Schriftstellerin im Shitstorm Jeanette Winterson grillt zerstörerisches Karnickel

"Das Kaninchen hat meine Petersilie gefressen. Ich esse das Kaninchen." Weil ein dreister Nager ihrem Beet zusetzte, griff Schriftstellerin Jeanette Winterson zu einem drastischen Mittel. Sie zog dem Karnickel das Fell über die Ohren - zum Zorn ihrer Internetfans.

Jeanette Winterson 2012 beim Edinburgh International Book Festival: "Ich esse das Kaninchen"
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Jeanette Winterson 2012 beim Edinburgh International Book Festival: "Ich esse das Kaninchen"


Hamburg - In ihrem Twitterprofil beschreibt sich die britische Schriftstellerin Jeanette Winterson als Naturliebhaber. Doch genau das Prädikat wollen ihr nun Dutzende absprechen. Schuld ist ein Vorfall in ihrem Garten.

Vor kurzem postete die 54-Jährige ("Warum glücklich statt einfach nur normal?") auf Twitter ein Bild eines Kaninchens, das offenbar das Schlimmste schon hinter sich hatte. "Das Kaninchen hat meine Petersilie gefressen. Ich esse das Kaninchen", kommentierte die Autorin den Schnappschuss lapidar.

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Nach der Attacke auf ihre Petersilie kannte sie offenbar kein Erbarmen und dokumentierte die Verarbeitung und den Verzehr des Nagers im Internet. Zum Ärger der Netzgemeinde. Die verfolgte mit wachsendem Zorn, wie Winterson das Tier im weiteren Verlauf auf kleiner Flamme brutzelte und mit Thymian und Rosmarin würzte. Die Katze der Köchin vertilgt schließlich die Innereien des Kaninchens.

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Bei einigen Twitter-Lesern stieß Winterson auf wenig Verständnis: "Ich habe aufgehört ihnen zu folgen, Sie machen mich krank. Ich werde nie mehr auch nur ein einziges Wort von Ihnen lesen. Ruhe in Frieden, kleines Kaninchen", empörte sich eine ehemalige Followerin der Autorin. Eine andere schrieb: "Wie Sie mich enttäuscht haben - Sie und Ihre Katze."

Die bekennende Bio-Konsumentin Winterson veröffentlichte daraufhin weitere Fotos von Pflanzen, darunter einigen Rosen aus ihrem Garten, die von einem Kaninchen "bei lebendigem Leibe gefressen" worden seien.

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Zudem erklärte sie ihren erzürnten Fans, Kaninchen seien Schädlinge und in diesem Jahr auf dem Land die reine Pest. Warum sollte man sie nicht selbst fangen, wo man ihr Fleisch auch auf dem Wochenmarkt kaufen könne? Zuletzt schickte sie einen Tweet hinterher, sie sei am Mittwoch bei Radio 4 zu Gast - um über Kaninchen zu reden.

gam/dpa



insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
lampropeltis 18.06.2014
1.
Die Reaktionen im Netz zeigen mal wieder deutlich wie weit sich die westliche Welt von der Natur entfernt hat. Ich sehe nichts verwerfliches daran ein selbstgeschlachtetes Tier zu essen. Das Kaninchen hat jedenfalls ein besseres Leben geführt als z.B. Geflügel aus industrieeller Zucht und Verarbeitung. Ich habe früher selbst meinem Vater geholfen Kaninchen, Hühner, Enten und Gänse für den Eigenbedarf zu züchten und zu schlachten und denke das ich dadurch ein vernünftiges Verhältnis zu dem Fleisch habe das ich heute esse. Dies drückt sich natürlich auch in meinem Einkaufsverhalten aus.
großwolke 18.06.2014
2. optional
Als Kaninchenbesitzer muss ich hier einfach mal klugscheißen: Kaninchen sind keine Nager! Ansonsten alberne Geschichte. Wenns der Fuchs frisst, ist es natürlich, und wir sollen die Finger davon lassen? Finde die Aktion ziemlich erheiternd.
cobaea 18.06.2014
3. bekloppt
Zitat von sysopGetty Images"Das Kaninchen hat meine Petersilie gefressen. Ich esse das Kaninchen." Weil ein dreister Nager ihrem Beet zusetzte, griff Schriftstellerin Jeanette Winterson zu einem drastischen Mittel. Sie zog dem Karnickel das Fell über die Ohren - zum Zorn ihrer Internetfans. http://www.spiegel.de/panorama/jeanette-winterson-schlachtet-karnickel-und-dokumentiert-es-auf-twitter-a-975989.html
Was für ein hysterisches Getue! In England gibt es Kohorten dieser kleinen Karnickel - unter jeder Hecke wohnen sie zu Hunderten. Wenn Winterson einem davon das Fell über die Ohren gezogen hat, wird dadurch der Bestand nun wirklich nicht gefährdet. Ausserdem ist das Ganze ja wirklich scheinheilig - ich geh mal davon aus, dass die erzürnten Internetschreiber nicht alle beinharte Vegetarier oder Veganer sind. Denken die denn das Schnitzel auf ihrem Teller oder das Fleisch in ihrer Pastete oder der Fisch bei fish and chips haben sich totgelacht?
dreamsleep 18.06.2014
4. Respekt!
Ich werde mir mal eines ihrer Bücher zulegen. Nicht, weil ich große Literatur erwarte, sondern um die Idioten abzufedern, die sich über so etwas erdreisten. Sie hat das Tier weder gequält (wie es z.B. bei der Herstellung unseres Grillfleisches täglich passiert) noch aus purer Freude getötet, sondern verarbeitet und gegessen. Was denken diese Leute eigentlich was ihr Steak vorher einmal war oder woher es kommt?! Von Bäumen?
armyoffools 18.06.2014
5. Lächerlich
Die Frau ist sogar bewundernswert, da sie das Tier selbst gefangen und ausgenommen hat. Die meisten Konsumenten in westlichen Ländern haben seltsame Vorstellungen davon, wo das Fleisch in den Kaufhäusern herkommt. Die Frau hat überhaupt nichts Verwerfliches getan. Im Gegenteil. Blamieren tut sich nur die Netzgemeinschaft mit realitätsfremden und total verzerrten Moralvorstellungen.
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