerk Fukushima Eins beendet. Zuvor hatten sie mit Spezialfahrzeugen Tonnen von Meerwasser auf Reaktor 3 und 4 gesprüht. Inzwischen soll die Temperatur im Kühlbecken von Block 6 gesunken sein.

Am Sonntag soll einer der schwer beschädigten Reaktoren wieder mit Strom versorgt werden. Kraftwerksbetreiber Tepco will versuchen, zunächst Reaktor 2 wieder an die Stromversorgung anzuschließen, meldete Kyodo. Bevor es dazu kommt, sollen die Kühl-Anlagen des Meilers noch überprüft werden.

+++Russland bietet Japan Energielieferungen an+++

[20.08 Uhr] Russland hat angeboten, eigentlich für Europa bestimmtes Flüssiggas nach Japan zu transportieren. Im Gegenzug könne die über Pipelines nach Europa strömende Erdgas-Menge erhöht werden. Ein Sprecher von Ministerpräsident Wladimir Putin sagte, Russland werde das Vorhaben in Kürze mit der Europäischen Union besprechen. Putin erklärte, Japan könne sich an zwei sibirischen Gasfeldern beteiligen. Diese hätten zusammen Gasreserven im Volumen von 3,2 Billionen Kubikmetern, was mehr als dem weltweiten jährlichen Verbrauch entspreche.

+++Japans Atombehörde warnt vor radioaktivem Regen+++

[19.20 Uhr] Im Nordosten Japans werden für Sonntag und Montag Niederschläge erwartet. Deshalb fordert die japanische Atomenergiebehörde die Menschen in der Krisenregion auf, im Haus zu bleiben. Der Regen könnte mit radioaktiven Partikeln versetzt sein. Nur in Notfällen solle man nach draußen gehen und dann Haut und Haare bedecken. Trotz der Warnung bestehe nach Angaben der Behörde besteht keine Gesundheitsgefahr, selbst wenn Menschen dem Regen ausgesetzt seien.

Die Zahl der Tsunami- und Erdbeben-Opfer hat sich weiter erhöht. Nach Polizeiangaben wurden inzwischen 7320 Leichen geborgen. 11.370 Menschen würden noch vermisst, meldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

+++Sechs Fukushima-Arbeiter haben zu viel Strahlung abbekommen+++

[17.21 Uhr] Bei sechs Männer, die am Atomkraftwerk Fukushima einsetzt waren, wurden mehr als 250 Millisievert gemessen, teilte die Nachrichtenagentur Kyodo mit Verweis auf den Kraftwerksbetreiber Tepco mit. Damit lag ihre Strahlenbelastung über dem Grenzwerte. Welche Aufgaben die Arbeiter hatten, sagte das Unternehmen nicht.

Wegen der Katastrophe hatte das Gesundheitsministerium den Grenzwert für Arbeiter an dem zerstörten Kraftwerk von 100 auf 250 Millisievert hochgesetzt. In Deutschland gilt für Menschen, die beruflich etwa in einem Atomkraftwerk Strahlung ausgesetzt sind, ein Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr. Für alle anderen Menschen, die beruflich künstlicher Strahlenbelastung ausgesetzt sind, liegt die erlaubte Jahresdosis bei 1 Millisievert.

+++Japan wägt Lebensmittelstopp aus Fukushima noch ab +++

[17.13 Uhr] Japan erwägt nach Angaben der IAEA, den Verkauf von Lebensmittelprodukten aus der Präfektur Fukushima zu stoppen. Die Uno-Behörde korrigiert laut Reuters mit dieser Meldung ihre früheren Angaben vom Mittag. Sie hatte berichtet, das Verbot gelte bereits. Begründet wurde die Maßnahme mit radioaktiven Jod in der Nahrung, die kurzfristig die Gesundheit gefährden könnte.

+++Strahlung im Trinkwasser um Fukushima erreicht bedenklichen Wert+++

[16.30 Uhr] Behörden haben im Leitungswasser nahe des Kraftwerks Fukushima erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Die Werte hätten den empfohlenen Wert überstiegen, über dem man das Wasser nicht mehr trinken sollte. Der Kontakt mit radioaktivem Jod kann zu einem erhöhten Krebsrisiko führen. Der Stoff lagert sich insbesondere in der Schilddrüse ein. Zuvor war bereits in der Millionenmetropole Tokio radioaktive Belastung im Leitungswasser gemessen worden - dort allerdings nach offiziellen Angaben unterhalb der Grenzwerte.

+++Überlebende des Tsunamis suchen verzweifelt nach Angehörigen+++

[15.43 Uhr] Das Dorf Onagawa wurde vom Tsunami ausgelöscht - doch noch immer suchen Menschen dort in den Schuttbergen nach Überlebenden, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. In den Ruinen von Onagawa ruft ein Junge nach seiner Mutter - vergeblich. Er schafft Holzbalken und Eisenstangen beiseite, durchwühlt den Schutt, der einmal sein Haus war. Doch seine Mutter ist nicht da.

Tayo Kitamura ist aus dem Süden nach Onagawa gekommen, um ihre Mutter zu suchen. Sie findet nur eine Ruine, wo einst ihr Haus war. Eine vorbeigehende Gruppe Feuerwehrleute durchsucht die Trümmer und birgt eine Leiche.

"Sie ist es", sagt Kitamura leise.

"Wenigstens haben Sie sie gefunden", sagt ein Mann, der die Szene beobachtete. "So haben Sie wenigstens Gewissheit."

Kitamura nickt stumm, umarmt ihre Mutter und beginnt zu weinen.

+++Demonstration gegen AKW-Bau in der Türkei+++

[15.13 Uhr] Angesichts der Atomkatastrophe in Japan haben Umweltaktivisten gegen den geplanten Bau eines Atomkraftwerks im Süden der Türkei demonstriert. Der designierte Standort in Akkuyu befinde sich in einer potenziellen Erdbebenzone, erklärten die rund 50 griechischen und türkischen Zyprer. Sollte die Anlage bei einem Beben beschädigt werden, könnte das 100 Kilometer entfernte Zypern gefährdet sein. Die Regierung will trotz der Nuklearkatastrophe in Japan bis 2013 das erste AKW des Landes bauen lassen.

+++IAEO-Funktionär nennt Atomkraft beneidenswert sicher+++

[15.02 Uhr] Der Ausspruch wirkt nicht wirklich zeitgemäß: Kernenergie sei "beneidenswert" sicher, sagte Graham Andrew, Funktionär der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO, nach Angaben der japanischen Zeitung "Asahi Shimbun" auf einer Pressekonferenz . Die Risiken könnten "nie auf Null reduziert werden". Er reagierte damit auf Anschuldigungen eines russischen Experten für Nuklearunfälle, der der IAEO vorgeworfen hatte, keine Lehren aus dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren gezogen zu haben.

+++Bundesregierung trifft Maßnahmen zum Strahlenschutz+++

[14.45 Uhr] Da eine radioaktive Belastung der Außenhülle von Flugzeugen, die direkt aus Japan kommen, nicht ausgeschlossen werden kann, werden Vorbereitungen zur Messung und gegebenenfalls Dekontamination von Flugzeugen getroffen. Das teilte das Bundesumweltministerium in einer E-Mail mit. Man bereite eine Eilverordnung zur Festlegung von Grenzwerten für Flugzeuge vor. Diese sei dann den Messungen an aus Japan eintreffenden Flugzeugen zu Grunde zu legen. Einige Unternehmen - wie die Lufthansa - prüfen ihre Maschinen aus Japan allerdings ohnehin schon auf Strahlung.

Die Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz der Europäischen Kommission habe zudem empfohlen, Lebens- und Futtermittel, die aus Japan importiert werden, auf Radioaktivität zu untersuchen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz habe diese Empfehlung an die Länder weiter geleitet. Güter wie Fahrzeuge und Unterhaltungselektronik, die aus Japan nach Deutschland kommen, werde man stichprobenartig auf Radioaktivität überprüfen. Entsprechende Anweisungen vom Bundesfinanzministerium seien an den Zoll ergangen.

+++Radioaktivität im Leitungswasser fünf weiterer Präfekturen+++

[14.17 Uhr] Nicht nur in Tokio, auch in fünf anderen Präfekturen wurde nach Angaben der Regierung ein erhöhter Wert von Radioaktivität im Leitungswasser nachgewiesen - und zwar in Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata. In Gunma enthielten Proben pro Kilogramm Wasser für Jod-131 eine Aktivität von 2,5 Becquerel, für Caesium-137 einen Wert von 0,22 Becquerel, und für Caesium-134 waren es 0,16 Becquerel .

Zum Vergleich: Die deutschen Grenzwerte für Milch und Säuglingsnahrung liegen deutlich höher - bei 370 Becquerel Cäsium 134/137 pro Liter. Die Regierung gibt an, es sei ungefährlich das Wasser zu trinken - die Bevölkerung dürfte die Meldung dennoch zusätzlich verunsichern. Eine Erläuterung, was die Bezeichnung Becquerel bedeutet, finden Sie hier .

+++Japan, China und Südkorea schließen AKW-Sicherheitspakt+++

[14.05 Uhr] Nach Angaben von BBC haben die Außenminister von Japan, China und Südkorea sich darauf geeinigt, zukünftig enger in den Bereichen AKW-Sicherheit und Katastrophenvorsorge zusammenzuarbeiten.

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Unglücks-AKW: Wasser marsch in Fukushima

Foto: DPA/ Kyodo

+++Überblick: Zustand der Reaktoren in Fukushima+++

  • Reaktor 1: Stromkabel sind verlegt. Wasserpumpen sollen bald angeworfen werden und für Kühlung sorgen. Ob die Geräte noch funktionieren, ist unklar.
  • Reaktor 2: Stromkabel sind verlegt, es ist unklar, ob die Kühlung noch funktioniert. Die innere Reaktorhülle ist beschädigt, Radioaktivität tritt aus.
  • Reaktor 3: Wasserwerfern haben zur Kühlung mehr als 1000 Tonnen Meerwasser auf den Reaktor gespritzt. Mit Erfolg, sagt die Regierung. Die Brennelemente des Reaktors enthalten hochgefährliches Plutonium. Das Kühlsystem ist ausgefallen, die innere Reaktorhülle soll noch intakt sein.
  • Reaktor 4: Wasserwerfer sollen den Reaktor kühlen. Durch Explosionen klaffen Löcher in der Außenwand des Gebäudes, das Dach ist zerstört. Radioaktivität tritt aus einem Abklingbecken aus.
  • Reaktoren 5 und 6: In die Dächer beider Reaktoren-Gebäude wurden Löcher gebohrt. Dadurch soll Wasserstoff entweichen, um Explosionen vorzubeugen. Brennelementebecken werden mit Notstrom aus Dieselgeneratoren gekühlt.

+++Deka-Bank rechnet mit Schäden von mehr als 135 Milliarden Euro+++

[14.02 Uhr] Die Dekabank mit hohen Kosten für die japanische Volkswirtschaft. Die Ökonomen gehen von Schäden in Höhe von mehr als 135 Milliarden Euro aus, berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine Analyse der Bank. Die Kosten entsprächen 3,2 Prozent der Wirtschaftsleistung Japans.

Ein Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima würde das globale Wachstum um einen Prozentpunkt abschwächen, heißt es in der Studie weiter. Bei einer Verstrahlung in einem Umkreis von 300 Kilometern wären rund 40 Prozent von Japans Wirtschaftsleistung beeinträchtigt.

+++Deutlich erhöhte Strahlung am Rande der Evakuierungszone+++

[13.40 Uhr] Die Strahlung rund 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima ist am Freitag zeitweise 0,15 Millisievert gestiegen - so viel wie ein Mensch bei beim Röntgen seines Brustkorbs abbekommt. Das teilte das japanische Forschungsministerium mit. Amerikanische Spezialflugzeuge führten Messungen über Fukushima durch; der stellvertretende US-Energieminister Daniel Poneman sagte, das Ergebnis stütze die Empfehlung Washingtons, dass sich Menschen nicht im Umkreis von 80 Kilometern um das Atomkraftwerk aufhalten sollten.

+++ Welthöchster Fernsehturm in Tokio vollendet +++

[13.35 Uhr] Als hätte es das Mega-Erdbeben vor einer Woche nicht gegeben: In Tokio haben japanische Bauarbeiter den neuen Fernsehturm "Tokyo Sky Tree" mit einer Weltrekordhöhe vollendet. Die geplante Höhe von 634 Metern sei jetzt erreicht worden, meldet die Betreiberfirma Tokyo Sky Tree Co auf ihrer Website.

Tokyo Sky Tree: Rekordbau vollendet

Tokyo Sky Tree: Rekordbau vollendet

Foto: KYODO/ REUTERS

+++Premier veröffentlicht Anti-Panik-PDF auf Twitter+++

[13.27 Uhr] Das Büro des japanischen Premierministers bemüht sich nach Kräften, eine Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. Auf seinem Twitterkanal hat das Büro jetzt eine Art Anti-Panik-PDF  veröffentlicht: Es zeigt in bunten, niedlichen Bildern, welchen Strahlungsdosen Menschen bei Röntgenaufnahmen oder Langstreckenflügen ausgesetzt sind - die Nachrichten über Fukushima sollen so in Relation gesetzt werden.

Leicht erhöhte Radioaktivität in Tokios Trinkwasser

+++Japan stoppt Lebensmittel-Verkäufe aus Fukushima+++

[13.08 Uhr] Alle Lebensmittelverkäufe aus der Präfektur Fukushima sind vorerst gestoppt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Internationale Atomenergieorganisation IAEA. Zuvor waren bei Milch und Spinat aus der Nähe des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima erhöhte Strahlenwerte gemessen wurden.

+++850.000 Haushalte ohne Strom+++

[13.03 Uhr] In Nordjapan herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt - trotzdem müssen zurzeit rund 850.000 Haushalte ohne Strom auskommen, berichtet der britische "Guardian". Die Wasserversorgung ist an vielen Orten zusammengebrochen.

In einer Pressemitteilung  bedankte sich Tepco, Betreiberunternehmen des Kernkraftwerks Fukushima I, bei seinen Kunden für deren freiwillige Reduzierung ihres Stromverbrauches. Aufgrund des reduzierten derzeitigen Verbrauches würden voraussichtlich am Sonntag keine weiteren geplanten Stromausfälle erforderlich sein.

+++Spuren von radioaktivem Jod in Tokios Trinkwasser gefunden+++

[12.47 Uhr] Behörden haben im Leitungswasser der Hauptstadt Tokio erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Es handele sich um Spuren von radioaktivem Jod, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Vertreter des Wissenschaftsministeriums. Allerdings lägen die Werte in allen Fällen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert, sagte der Ministeriumsvertreter, der nicht genannt werden wollte.

Der Kontakt mit radioaktivem Jod kann zu einem erhöhten Krebsrisiko führen. Der Stoff lagert sich insbesondere in der Schilddrüse ein. Es blieb unklar, wie die radioaktiven Partikel über die Distanz in das Trinkwasser von Gunma gelingen konnten und ob sie überhaupt aus dem AKW Fukushima stammen. Radioaktive Strahlung tritt sonst auch zum Beispiel in Krankenhäusern und Laboren auf.

+++Verlegung der Stromkabel geht voran+++

[12.40 Uhr] Stromkabel wurden inzwischen bis zu den Reaktoren 1 und 2 verlegt, berichtet NHK World . Der Reaktor 2, der als einziger mit dem hoch giftigen Plutonium bestückt ist, sollte als erster an die Stromversorgung angeschlossen werden. Danach müssten aber erst die Geräte zur Kühlung des Reaktors getestet werden, erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco. Ob die Pumpen und Leitungen nach den gewaltigen Explosionen an mehreren Stellen im AKW noch funktionieren, ist allerdings unklar.

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Eine Woche danach: Schweigen für die Toten, Leid bei den Überlebenden

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+++Einige Grüne fordern Atomausstieg bis 2015+++

[12.13 Uhr] Der Anti-Atom-Aktionismus der CDU bringt die Grünen in Bedrängnis. Manche Unionspolitiker stellen inzwischen Forderungen, wie sie die Grünen vor einigen Jahren stellten. Also legt Deutschlands führende Ökopartei noch einmal eine Schippe drauf: Auf ihrem kleinen Bundesparteitag in Mainz fordert die Grünen-Spitze einen Atomausstieg bis 2017. In Änderungsanträgen ist sogar von einem Ausstieg bis 2015 die Rede.

+++Zahl der Todesopfer auf 7348 erhöht+++

[11.56 Uhr] Nach Angaben der BBC wurde die offizielle Zahl der Erdbeben- und Tsunamiopfer in den japanischen Krisengebieten nach oben korrigiert: Von der obersten japanischen Polizeibehörde National Police Agency wurden 7348 Todesopfer und 10.947 Vermisste gemeldet. Den Erfahrungen vom Tsunami 2004 in Asien zufolge dürften die meisten dieser Leichen nie gefunden werden. Laut CNN meldet die National Police Agency inzwischen 2603 Verletzte. Insgesamt 452.000 Menschen sind obdachlos und in Notunterkünften untergebracht.

+++Chinesen für falschen Atom-Alarm bestraft+++

[11.49 Uhr] In China sind zwei Männer bestraft worden, weil sie im Internet grundlos Angst vor einer akuten radioaktiven Verstrahlung geschürt hatten. Einer der Täter habe über ein soziales Netzwerk die Behauptung verbreitet, eine Strahlenwolke habe die Stadt Shanghai erreicht, wie die Zeitung "Shanghai Daily" berichtet. Dabei hat er sich auf eine nicht existierende Mitteilung der Stadtverwaltung berufen. Ein zweiter Internetnutzer habe diesen Eintrag ungeprüft weiterverbreitet. Die beiden Männer seien zu Ordnungsstrafen verurteilt worden.

+++Gabriel ruft das Ende des Atomzeitalters aus+++

[11.20 Uhr] Die Nutzung der Kernkraft ist nach Ansicht des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ein Auslaufmodell. "Wir erleben gerade das Ende des Atomzeitalters", sagte der SPD-Chef im SWR-Radio. "Die Frage ist nur, wie lange der Ausstieg dauern wird."

Die SPD will den Atomausstieg beschleunigen. Bereits in der kommenden Woche werde dem Bundestag ein sogenanntes Abschaltgesetz für eine sofortige Stilllegung aller 17 deutschen Kernkraftwerke vorgelegt, kündigte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann an. Bundestag und Bundesrat könnten ein solches Gesetz innerhalb von einer Woche verabschieden.

+++Strahlung in Russland und USA laut Diplomatenangaben gering+++

[11.16 Uhr] Die Strahlung in Russland und Kalifornien ist nach Angaben eines Diplomaten gering. Die Werte lägen 100 Millionen bis eine Milliarde Mal unter einem gesundheitsgefährdenden Niveau, sagte der Mann, der nach eigenen Angaben Zugang zu Strahlungsmessungen der Vereinten Nationen hat, der Nachrichtenagentur AP. Die Messungen seien im japanischen Takasaki, im russischen Petropavlosk-Kamchatsky und in der Kalifornischen Bundeshauptstadt Sacramento durchgeführt worden.

+++ Starkes Nachbeben in Tokio +++

[11.01 Uhr] - Tokio wird von einem Nachbeben erschüttert, Gebäude wanken. Japanische Medien geben die Stärke zunächst mit 6,1 an. Ein Tsunami werde nicht befürchtet.

+++ Video zeigt Tsunamiwelle auf dem Meer +++

[10.15 Uhr] Die Besatzung eines japanischen Bootes hat am Tag des Erdbebens vor einer Woche den Tsunami gefilmt, bevor diese wenig später an Land schlug und Küstenstädte zerstörte. Die Bilder zeigen wie sich die Welle am Horizont zunächst als schmaler Streifen abzeichnet, dann rollen die Wassermassen heran, das Boot steuert genau darauf zu, nimmt die Welle, die Besatzung atmet auf.

+++ Wirtschaftsweiser warnt vor steigenden Strompreisen +++

[10.12 Uhr] Auf die Verbraucher in Deutschland kommen nach Einschätzung des Chefs der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, deutlich höhere Strompreise zu. Die Kurse an der Leipziger Strombörse seien bereits erheblich gestiegen, sagte der Vorsitzende des Wirtschafts-Sachverständigenrats der Bundesregierung der "Rheinischen Post".

Techniker legen Stromkabel bis zum Krisenreaktor 2

+++ Stromkabel ist verlegt +++

[09.56 Uhr] Ein Stromkabel ist nach tagelangen Arbeiten mit dem Reaktorblock 2 des AKW Fukushima verbunden worden. Dies berichtet die japanische Atomaufsicht. Es sei aber noch kein Strom durch das Kabel geleitet worden. Mit der Leitung soll das Kühlsystem des Reaktors wieder gestartet werden, um eine Kernschmelze im großen Stil zu verhindern.

+++ Bohrungen an den Dächern der Reaktoren 5 und 6 +++

[09.50 Uhr] Arbeiter haben im AKW Fukushima Löcher ins Dach der Reaktoren 5 und 6 gebohrt, so sollen weitere Wasserstoff-Explosionen verhindert werden, meldet die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien. Die Explosionen in anderen Reaktoren seien vermutlich durch Wasserstoff ausgelöst worden.

+++ Westliche Unternehmen verlegen Mitarbeiter +++

[09.50 Uhr] Die Website der japanischen Tageszeitung "Asahi Shimbun" berichtet vom Abzug westlicher Unternehmen aus Tokio: So hätten die schwedische Modekette H&M, der französische Reifenfabrikant Michelin und Zigarettenhersteller Philip Morris begonnen, ihre Mitarbeiter in den Westen Japans oder ins Ausland zu verlegen. Grund hierfür seien wiederholte Nachbeben, Stromausfälle sowie die Krise im Kernkraftwerk Fukushima I.

+++ Versorgungslage in Flüchtlingslagern verschlechtert sich +++

[09.42 Uhr] In der BBC-Radiosendung "Today" sprach Patrick Fuller, Sprecher des Internationalen Roten Kreuzes, über die wachsenden Schwierigkeiten seiner Organisation, Betroffene in den japanischen Krisengebieten zu betreuen. "Die Evakuierungslager platzen aus allen Nähten." Er berichtete von einem Team aus zwölf Mitarbeitern, das versuche, eine Sportarena mit 2400 teils kranken Flüchtlingen zu versorgen.

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Karten: Betroffene Ostküste, Fukushima im Überblick

Foto: SPIEGEL ONLINE

+++ Die meisten Deutschen haben Tokio verlassen +++

[09.18 Uhr] In der japanischen Hauptstadt und ihrer Umgebung halten sich nach Einschätzung der deutschen Botschaft wohl nur noch wenige Deutsche auf. "Ich schätze, dass sich weniger als tausend deutsche Staatsbürger noch in ganz Ostjapan aufhalten", sagte ein Botschaftssprecher in Japan. Die meisten seien nach Westjapan oder ins Ausland abgereist.

+++ Ältestes AKW Deutschlands ist vom Netz +++

[09.12 Uhr] Deutschlands ältestes Atomkraftwerk Biblis A ist komplett vom Netz genommen worden. Damit folge man der Anordnung des hessischen Umweltministeriums zur dreimonatigen Abschaltung der Anlage, teilte der Betreiber RWE am Samstag mit. Atom-Vorstand Gerd Jäger hatte sich am Freitag im SPIEGEL-ONLINE-Interview dagegen gewehrt, das Kraftwerk für immer stillzulegen.

+++ Oppositionspartei lehnt Regierungsbeteiligung ab +++

[09.03 Uhr] Sadakazu Tanigaki, Vorsitzender der größten japanischen Oppositionspartei, hat gesagt, er würde jede Einladung ablehnen, im Kabinett von Premierminister Naoto Kan mitzuarbeiten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Absage des Liberaldemokraten lässt die Hoffnungen auf eine große Koalition schwinden, die den Wiederaufbau Japans koordinieren könnte.

+++ Regierung gibt per Twitter Sicherheitstipps +++

[09.00 Uhr] Am Samstagmorgen deutscher Zeit veröffentlichte das Büro des japanischen Premiers Naoto Kan per Twitter Anweisungen zum Schutz vor Strahlung innerhalb des 30-Kilometer-Radius um das AKW Fukushima I: Man solle sich möglichst im Auto fortbewegen, um der Luft nicht ausgesetzt zu sein, langärmelige T-Shirts, Handschuhe und eine Schutzmaske tragen sowie Regen meiden.

+++ Reaktor 3 wird erneut gekühlt +++

[08.51 Uhr] Die Bemühungen, Reaktor 3 des havarierten AKW Fukushima I durch Bespritzen mit Wasser zu kühlen, sind wieder aufgenommen worden, berichtet der Sender NHK. Laut Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa soll das Wasser nun kontinuierlich zugeführt werden statt wie bisher nur in gewissen Abständen.

+++ Toyota erwartet keine großen Lieferengpässe +++

[08.42 Uhr] In Europa wird es nach Einschätzung des weltgrößten Autokonzerns Toyota "nur bedingt" zu Lieferengpässen kommen. "Über 90 Prozent der in Europa verwendeten Teile sind lokal produziert und für die restlichen Bauteile aus japanischer Produktion läuft die Fertigung am 21. März bereits wieder an", sagte der Präsident von Toyota Deutschland, Toshiaki Yasuda, der "Automobilwoche". Zudem würden mehr als zwei Drittel der in Deutschland verkauften Fahrzeuge in Europa produziert. Derzeit stehen bei dem Konzern in Japan die Laufbänder still. Bisherigen Angaben zufolge soll die Produktion in der kommenden Woche wieder anlaufen.

+++ "Angst vor Radioaktivität ist sehr groß" +++

[08.33 Uhr] Die BBC zitiert ein Schreiben einer Frau, die in Tokushima in Südjapan lebt: "Ich wohne weit außerhalb der Evakuierungszone, aber die Angst vor Radioaktivität ist hier trotzdem sehr groß. Manche meiner ausländischen Freunde sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt, aber die meisten von uns wissen wegen der Distanz zur Krise und der engen Verbindung zu japanischen Freunden und Kollegen nicht, was wir denken sollen. Derzeit warten wir nur ab."

Leichenberge überfordern japanische Gemeinden

+++ Radioaktivität in Spinat und Milch übersteigt ungefährliche Werte +++

[08.25 Uhr] Nach Aussage von Regierungssprecher Edano übersteigt die Radioaktivität in Spinat und Milch aus der Nähe des AKW Fukushima I die amtlich zulässigen Höchstgrenzen. Eine akute Gesundheitsgefährdung sei aber derzeit nicht zu erwarten. Wer ein Jahr lang von der belasteten Milch trinken und den verstrahlten Spinat essen würde, erleide eine Strahlendosis von der Stärke einer Röntgenuntersuchung, sagte Edano. Auch in der Provinz Ibaraki, südlich von Fukushima, sei belasteter Spinat entdeckt worden.

+++ Regierung spricht von stabilisierter Situation +++

[08.21 Uhr] Am Reaktor 3 des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima I ist nach Angaben der japanischen Regierung eine Verbesserung zu beobachten. "Wir glauben derzeit, dass sich die Situation stabilisiert hat", sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die Kühlaktionen von außen hätten eine Wirkung gehabt. Es sei mehr Wasser in Reaktor 3 festgestellt worden.

+++ Japan empfiehlt Jod für Menschen aus Region um havariertes AKW +++

[08.14 Uhr] Japanische Behörden empfehlen Personen, die das Gebiet um das havarierte AKW Fukushima I verlassen, Jod zu sich zu nehmen. Das teilte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA mit. Sie berief sich auf Empfehlungen der japanischen Atomsicherheitsbehörde an die lokalen Behörden. Jodtabletten können bei einem Atomunfall die Aufnahme von radioaktivem Jod im Körper blockieren.

+++ Verstrahlter Spinat gefunden +++

[8.00 Uhr] Spinat aus der Umgebung des defekten Atomkraftwerks Fukushima I ist radioaktiv verstrahlt. Drei Viertel der untersuchten Agrarprodukte seien verseucht. Ein Gesundheitsproblem für die Bevölkerung bestehe deshalb aber nicht, hieß es. Der Regierungssprecher wollte dazu später nähere Einzelheiten bekanntgeben.

Einsatz in der Präfektur Miyagi: Sucharbeiten im Tsunamigebiet

Einsatz in der Präfektur Miyagi: Sucharbeiten im Tsunamigebiet

Foto: Japan Self-Defense Force/ dpa

+++ Krematorien überfordert +++

[7.55 Uhr] Die Gemeinden in den japanischen Unglücksgebieten haben nach dem Erdbeben und Tsunami ein Problem mit den vielen Toten. Einem Bericht der Zeitung "Yomiuri" zufolge sind die Krematorien überfordert. In den betroffenen Präfekturen werde nun überlegt, die Toten zu beerdigen, was in Japan sonst nicht üblich ist. Die Regel sind Feuerbestattungen. Beerdigungen ohne vorherige Einäscherung machten nur 0,04 Prozent aus, heißt es in dem Bericht.

Auch die provisorisch errichteten Leichenhallen reichten bei weitem nicht aus, schreibt das Blatt weiter. Es mangele an Eis zur Kühlung der Toten und auch Leichensäcke fehlen viel zu oft. In einigen Gemeinden reihen sich die Toten in Sporthallen aneinander. Etliche sind nur mit Decken umhüllt. Früher oder später drohten erhebliche Hygieneprobleme, zitiert die Zeitung die Behörden.

+++ Deutsche Betonpumpe soll in Fukushima helfen +++

[7.50 Uhr] Ein weiteres Spezialfahrzeug zur Kühlung ist auf dem Weg zum schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I. Wie der Fernsehsender NHK am Samstag berichtete, könne die Maschine Wasser aus sehr großer Höhe versprühen. Das Fahrzeug sei in Deutschland gebaut worden und pumpe normalerweise flüssigen Beton. Ein ähnliches Modell sei bereits beim Atomunglück in Tschernobyl eingesetzt worden.

+++ Wasser soll sieben Stunden gespritzt werden +++

[7.45 Uhr] Die Reaktoren im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I sollen weitere sieben Stunden von außen mit Wasser gekühlt werden. Wenn das gelänge, seien am Ende 1260 Tonnen Wasser auf Reaktor 3 gesprüht worden, berichtete der Sender NHK am Samstagnachmittag (Ortszeit). Das helfe, die Temperatur zu senken und zu verhindern, dass radioaktive Strahlung nach draußen dringe.

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Japans Katastrophengebiete: Rückkehr in die Verwüstung

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Feuerwehrmänner müssten die Pumpen und Fahrzeuge an der Anlage nicht die gesamten sieben Stunden überwachen. Die Maschinen könnten zwischendurch auch unbeaufsichtigt weiterarbeiten. Derzeit sind laut NHK 44 Fahrzeuge und 240 Feuerwehrmänner aus Tokio an der Anlage im Einsatz.

hut/ulz/ssu/dak/can/dpa/dapd/AFP/Reuters/AP